Plastikmüll ist ein globales Problem, das auch die Westpfalz betrifft: Mikroplastik gelangt in unsere Umwelt und letztlich in unseren Körper. Michael Lakatos hält eine Kreditkarte in der Hand. So viel Mikroplastik nimmt der Körper eines Menschen jede Woche auf, erklärt der Wissenschaftler. Er ist der Leiter des Forschungsprojekts "Waste2Value" am Campus Pirmasens der Hochschule Kaiserslautern.
Die Idee hinter dem Projekt: Wege erforschen, wie Abfall – von Pizzaresten bis zu landwirtschaftlichen Bio-Abfällen – in wertvolle Rohstoffe wie Bio-Kunststoff verwandelt werden kann.
Nachhaltigkeit statt Erdöl in Pirmasens
Das Projekt wurde 2020 ins Leben gerufen – getragen von der Hochschule Kaiserslautern, dem Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens, der ZukunftsRegion Westpfalz und Unternehmen aus der Region. Das gemeinsame Ziel: neue, nachhaltige Materialien wie Bio-Kunststoffe, Treibstoffe und biologisch abbaubare Klebstoffe entwickeln – komplett aus organischen Reststoffen und ohne fossile Rohstoffe wie Erdöl. Wer den Wissenschaftlern dabei hilft?
Mikroalgen und Bakterien – kleine Helfer mit großer Wirkung
Im Zentrum der Forschung stehen Bakterien und Mikroalgen, die Abfälle in Biomasse umwandeln. Die Algen wachsen in sogenannten Algenreaktoren – in Gefäßen, in denen sie geschützt CO₂ aus der Luft binden und daraus Biomasse bilden. Diese Biomasse kann wiederum beispielsweise zu Bio-Kunststoff verarbeitet werden. Projektleiter Michael Lakatos sieht seine Forschung am Anfang einer großen Entwicklung: "Wir sind aktuell so weit, wie die Photovoltaik-Anlagen in den 1970er Jahren waren."
Forschung aus allen Klimazonen in Pirmasens – Algenvielfalt im Labor
Das Labor in Pirmasens beherbergt unter anderem Mikroalgen aus der Atacama-Wüste, aus Spanien, der Antarktis, den Tropen, den Alpen und Spitzbergen, einem der nördlichsten bewohnten Gebiete der Welt. Jede Algenart wird überprüft, wie gut sie sich für die Forschung in Pirmasens eignet.
Chancen für die Westpfalz – Wirtschaft und Umwelt profitieren
Am Forschungsprojekt "Waste2Value" am Campus Pirmasens beteiligen sich mehrere Unternehmen aus der Westpfalz. Sie wollen Produkte und Verfahren so weiterentwickeln, dass sie in Zukunft deutlich nachhaltiger werden. Derzeit laufen innerhalb des Projekts verschiedene Forschungen – von der Entwicklung biologisch abbaubarer Kunststoffe über innovative Klebstoffe.
Wir sind aktuell so weit, wie die Photovoltaik-Anlagen in den 1970er Jahren waren.
Ministerpräsident Schweitzer zu Besuch in Pirmasens
Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) war am Dienstag am Campus Pirmasens und ließ sich das Projekt "Waste2Value" zeigen. Dabei betonte Schweitzer, wie wichtig es ihm sei, Biotechnologie in Rheinland-Pfalz, aber auch deutschlandweit voranzubringen.
Pirmasens denkt grün: Wie Visionen die Region verändern könnten
Projektleiter Michael Lakatos blickt optimistisch nach vorn: "Unser Traumziel wäre, dass alle Fassaden mit Algenreaktoren ausgestattet sind." So könnten in der ganzen Westpfalz Mikroalgen dabei helfen, die Region grüner und nachhaltiger zu machen – und zugleich neue, umweltfreundliche Materialien entstehen lassen.
Ganz ohne Plastik wird die Welt wohl nicht auskommen. Aber was wäre, wenn Kunststoffe so hergestellt würden, dass sie sich nach ihrem Gebrauch abbauen – und nicht mehr ewig in den Ozeanen treiben? Wenn das Mikroplastik in der Umwelt Schritt für Schritt verringert werden könnte? Am Campus Pirmasens arbeiten Michael Lakatos und andere Forschende genau an dieser Vision.