Mit dem Hauskauf kommt die Gruppe ihrem Ziel ein großes Stück näher: ein Haus langfristig dem spekulativen Wohnungsmarkt entziehen und sicheren, bezahlbaren Wohnraum schaffen. Umsetzen wollen die neun jungen Leute das nach dem Vorbild des sogenannten Mietshäuser Syndikats. Das heißt auch, dass es künftig Gemeineigentum sein soll und nicht mehr an eine Privatperson verkauft werden kann. Dazu hat die Gruppe unter anderem einen Verein gegründet. Dessen Name "KOlibri" steht für "Koblenz" und "liber", also lateinisch für frei.
Haus in Lahnstein ist Traumhaus für Gruppe
Die Gruppe habe mehrere Häuser besichtigt, erzählt Mitglied Julia Kämpf. Ihnen sei eine gute Anbindung an die Stadt wichtig und dass es genug Platz für alle gebe. Mehrere Häuser in Koblenz seien aber unbezahlbar für die Gruppe gewesen. Lahnstein liegt nur einige Kilometer entfernt - ein Glücksgriff, den Kämpf selbst bei einem Spaziergang entdeckte. Anni Böhmer erinnert sich ans Unterzeichnen des Kaufvertrags: "Es fühlte sich an wie, 'Wow, wir erfüllen gerade Träume'."
Das Geld fürs Haus hat die Gruppe durch viele kleine und große Kredite, unter anderem auch von privaten Unterstützerinnen und Unterstützern. Für die Renovierung gibt es zusätzlich staatliche Zuschüsse, etwa für ein neues Dach. Das soll im kommenden Jahr erneuert werden, aktuell kümmert sich die Gruppe zum Beispiel um neue Heizungen oder tauscht Dämmmaterial in den Wänden aus. Dabei ist es ihnen wichtig, auf Naturbaustoffe zu setzen, am liebsten aus der Gegend.
Projekt gegen Wohnungsnot und teure Mieten Haus kaufen ohne Kapital: Diesen Plan hat eine Gruppe aus Koblenz
Auch in Koblenz finden viele Menschen oft keine bezahlbare Wohnung mehr. Deshalb will der neue Verein "KOlibri" will eine Projektidee umsetzen, die anderswo schon funktioniert.
Idee findet Unterstützung außerhalb von KOlibri
Einige Gruppenmitglieder arbeiten, andere studieren. Auf der Baustelle helfen alle so, wie sie können. Die Gruppe versucht, so viel wie möglich selbst zu machen. "Ich erträume mir das dann schon so, wie wir hier zusammen kochen", sagt Julia Kämpf. Alle bringen unterschiedliche Fähigkeiten ein und lernen voneinander. Außerdem gibt es auch immer wieder Hilfe aus dem Umfeld, zum Teil an speziellen Bautagen.
Auch eine der früheren Eigentümerinnen habe schon vorbei geschaut. Sie hat gerne an die Gruppe verkauft, bestätigt sie dem SWR. Früher habe sie selbst mit ihren Eltern im Haus gewohnt, zuletzt habe ihre Mutter noch dort gelebt. Über die Jahre haben demnach viele Studierende in den freien Stockwerken gewohnt, die immer wieder zu Besuch kamen. Dass das Haus jetzt an die KOlibri-Gruppe ging, wäre im Sinne ihrer Mutter gewesen, sagt sie.
Wir sind nicht nur zukünftige Mitbewohner:innen, sondern wir sind schon eine Gemeinschaft geworden.
Verein will solidarisch im Haus leben
Das Haus soll auch in Zukunft ein Ort sein, an dem Menschen willkommen sind, etwa bei Gartenfesten. Die jungen Leute wollen sich aktiv ins Stadtleben einbringen, sagen sie. Im Haus selbst wollen sie selbstorganisiert und solidarisch wohnen.
Aber wenn sie doch mal streiten? "Ich glaube, das lässt sich auch nicht vermeiden. Und ja, es kann auch sein, dass das mal schwer wird. Aber ich finde, wir sollten lernen, zu streiten", so Böhmer. Schon beim Renovieren wachse die Gruppe enger zusammen: "Wir sind nicht nur Freunde, wir sind nicht nur zukünftige Mitbewohner:innen, sondern wir sind schon eine Gemeinschaft geworden."
Ein weiteres Mitglied ergänzt, es sei spannend, immer wieder neue Kompromisse zu treffen. "Ich habe meine Sicht darauf, andere Leute haben ihre und wenn ich die zusammentue, dann kriegt man die Perspektive nochmal geweitet." Wenn alles nach Plan läuft, wollen die ersten schon Anfang kommenden Jahres einziehen.