Kurz nach neun Uhr zieht der Nebel vom Clausensee über die Bäume des Pfälzerwaldes. Das Gewitter am Abend zuvor hat für etwas Abkühlung gesorgt. Für Sigrid und Dieter Wolf eine schöne Gelegenheit, um über den Campingplatz zu spazieren. Für die beiden ist er so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Seit vier Jahren sind sie Dauercamper in der Südwestpfalz.
Das bedeutet, sie kommen immer wieder aus Wörth in der Südpfalz für ein paar Tage an den Clausensee. "Der See ist immer schön frisch, die Umgebung, das Verhältnis zu den anderen Dauercampern - das passt einfach", sagt Dieter Wolf. Die Freiheit, ungezwungen genießen - das schätzen die beiden am Campen. "Man findet immer wieder welche, die zu Besuch kommen, knüpft Kontakte, das ist sehr interessant", erzählt Dieter Wolf.
Ein Wunsch: Der Nahverkehr könnte im Pfälzerwald besser sein
Gerne erkunden die 65-Jährige und der 69-Jährige auch mit den Fahrrädern die Gegend. "Wir haben lange nach so etwas gesucht", verrät Sigrid Wolf. Verbesserungsbedarf sehen sie lediglich am Nahverkehr. "Ohne Auto ist man hier schon aufgeschmissen", schildert Sigrid Wolf.
Vom See geht's vorbei an der Rezeption zu den Stellplätzen. Es sind nur wenige Meter. Juliane Klüßendorf vom Campingplatz geht diesen Weg mehrfach am Tag. Gerade auch jetzt in der Hauptsaison. Der Zeit, in der auch auf dem Campingplatz richtig viel los ist. "Das ist positiver Stress", sagt sie mit einem Lächeln.
Aus München zum Urlaub auf dem Campingplatz in der Pfalz
15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich am Clausensee um die Gäste. Da gibt es natürlich auch mal den einen oder anderen Sonderwunsch. "Vor Kurzem ist zum Beispiel mal ein Auto nicht angesprungen. Da konnten wir mit einem Starthilfe-Set unterstützen", erzählt Klüßendorf.
Solche Probleme hat Axel Bieller an diesem Morgen nicht. Der 61-Jährige Heidelberger ist mit Frau und Freunden aus München auf dem Campingplatz bei Waldfischbach-Burgalben. "Wir haben einen Campingplatz mit einem See gesucht, wollten in die Natur. Da haben wir den Clausensee entdeckt", sagt er. Für die Gruppe ein Glücksfall. "Wir sind hier total happy. Das ist ein schönes Fleckchen Erde."
Camping ist in Deutschland so gefragt wie noch nie
Das Campen haben Bieller und seine Frau vor ein paar Jahren entdeckt. "Das ist unser Ding. Draußen sein, in der Natur. Wandern gehen, schwimmen gehen, Fahrradfahren. Und dazu lernt man viele Leute kennen", schildert er.
Und da sind die Heidelberger längst nicht alleine. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Camping im vergangenen Jahr beliebter denn je. Fast 44,7 Millionen Übernachtungen gab es 2025 auf den Campingplätzen in Deutschland. Eine Entwicklung, die auch in der Pfalz zu spüren ist.
Menschen suchen in der Pfalz Erholung in der Natur
"Camping- und Reisemobilurlaub sind beliebt", bestätigt auch eine Sprecherin der Pfalz Touristik. Das sei vor allen Dingen dort der Fall, wo auch das Angebot stimmt. "Camping profitiert dabei vom anhaltenden Trend zu naturnahem und flexiblem Urlaub und ist in der Pfalz weiterhin ein wachsendes Segment", so die Sprecherin.
Natur und flexibel sein - das schätzt auch Familie Lichtenberger aus Veitsrodt bei Idar-Oberstein am Campen. Sie hat sich ein kleines Dorf mit Zelten, Pavillon und sogar einer mobilen Fass-Sauna am Clausensee aufgebaut. "Wir waren letztes Jahr schon einmal über ein verlängertes Wochenende hier. Das hat uns so gut gefallen, dass wir dieses Jahr noch einmal gekommen sind", sagt Marco Lichtenberger.
Campingplatz am Clausensee statt Kreuzfahrt
Damit hat der Campingplatz gegen eine Städtereise oder Kreuzfahrt gewonnen. Auch das hatte die Familie schon ausprobiert. "Wir haben alles dabei, was wir brauchen. Die Kinder lernen hier unglaublich viele andere Kinder kennen, sie haben mehr Spaß, sind freier, offener", erzählt Lichtenberger. Und die Kids müssen auch gar nicht lange überlegen, was ihnen hier besonders gut gefällt: "Stand-Up Paddle, der See", kommt direkt als Antwort.
Und auch die Alpakas sind bei den Kindern auf dem Campingplatz gefragt. Weygener, Wally, Warren Weinberg und Horst machen es sich direkt neben dem Spielplatz in ihrem Gehege im Schatten bequem und schauen manchmal neugierig, wenn Gäste des Campingplatzes vorbeilaufen.
Auch von der Ostsee kommen Gäste zum Urlaub in die Pfalz
Die haben im Durchschnitt so ein bis zwei Stunden Anfahrt, sagt Juliane Klüßendorf vom Campingplatz-Team. "Wir haben aber auch Gäste von der Ostsee, der Nordsee, die einfach mal die Natur bei uns im Pfälzerwald erleben wollen", erzählt sie. Derzeit werde der Campingplatz von Tag zu Tag voller. "Die meisten sind dann so zwischen einer und zwei Wochen bei uns."
Wer nicht schon früh morgens mit dem Fahrrad im Pfälzerwald unterwegs ist, der genießt die Ruhe am See. Und wenn dann noch der Nebel über die Hügel hinweg zieht - wie an diesem Morgen - gibt es ein kleines Naturschauspiel gratis dazu.