Wenn Millimeter über ein neues Lebensgefühl entscheiden

Ein Jahr Knie-OP mit Roboter im Krankenhaus in Rodalben

Weniger Schmerzen und schnellere Mobilität nach Knie-OP: Selbst bei komplizierten Eingriffen ist das Ergebnis zufriedenstellend. Das Klinikum in Rodalben zieht nach einem Jahr Robotertechnik eine positive Bilanz.

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Stand

Von Autor/in Alexandra Dietz

"Das Knie des Patienten ist stark deformiert, die Arthrose massiv, der Patient hat Dauerschmerzen und kann kaum noch laufen - ohne Schmerztabletten geht nichts mehr", sagt Bassam Qasem in seinem blauen OP-Kittel mit Handschuhen und Mundschutz, bereit für die Knie-Operation. Für den Chefarzt am Standort Rodalben des Städtischen Krankenhauses Pirmasens sind genau diese komplizierten Fälle eine "Herausforderung", die er liebt.

Seit September 2025 operiert er in Rodalben mit einem neuen computergestützten Robotersystem. Nach einem Jahr zieht er Bilanz: "Die Planung ist absolut zuverlässig, die Ergebnisse sehr gut.“ Patienten hätten "weniger Schmerzen, sind schneller mobil und blieben nach der OP deutlich kürzer im Krankenhaus".

Millimeterarbeit statt Augenmaß: So hilft der OP-Roboter in Rodalben beim künstlichen Knie

Vor dem ersten Schnitt am Knochen vermisst das System die individuelle Anatomie des Patienten dreidimensional - vollautomatisiert. Achse, Größe und Position der neuen Knie-Prothese werden so millimetergenau geplant. Was und wo am Oberschenkelknochen und auch am Unterschenkelknochen gefräst werden muss oder wo der Arzt Knochen abtragen sollte, damit das neue Kniegelenk perfekt sitzt, errechnet das Computersystem in Sekunden.

Das Team um den Chefarzt der orthopädischen Chirurgie Bassam Qasem ist eingespielt. Jeder weiß, was er zu tun hat.
Jeder Handgriff muss sitzen. Das Team um den Chefarzt der orthopädischen Chirurgie Bassam Qasem ist eingespielt und jeder weiß, was zu tun ist Bild in Detailansicht öffnen
Für das neue Knie-Gelenk muss jede Menge gehobelt, gefräst und gesägt werden. Das sterile OP-Besteck liegt bereit.
Das sterile OP-Besteck - das neue Knie-Gelenk liegt neben Fräsen, Bohrern und Hammer bereit Bild in Detailansicht öffnen
Während der OP hat der kleine Handcomputer die Form der Knochen und des Knies in einer 3D-Animation millimetergenau nachgezeichnet.
Während der OP hat der kleine Handcomputer die Form der Knochen und des Knies in eine 3D-Animation millimetergenau umgewandelt. Bild in Detailansicht öffnen
Damit die Prothese später perfekt und ohne Druckgefühl sitzt, misst der Computer vollautomatisch, wie viel und am Knochen gefräst werden muss.
Der Computer erkennt automatisch, wo wie viel vom Knochen abgefräst werden muss, um später die Prothese passend einbauen zu können. Bild in Detailansicht öffnen
Da vom Knorpel nichts übrig ist, wird dieses Teil als Knorpel-Ersatz unter die Knie-Prothese gesetzt.
Dieses Teil ist eine Art Knorpel-Ersatz für die neue Knie-Prothese, sie wird zum Unterschenkelknochen unter dem neuen Gelenk eingesetzt. Bild in Detailansicht öffnen
Schon jetzt ist das Knie wieder voll beweglich. Bereits am Tag nach der OP kann der Patient das Knie voll belasten.
Nach einer Stunde ist die OP fertig, die Wunde wieder genäht und getackert. Das Knie ist jetzt schon voll beweglich, am nächsten Tag normal belastbar. Bild in Detailansicht öffnen
Alles sitzt an passender Stelle, zur Kontrolle wird nach der OP noch ein Röntgenbild gemacht.
Nach der OP: Der Patient hat ein neues Knie-Gelenk. Das Röntgenbild zeigt nach getaner Arbeit, dass alles millimetergenau an passender Stelle sizt. Bild in Detailansicht öffnen

Während der Operation kann der Chefarzt jeden entscheidenden Schritt am Monitor kontrollieren und notfalls nachjustieren. Gerade Fehlstellungen oder eine falsche Rotation des bisherigen Kniegelenks können mit dieser Technik ohne großen Aufwand korrigiert werden. Der Roboter ersetzt dabei aber nicht die Arbeit des Chirurgen: Qasem führt die Operation nach wie vor selbst durch, nutzt aber die Technik als hochpräzise Unterstützung.

Eine Stunde OP – am nächsten Tag sind Patienten schon wieder auf den Beinen

Bei einer besonders schweren Arthrose ist das Ziel klar: Das alte, schmerzhafte Gelenk muss raus, das neue Knie exakt sitzen und es sollte nicht zu groß sein. Im aktuellen Fall korrigiert Qasem während der OP noch eine massive Fehlstellung des Beins.

Rodalben
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Nach rund einer Stunde ist die Prothese eingesetzt – der Patient soll am nächsten Tag wieder aufstehen und das Bein voll belasten können. Genau diese schnelle Mobilisierung war bereits vor einem Jahr das Versprechen der neuen Technik und "es funktioniert", betont der Chefarzt der orthopädischen Chirurgie in Rodalben.

Patienten berichten: "Keine Schmerzen mehr, deutlich mehr Lebensqualität"

Was auf dem Bildschirm nach Hightech aussieht, sorgt bei Patienten für deutlich mehr Lebensqualität im Alltag. Eine Patientin berichtet beispielsweise von jahrelangen Schmerzen und dass ohne Tabletten nichts mehr ging. "Ich habe viel zu lange gewartet mit der OP", erzählt sie uns. Nachdem ihr rechtes Knie wieder sprichwörtlich rundläuft, ist die OP des linken Knies bereits geplant. Eine andere Patientin aus dem Kreis Kusel kam nach drei erfolglosen Knieoperationen zu Qasem. Sie berichtet, inzwischen keine Knieschmerzen mehr zu haben und wieder deutlich besser laufen zu können.

Warum der Roboter die Zukunft der Knie-Chirurgie ist

Auch wenn die Operation selbst nicht viel schneller ist als OPs ohne Computer - etwa 60 Minuten wird operiert - entscheidend ist für den Doktor, dass es nichts Präziseres als den Roboter gibt.. "Das menschliche Auge kann während einer OP kein dreidimensionales Bild erstellen", die Technik dokumentiert in Sekunden die Anatomie, Rotation und Planung und macht die einzelnen Schritte viel genauer. Qasem sieht in dieser OP-Technik die Zukunft: "In den kommenden Jahren ist Robotik aus den Operationssälen kaum noch wegzudenken, vor allem weil sie helfen kann, Fehler zu vermeiden." Und damit vor allem eines zu erreichen: "Zufriedene Patienten, die schneller wieder in ihr Leben zurückkehren können."

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Doc Fischer SWR

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Alexandra Dietz
SWR-Reporterin Alexandra Dietz aus dem Studio in Kaiserslautern.

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