Während die nordrhein-westfälische Landesregierung und die Stadt Düsseldorf jubeln, ist der Schock in Vallendar groß: Stadtbürgermeister Wolfgang Heitmann (SPD) ist enttäuscht über den angekündigten Weggang der privaten Wirtschaftshochschule aus Vallendar. Die Stadt würde demnach einen wichtigen Teil dessen verlieren, was Vallendar ausmacht, sagte er dem SWR.
"Die Auswirkungen wären erheblich auf den Wohnungsmarkt, den Einzelhandel und die Gastronomie, auf die örtliche Wirtschaft und natürlich auf die Nutzung zahlreicher Gebäude." Die Stadt müsse die nächsten Jahre nutzen, um gemeinsam mit der Hochschule neue Perspektiven für Vallendar zu entwickeln. Heitmann zeigte sich außerdem verärgert darüber, dass er von dem Wegzug der Hochschule erst aus der Presse erfahren hatte.
Wirtschaftsuni will Aktivitäten in Düsseldorf bündeln
Derzeit betreibt die Otto Beisheim School of Management (WHU) jeweils einen Campus in Vallendar und in Düsseldorf. Beide sollen laut WHU bis auf weiteres bestehen bleiben. Aber: "Unser Ziel ist es, die Aktivitäten der WHU bis 2034 an einem gemeinsamen Campus in Düsseldorf zu bündeln. Eines Tages werden wir daher auch Abschied von Vallendar nehmen", teilt die WHU auf SWR-Anfrage mit. Dafür soll ein neuer Campus im Medienhafen in Düsseldorf entstehen. Zu den Kosten macht die Hochschule noch keine Angaben.
WHU: Studierende aus Vallendar können dort ihr Studium beenden
Der Studienalltag werde durch die Verlegung aber nicht gestört, verspricht die Hochschule: "Alle Studierenden, die ihr Studium in Vallendar begonnen haben, werden es auch in Vallendar abschließen können." Es seien bereits in der Vergangenheit einzelne Studienprogramme nach Düsseldorf verlegt worden, ohne dass dadurch der Studienalltag gestört worden sei.
WHU: Düsseldorf bietet beste Voraussetzungen für neuen Campus
"Die einzelnen Schritte des Übergangs werden sich im weiteren Planungsverlauf konkretisieren", schreibt die WHU. Ihre Entscheidung begründet die Hochschule unter anderem damit, dass Düsseldorf als Metropole in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas beste Voraussetzungen biete: "Ein neuer, offener Campus bietet uns die Chance, Studierende, Fakultät, Mitarbeitende und Alumni enger zusammenzubringen und den Austausch mit Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Gesellschaft zu stärken."
Aus Sicht der WHU ist der Umzug nach Düsseldorf ein logischer Schritt, da der Standort dort seit 2010 kontinuierlich gewachsen sei. "Zugleich wäre die WHU ohne Vallendar nicht das, was sie heute ist. Die Region, ihre Menschen und Unternehmen sowie unsere Gründungsmitglieder, allen voran die IHK Koblenz, haben die WHU entscheidend geprägt. Dafür sind wir sehr dankbar."
Kreis Mayen-Koblenz will Hoffnung für Standort Vallendar nicht aufgeben
Für den Bildungsstandort Rheinland-Pfalz ist die Entscheidung der WHU ein großer Verlust - wird die private Wirtschaftsuni doch regelmäßig in internationalen Rankings als eine der führenden Business Schools Europas gelistet.
Das betont auch Marko Boos (SPD), der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz. "Wir hoffen, dass sich das Land stärker einbringt, um die WHU zumindest in Teilen an den Standort binden zu können. Denn neben der Bedeutung für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort ist die WHU für die Attraktivität des gesamten nördlichen Rheinland-Pfalz ein wichtiger Faktor", so Boos. Der Landrat will deshalb mit der Wirtschaftshochschule besprechen, ob es doch noch eine langfristige Perspektive für den Standort Vallendar geben könnte.
Große Freude in Nordrhein-Westfalen
Aus Sicht von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wird durch den geplanten Campus in Düsseldorf "die internationale Anziehungskraft Nordrhein-Westfalens als Standort für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen" unterstrichen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) geht davon aus, dass die Stadt so "noch attraktiver für internationale Studierende, Talente und Unternehmen" wird.