Das Visum des 40-Jährigen war abgelaufen, deswegen wollte er die Green Card beantragen. Mit ihr können Einwanderer in den USA dauerhaft leben und arbeiten. Doch was Thomas Bilger mit der Green Card lediglich für einen Verwaltungsakt hielt, wurde für ihn zum reinsten Horrortrip, berichtet seine Mutter Gabi Bilger dem SWR.
Thomas Bilger wurde mit Fußfessel und Handschellen abgeführt
Sein Anwalt hatte ihm demnach versichert, dass das abgelaufene Visum kein Problem sei, da er ja bereits die Green Card beantragt habe. Und dieses Verfahren laufe. Thomas Bilger arbeitet bereits seit zehn Jahren in den USA. Seit einem Jahr ist er mit einer Amerikanerin verheiratet. Sie leben in San Diego in Kalifornien. Doch seine Anhörung vor der zuständigen Behörde endete für ihn im Gefängnis, erzählt Gabi Bilger in Mayen in der Eifel.
Ihr Sohn wurde von Mitarbeitern der ICE, der US-amerikanischen Einwanderungsbehörde, verhaftet. Der Vorwurf: Thomas Bilger hält sich ohne Visum in den USA auf. Er sei dann mit Fußfessel und Handschellen in Haft gekommen, berichtet die Mutter. Seine Frau, die bei der Anhörung dabei war, habe erst mal nicht erfahren, warum ihr Mann verhaftet worden war. In einem früheren Radiobericht erzählt sie verzweifelt von dem Vorfall:
Verhaftet und mit 30 anderen Betroffenen in einer Zelle
Gabi Bilger und ihr Mann sind im Kontakt mit ihrem Sohn in Amerika. Er erzählte seinen Eltern, dass er zusammen mit anderen, die ebenfalls eine Green Card beantragen wollten, die ersten drei Tage in einer viel zu kleinen Zelle verbringen musste. Insgesamt 30 Personen, die kaum Platz hatten und auf dem Boden schlafen mussten und kein richtiges Essen bekamen. Immer wieder sei er an verschiedene Orte gebracht worden.
Seit vergangenen Freitag auf Kaution frei - aber mit Fußfessel
Am vergangenen Freitag habe ihn ein Richter auf Kaution entlassen. Noch ist unklar, wie es für ihn weitergeht und wie lange er seine elektronische Fußfessel noch tragen muss. Seine Mutter berichtet, wie seine Freilassung ablief: Er wurde mit einem Bus mit mehreren Leuten an die mexikanische Grenze gebracht. Dort sei eine Art Busbahnhof gewesen, an dem er freigelassen wurde.
Ohne Geld, ohne Handy und ohne Pass habe er da an dem Busbahnhof gestanden, etwa 30 Kilometer von seinem Zuhause in San Diego entfernt. Seiner Frau hatte man zuvor nur die Stadt genannt, nicht aber den genauen Ort, wo sie ihren Mann finden würde. Nur durch Zufall habe sie ihn am Busbahnhof gefunden.
Das war und ist immer noch eine extrem belastende Situation für alle, berichtet Gabi Bilger. Ihr Sohn Thomas habe seither Albträume und Platzangst in engen Räumen. Seine Frau fühle sich in ihrem Haus nicht mehr sicher. Und auch sie und ihren Mann habe der Vorfall sehr mitgenommen.