In Insul, einem kleinen Ort im Oberen Ahrtal, arbeiten etwa 50 junge Menschen an drei nahezu zerstörten Fachwerkhäusern. Die Flut hat sie gezeichnet: marode Balken, herausgefallene Lehmfüllungen, Löcher im Gebälk. Lina Platz, 22 Jahre alt, zeigt die Schäden: "Da sieht man, wie Tiere, vermutlich Mäuse, das Holz durchlöchert haben – das müssen wir alles stopfen, bevor Kalkputz draufkommt."
Die junge Frau kommt aus Bad Bergzabern in der Südpfalz und macht eine Ausbildung zur Kunstglaserin. Zum dritten Mal ist sie schon beim Fluthilfecamp der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) dabei und hilft, historische Gebäude unter Anleitung zu restaurieren.
Wieso sie das macht? "An alten Gebäuden hängen Erinnerungen", sagt sie, "es wäre schade, wenn die zerfallen würden". Viele hätten ja schon ihre Erinnerungen, Fotos oder Erbstücke bei der Flut verloren. Sie merke den Menschen an, wie glücklich sie seien, dass sie hier arbeiten - gemeinsam mit den anderen Teilnehmern des Fluthilfecamps.
Was ist das Fluthilfecamp im Ahrtal?
Beim dritten Fluthilfecamp helfen 300 junge Menschen ehrenamtlich beim Wiederaufbau. Vom 5. bis 20. Juli 2025 arbeiten sie an rund 20 beschädigten Bauwerken, von Insul bis Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sie kommen aus den Jugendbauhütten der DSD.
Man kann sich diese Jugendbauhütten vorstellen wie mittelalterliche Bauhütten. In ihnen wurde gemeinsam gelebt und gearbeitet. Der Meister hat dem Lehrling die Grundlagen der Stil- und Materialkunde weitergegeben, genauso wie das Handwerk.
Die jungen Helfer stammen aus ganz Deutschland. Viele von ihnen absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege oder sind ehemalige Teilnehmer der Jugendbauhütten. Sie bringen Fachwissen mit – etwa in alten Handwerkstechniken wie Lehmbau oder Zimmerei.
Vier Jahre nach der Flutkastastrophe - Einsatz für einen guten Zweck
Bernhard Vollmeier ist zum zweiten Mal dabei. Er ist 22 Jahre alt und kommt aus Mannheim. Gerade sägt er einen neuen Balken zurecht. "Die Arbeit ist echt cool, man tut was für einen guten Zweck." Er finde es sehr wichtig, dass den Leuten bewusst werde, dass immer noch sehr viel zerstört sei. "Auch vier Jahre nach der Flutkatastrophe." Es sei wichtig, zu zeigen: "Wir haben die Region nicht vergessen."
Nach wenigen Tagen fast vollständig ausgebucht
Das sehen auch die Organisatoren so. "Das Fluthilfecamp findet bewusst rund um den 14. Juli statt – den Jahrestag der Flut", erklärt Projektleiterin Laura Haverkamp von der DSD. "Die Botschaft lautet: Wir sind immer noch da." Das Camp sei innerhalb weniger Tage ausgebucht gewesen – die Nachfrage ist enorm.
Auch die rheinland-pfälzische Jugendministerin Katharina Binz (Die Grünen) besuchte das Fluthilfecamp. Sie staunte, was schon alles geschafft worden ist: "Das ist so ein tolles Beispiel dafür, wie wichtig junge Menschen für unsere Gesellschaft sind". Sie finde es beeindruckend, dass junge Leute wie Lina Platz oder Bernhard Vollmeier sich seit mehreren Jahren schon kontinuierlich für andere einsetzen.