"Da wäre ich gerne ein Stückchen weiter, das ist völlig klar", sagte der ehemalige Landrat Otto Rubly bei seinem Abschied über die wirtschaftliche Situation des Kreises. Rublys Nachfolger Johannes Huber (beide CDU) hat mit dem Kreis ein perfektes Beispiel für eine strukturschwache Region geerbt. Kusel gilt als einer der ärmsten und strukturschwächsten Landkreise Deutschlands und Huber steht nun vor der Aufgabe, die Wirtschaft im Kreis zu stabilisieren - eine Mammutaufgabe. Doch welche Probleme genau hat der neue Landrat in Kusel vor sich? Und wie will er diese lösen?
- Problem 1: Viele Pendler, schlecht für Förderrichtlinien
- Problem 2: Fehlende Gewerbeflächen im Kreis Kusel
- Problem 3: Abhängigkeit von Arbeitsplätzen im Saarland
- Problem 4: Ungünstige Verkehrslage im Norden der Pfalz
- Lösungen: Das will der neue Landrat unternehmen
- Kusel: Wirtschaft im "Teufelskreis"
Problem 1: Viele Pendler, schlecht für die Förderrichtlinien
Als Kreis mit wenig eigener Wirtschaft steckt Kusel in der Pendler-Falle: 78 Prozent der Menschen arbeiten nicht im Kreis (Stand Zensus 2022). Damit ist Kusel aktuell der Landkreis in ganz Rheinland-Pfalz aus dem am meisten Menschen zum Arbeiten auspendeln. Der Kreis hat dadurch an sich eine niedrige Arbeitslosenquote.
Was gut klingt ist schlecht für die Förderungen der Wirtschaft vor Ort, denn die Förderprogramme für strukturschwache Regionen des Bundes messen sich oft an der Arbeitslosenquote. Huber kritisiert das scharf.
Problem 2: Fehlende Gewerbeflächen im Kreis Kusel
Firmen suchen oft schnell einen neuen Standort, aber im Kreis Kusel müssen erst Gewerbegebiete geplant werden und der Kreis muss sie genehmigen lassen. Laut dem Landrat dauert das oft mehrere Jahre. "Aber bis wir Fläche gefunden, geplant und freigegeben haben, sind Jahre vergangen. Da ist das Unternehmen längst woanders", so Huber. Im Nachbarkreis Saarland gibt es dagegen Vorratsflächen, also fertig vorbereitete Bauplätze, an denen Firmen sofort loslegen können. Der neue Landrat könnte sich das als Vorbild vorstellen. "Wir haben jetzt zwar ein paar Turboflächen ausgewiesen bekommen, aber so richtig gefördert fühlen wir uns halt nicht", so der Landrat.
Als geeignet für das Turboflächenprogramm des Landes haben sich mögliche Gewerbeflächen in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan - genauer in Schellweiler, Reichweiler und Konken - erwiesen. Für diese Flächen soll es nach einer Machbarkeitsstudie eine beschleunigte Entwicklung geben, unterstützt durch das Land. Landrat Huber hält das für richtig, aber zu kleinräumig: "Ich wünsche mir, dass man nicht so kleinräumig denkt, sondern den ganzen Landkreis betrachtet", sagt er. Dahinter stecke der Wunsch die Turboflächen dort auszuweisen, wo auch Bedarf ist.
Problem 3: Abhängigkeit von Arbeitsplätzen im Saarland
Viele Menschen aus dem Kreis Kusel arbeiten in Nachbarregionen, zum Beispiel in Homburg bei Automobilzulieferern: "Die Industrie dort ist schon zum Teil weggebrochen und es wird uns noch mehr wegbrechen, so dass es uns an dieser Stelle stark mit Arbeitslosigkeit treffen wird", so Hubers Prognose. Deshalb will der neue Landrat zukünftig auf mittelständische Unternehmen im Kreis setzen. Sie seien für den Kreis am praktischsten: "Denn wenn mal ein Unternehmen wegbricht oder auch zwei, dann kann man das auffangen", so der Landrat, "bricht ein ganzer Zweig mit Großunternehmen weg, trifft es die Region am Ende viel härter."
Problem 4: Ungünstige Verkehrslage im Norden der Pfalz
Der Kreis Kusel ist verkehrstechnisch schlecht angebunden. "Wir haben relativ wenig Bahnverkehr, was für Arbeitnehmer wichtig ist", sagt Landrat Huber. Im Norden des Kreises fehle zudem eine Autobahn. Dabei bewerten laut Umfrage der IHK im Sommer 2024 die Unternehmen im Kreis Kusel die Anbindung des Kreises mit immerhin 6,1 von 10 Punkten.
Lösungen: Das will der neue Landrat unternehmen
Landrat Johannes Huber hat klare Pläne für die Wirtschaft im Kreis Kusel. Er sagt: "Fördergeld nicht nach Arbeitslosenzahl verteilen, sondern an echter Strukturschwäche messen." Seit 2026 gibt es neue Regeln für Fördergebiete - das gehe in die richtige Richtung.
Statt langwieriger Planung will er Vorratsflächen wie im Saarland schaffen: Fertige Bauplätze, wo Firmen gleich loslegen können. Dazu spricht der Kreis schon mit der Planungsgesellschaft Westpfalz.
Huber will vor allem auf mittelgroße Firmen setzen, die neu kommen oder wachsen. So soll Kusel weniger vom Saarland abhängig werden. Außerdem will er mehr Freiheit, um Flächen in seinem Kreis schnell zu vermarkten. Wirtschaft, Bildung und ärztliche Versorgung werden für ihn die wichtigsten Themen in den nächsten Jahren.
Kusel: Wirtschaft im "Teufelskreis"
Denn aktuell geben Unternehmen im Kreis Kusel in der IHK Umfrage ihrem Standort im Schnitt insgesamt nämlich nur 5,6 von 10 Punkten - ein deutliches Zeichen dafür, dass sich viele Unternehmen hier schwer tun. Bei der Frage nach einem offenen Ohr für die Wirtschaft oder kommunalem Standortmarketing bekommt der Kreis keine fünf Punkte von den Unternehmen.
Aus Sicht des Landrats steckt der Kreis damit in einem Teufelskreis: "Wir sind strukturschwach, dann bekommen wir nichts, dann können wir nichts aufbauen und dann verschlimmert sich das immer weiter."