Paul weiß, was ihm gut steht: Blond gefärbte Haare, ein schwarzes Hemd mit Leopardenprint auf dem Rücken, kombiniert mit einer schlichten schwarzen Hose. Doch seine Begeisterung für Mode hat dem Azubi aus Mainz (Name von der Redaktion geändert) mehrere tausend Euro Schulden beschert.
Einkäufe unter 200 Euro hat er mit "Buy now, pay later"-Dienstleistern wie PayPal und Klarna bezahlt. Bezahlen wollte er in Raten oder 30 Tage später mit Geld, das er nicht hatte. Eine Verschuldungsgefahr, die ein neues Gesetz bald verhindern soll.
Die Kontrolle über Ausgaben verloren
Schnell hatte Paul bei den vielen Kleinkrediten den Überblick verloren. Doch das Zahlen auf Pump im Geschäft oder online funktionierte geräuschlos weiter. Bis der Azubi irgendwann doch mal seinen Briefkasten leerte. "Es war eine Masse an Briefen", erzählt er. "Ich hab erstmal einen Schock bekommen. Dann hab ich die Briefe geöffnet. Es waren auch gelbe dabei."
Ich hab erstmal einen Schock bekommen. Dann hab ich die Briefe geöffnet. Waren auch paar gelbe dabei.
Mehr als jeder dritte Nutzer muss eine Mahngebühr bezahlen
Gelbe Briefe mit Mahnungen zur Zahlung kennen viele junge Shopping-Fans. Etwa jeder fünfte Einkauf in Deutschland wird, laut World Payments Report, meist online mit "Buy now, pay later"-Anbietern bezahlt. Fast jeder zweite Kunde zwischen 18 und 25 Jahren hat damit schon Erfahrungen gesammelt.
Doch wie Paul hat mehr als jeder dritte Nutzer die Bezahlfrist verpasst und musste Mahngebühren bezahlen. Betroffene sollten sich schnell Hilfe holen, rät Sonja Guettat von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "Je früher man dieses Problem angeht, desto größer sind auch die Wahrscheinlichkeiten, dass man es mit Hilfe wieder in den Griff bekommt und eine Insolvenz umgehen kann."
Neues Gesetz soll Verbraucher schützen
Bald dürfte es für Verbraucher schwieriger werden, sich mit Ratenzahlungen zu verschulden. Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie verpflichtet Bezahlanbieter, Kunden besser zu informieren und ihre Kreditwürdigkeit zu prüfen, auch bei Beträgen unter 200 Euro. Deutschland muss die Richtlinie bis zum 20. November 2025 in nationales Recht umsetzen, spätestens ab November 2026 ist das Gesetz anzuwenden.
Bei schlechtem Schufa-Score oder unzureichenden Gehaltsnachweisen soll das Später-Bezahlen mit PayPal und Klarna dann nicht mehr möglich sein. Für Verbraucherschützer ein wichtiger Schritt, um junge Menschen vor Schulden zu bewahren. "Das halten wir für sehr sinnvoll", sagt Guettat. "Denn dann könnten Menschen, die sich diese Ratenzahlungen überhaupt nicht leisten können, geschützt werden.
Schuldenabbau kann mehrere Jahre dauern
Für Paul aus Mainz kommt das neue Gesetz zu spät. Als hoch verschuldeter Azubi ließ er sich bei der Verbraucherzentrale beraten. Die riet ihm zu einer außergerichtlichen Schuldenbereinigung damit er keine Privatinsolvenz anmelden muss.
Die Kreditwürdigkeit muss auf jeden Fall überprüft werden. Und wenn da etwas nicht stimmt, sollten solche Kredite auch nicht gegeben sein.
Jetzt, wo der Deal mit seinen Gläubigern geklappt hat, kann Paul seine Schulden in kleinen Häppchen über mehrere Jahre zurückzahlen. Er hofft, dass die neuen Regeln ihn vor einer weiteren finanziellen Bruchlandung schützen können: "Die Kreditwürdigkeit muss auf jeden Fall überprüft werden. Und wenn da etwas nicht stimmt, sollten solche Kredite auch nicht gegeben sein."
Auch, wenn das Später-Bezahlen mit Klarna, Ratepay und PayPal immer beliebter wird: Kleinkredite dürften in Zukunft nur noch funktionieren, wenn man es sich wirklich leisten kann.