Seit dieser Woche ist das Deutschlandticket für alle unter 28 Jahren aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland auch in der französischen Region Grand Est und auf der Strecke nach Paris gültig. Von Koblenz aus erreicht man die französische Hauptstadt im besten Fall in acht Stunden Fahrzeit. Dreimal umsteigen, vier Regionalzüge. Das ist zumindest mein Plan, als ich gegen 10 Uhr am Koblenzer Hauptbahnhof am Bahngleis stehe und meinen Selbsttest starte.
Deutschlandticket nach Paris: Nur Regionalzug statt ICE
"Liebe Fahrgäste, herzlich Willkommen im Regionalexpress RE11 nach Luxemburg, wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise", höre ich im ersten Zug. Die Türen schließen, die Bahn fährt pünktlich ab. Ich finde sofort einen Platz, denn es ist nicht viel los an diesem Tag.
Im Gepäck habe ich auch meinen Personalausweis - denn bei einer Kontrolle sollte man seinen Wohnsitz nachweisen können, denn nur Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und das Saarland machen bei der Aktion mit. Auf meinem Smartphone habe ich das Deutschlandticket dabei, es kostet 58 Euro pro Monat. Um es sicher immer parat zu haben, habe ich eine Powerbank für mein Smartphone dabei. Denn in den Regionalzügen gibt es nicht immer Steckdosen.
Sommeraktion um Deutschlandticket noch unbekannt
Die erste Etappe der Reise führt mich über Trier nach Luxemburg. Ich frage eine Mitreisende, Nomin, ob sie weiß, dass man diesen Sommer mit dem Deutschlandticket bis nach Paris fahren kann. "Nein, wusste ich nicht", sagt sie. Aber jetzt weiß sie es ja. Und freut sich: "Ich bin selber ein Azubi und mit Azubi-Geld ein bisschen weiter weg zu fahren, ist ein bisschen kritisch. Deswegen: Das finde ich voll gut."
Ich höre mich weiter um bei den wenigen Leuten, die im Zug sind: Alle finden die Aktion gut, aber kaum einer kennt sie. Und das, obwohl es sie in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal gibt. Damit soll der europäische Gedanke gestärkt und nachhaltiges Reisen beworben werden, sagen die teilnehmenden Bundesländer. "Wenn ich das jetzt so höre, würde ich die Chance auch nutzen", sagt eine andere junge Frau im Zug. Sie würde gerne nach Paris fahren. Ich mache das schon heute.
Viele Umstiege im Regionalverkehr nach Paris
Pünktlich erreiche ich Luxemburg, meinen ersten Umstiegsort. Luxemburg nimmt zwar nicht an der Aktion teil, aber hier ist der öffentliche Nahverkehr ohnehin immer kostenlos. Von hier aus geht es über die französische Grenze nach Metz.
Hier in Frankreich gilt das Deutschlandticket nur in der Region Grand Est rund um Nancy und Metz. Wie in Deutschland gilt das Ticket auch hier nur in Regionalzügen und -bussen. Für die Menschen hier gibt es die Aktion quasi umgekehrt, denn der sogenannte Pass Jeune/Grenzenlos gilt im Juli und August auch im Nahverkehr in Deutschland. Nach sechs Stunden erreiche ich meinen letzten Zwischenstopp, Châlons-en-Champagne.
Reservierungspflicht auf zwei Strecken in Frankreich mit Deutschlandticket
Für das letzte Stück Richtung Paris brauche ich eine Reservierung. Die ist Pflicht auf zwei Strecken nach Paris, auf der über Châlons-en-Champagne/Bar-le-Duc/Strasbourg und auf der über Troyes/Chaumont/Mulhouse. Die Reservierung kostet nichts, ich habe sie einige Tage vorher über die Seite der französischen Bahn SNCF gemacht.
Nach etwa acht Stunden Fahrt erreiche ich mit fünf Minuten Verspätung den Pariser Ostbahnhof, den Gare de l’Est. Bis hier hin reicht das Deutschlandticket. Fürs letzte Stück zum Eiffelturm nehme ich dann die Metro. Im Gegensatz zu Deutschland ist der Stadtverkehr in Frankreich nicht inklusive, ich zahle extra.
Mein Fazit: Wenn alles so problemlos läuft wie bei mir und man die Zeit und Geduld für Umstiege und Regionalzüge hat, kann ich die Fahrt sehr empfehlen. Und beim Anblick des Eiffelturms ist die lange Fahrtzeit ohnehin fast vergessen.