Pilotprojekt an Schule in Winnweiler

Ukrainekrieg und Atomwaffen: Schüler diskutieren in Winnweiler über Politik

Beim atomaren Planspiel in Winnweiler diskutieren Schülerinnen und Schüler über NATO, Abschreckung und den Ukrainekrieg – und treffen selbst politische Entscheidungen.

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Von Autor/in Lorena Schreiber

Wie würde Deutschland auf eine weitere Eskalation im Ukrainekrieg reagieren? Sollte Deutschland eigene Atomwaffen besitzen? Und wie entstehen politische Entscheidungen in Krisenzeiten? Mit genau diesen Fragen haben sich Schülerinnen und Schüler beim atomaren Planspiel am Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler beschäftigt.

Bei dem Atomwaffen-Planspiel in Winnweiler schlüpften die Zehntklässler in verschiedene Rollen: Bundesregierung, NATO, Bundeswehr oder Friedensorganisationen. Sie mussten diskutieren, verhandeln und am Ende selbst eine politische Entscheidung treffen.

Diskussionen über NATO, Atomwaffen und Sicherheit

Vorbereitet hatten sich die Jugendlichen mehrere Wochen lang im Unterricht. Inhaltlich ging es unter anderem um atomare Abschreckung, internationale Bündnisse und die aktuelle Sicherheitslage in Europa. Grundlage des Planspiels war der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Im Klassenraum wurde laut diskutiert, argumentiert und verhandelt. Die Gruppen vertraten dabei sehr unterschiedliche Positionen – von atomarer Abrüstung bis hin zu Forderungen nach einer eigenen deutschen Atombombe.

"Wie das in der Politik auch laufen kann"

Lina unterstützt im Planspiel die NATO-Seite. Für sie ist klar, wie schwierig die Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen Lagern sind: "Ich denke, dass es ziemlich schwer ist zu verhandeln, vor allem zwischen den Seiten, die die Atomwaffensperrverträge unterstützen und der Seite, die für den Bau neuer Bomben sind." Die NATO stehe dabei "irgendwie dazwischen" und müsse schauen, "dass es eine Lösung für beide Seiten gibt", sagt sie.

Leon vertritt dagegen die Position, dass Deutschland unabhängiger von den USA werden müsse. Sein Ziel im Planspiel: eine eigene atomare Verteidigung für Deutschland. Dass die Klasse so intensiv diskutieren würde, habe ihn überrascht. "Man wird quasi so richtig in die Lage reinversetzt, wie das in der Politik auch laufen kann", sagt er.

Warum Atomwaffen und Ukrainekrieg junge Menschen beschäftigen

Entwickelt wurde das Planspiel von der Friedensakademie Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Friedensorganisation "Ohne Rüstung Leben". Die Idee entstand rund um den 80. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.

Zerstörung in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe.
Zerstörung in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe. picture alliance / ZUMAPRESS.com | Keystone Pictures Agency

Simon Bödecker von "Ohne Rüstung Leben" sagt, junge Menschen sollten sich mit Atomwaffen beschäftigen – aber nicht mit fertigen Meinungen. Stattdessen gehe es darum, dass Jugendliche sich Argumente selbst erarbeiten und "im Sinne eines demokratischen Prozesses zu einem Ergebnis kommen".

Dass Fragen rund um Krieg und Sicherheit junge Menschen wieder stärker beschäftigen, beobachtet Bödecker seit dem Krieg in der Ukraine. Themen wie Wehrpflicht, NATO oder atomare Abschreckung seien für viele plötzlich viel realer geworden.

Jugendliche übernehmen beim Planspiel in Winnweiler die Rollen von NATO etc.
Jugendliche übernehmen beim Planspiel in Winnweiler die Rollen von Bundesregierung und Bündnispartnern und verhandeln über den Umgang mit Atomwaffen und Sicherheitspolitik.

Schüler in Winnweiler entscheiden gegen deutsche Atomwaffen

Am Ende muss die "Bundesregierung" des Planspiels eine Entscheidung treffen. Die Gruppe in Winnweiler spricht sich gegen eigene deutsche Atomwaffen aus. Amerikanische Atomwaffen sollen aber weiterhin in Europa gelagert werden dürfen.

Gleichzeitig entwickeln die Schülerinnen und Schüler die Idee eines neuen europäischen Bündnisses. Dort müssten alle Mitgliedsstaaten gemeinsam über einen möglichen Einsatz entscheiden.

Ein einfaches Ja oder Nein gibt es damit nicht. Genau das macht das Planspiel für viele spannend: Die Jugendlichen müssen selbst verhandeln, Kompromisse finden und politische Verantwortung übernehmen.

Atomwaffen-Planspiel soll an weitere Schulen in Rheinland-Pfalz kommen

Aktuell wird das Planspiel noch als Pilotprojekt getestet. Perspektivisch soll das Konzept auch an weiteren Schulen in Rheinland-Pfalz eingesetzt werden. Dafür wollen die Organisatoren künftig auch Lehrkräfte schulen.

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Lorena Schreiber
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