Die Rhein-Marina in Koblenz Ehrenbreitstein ist eigentlich ein Startpunkt für viele Hobby-Bootseigner, um mit ihren Booten einen Ausflug auf dem Rhein zu machen. Aber daran ist aktuell nicht zu denken. Denn viele der Boote liegen hier tief im Schlamm. Wassertiefe: 0 Zentimeter.
"Mir fehlen die Tagesgäste. Ich bin ja praktisch ein Campingplatz auf dem Wasser", sagt Albert Kratz, Inhaber der Rhein-Marina. Es kommen normalerweise viele Urlauber mit den Schiffen, die ein, zwei Tage oder manchmal eine Woche bleiben und die würden jetzt ausbleiben. Aber er könne natürlich nichts machen: "Der liebe Gott muss uns Wasser geben!", so Kratz.
Mir fehlen die Tagesgäste. Ich bin ja praktisch ein Campingplatz auf dem Wasser.
Ähnlich geht es dem Stadthafen in Sankt Goar: "Die letzten drei Wochen ist nichts mehr los bei uns", sagt Eigentümer Kai Dietrich. In seinem Hafen ist nur noch 20 Zentimeter Wassertiefe. Viel zu wenig dafür, dass Boote fahren könnten.
Trotz ausgebaggertem Hafen: In Neuwied geht fast nichts mehr
In Neuwied ist die Lage noch nicht ganz so schlimm wie in Koblenz oder Sankt Goar. Im Hafenbecken ist das Wasser aktuell rund einen Meter tief - auch weil der Hafen vor rund zwei Jahren ausgebaggert wurde. Rein und raus kommen kommt aber auch hier fast niemand mehr.
Die Einfahrt hat gerade nur 60 Zentimeter Wassertiefe, normale Boote brauchen aber oft 70 bis 90. Die Rampe, mit der eigentlich Boote ins Wasser gelassen werden, ist gar nicht so weit betoniert, dass diese gerade ganz runter an die Wasserlinie kommen.
Mehrtagestouren sind im Prinzip unmöglich
Mehrtagestouren sind deswegen für Hobby-Bootsfahrer nicht mehr möglich, weil es keine Möglichkeiten zum Tanken und Übernachten gibt. Das ganze Hobby sei gerade buchstäblich ausgetrocknet, sagt Tobias Berch, Hafenmeister in Neuwied. Das einzige Boot, was bei ihm noch rein- und rauskommen würde, sei ein Elektroboot mit extrem geringem Tiefgang.
Keine unmittelbare Gefahr für die Boote, aber mehr Arbeit
Die Betreiber der Häfen sagen, für die Boote selbst bestehe trotz Schlamm keine unmittelbare Gefahr, auch wenn es natürlich nicht gut für die Boote ist. Die Boote seien ja nicht dafür ausgelegt, auf dem Kiel zu liegen, sondern für eine gleichmäßige Lastverteilung auf dem gesamten Rumpf. Auch Steine am Grund könnten sie theoretisch beschädigen.
Die Eigner müssten sich deswegen jetzt intensiver darum kümmern und vor allem die Leinen überprüfen, damit die Boote nicht am Steg hängen. Manche Boote müssten abgestützt werden. Steigt das Wasser wieder, müssten alle Öffnungen, die Wasser ansaugen - zum Beispiel für die Motorkühlung oder die Toilette - geputzt und vom Schlamm befreit werden, weil der Schlamm sonst diese Teile beschädigen könnte.
Bootseigner suchen Alternativen
Ein Bootseigner aus Neuwied ist traurig: "Es ist Rhein in Flammen und ich komm' nicht raus." Eigentlich wollte er sich mit seinem Boot einen Top-Platz für das Feuerwerk sichern. Das geht jetzt nicht mehr. Aber damit müsse man leben, sagt er. Ein anderer Bootseigner aus Koblenz-Ehrenbreitstein hat die Reißleine gezogen. Er hat sein Boot, kurz bevor es nicht mehr ging, auf die Mosel verlegt.