"Das Knie des Patienten ist stark deformiert, die Arthrose massiv, der Patient hat Dauerschmerzen und kann kaum noch laufen - ohne Schmerztabletten geht nichts mehr", sagt Bassam Qasem in seinem blauen OP-Kittel mit Handschuhen und Mundschutz, bereit für die Knie-Operation. Für den Chefarzt am Standort Rodalben des Städtischen Krankenhauses Pirmasens sind genau diese komplizierten Fälle eine "Herausforderung", die er liebt.
Seit September 2025 operiert er in Rodalben mit einem neuen computergestützten Robotersystem. Nach einem Jahr zieht er Bilanz: "Die Planung ist absolut zuverlässig, die Ergebnisse sehr gut.“ Patienten hätten "weniger Schmerzen, sind schneller mobil und blieben nach der OP deutlich kürzer im Krankenhaus".
Millimeterarbeit statt Augenmaß: So hilft der OP-Roboter in Rodalben beim künstlichen Knie
Vor dem ersten Schnitt am Knochen vermisst das System die individuelle Anatomie des Patienten dreidimensional - vollautomatisiert. Achse, Größe und Position der neuen Knie-Prothese werden so millimetergenau geplant. Was und wo am Oberschenkelknochen und auch am Unterschenkelknochen gefräst werden muss oder wo der Arzt Knochen abtragen sollte, damit das neue Kniegelenk perfekt sitzt, errechnet das Computersystem in Sekunden.
Während der Operation kann der Chefarzt jeden entscheidenden Schritt am Monitor kontrollieren und notfalls nachjustieren. Gerade Fehlstellungen oder eine falsche Rotation des bisherigen Kniegelenks können mit dieser Technik ohne großen Aufwand korrigiert werden. Der Roboter ersetzt dabei aber nicht die Arbeit des Chirurgen: Qasem führt die Operation nach wie vor selbst durch, nutzt aber die Technik als hochpräzise Unterstützung.
Eine Stunde OP – am nächsten Tag sind Patienten schon wieder auf den Beinen
Bei einer besonders schweren Arthrose ist das Ziel klar: Das alte, schmerzhafte Gelenk muss raus, das neue Knie exakt sitzen und es sollte nicht zu groß sein. Im aktuellen Fall korrigiert Qasem während der OP noch eine massive Fehlstellung des Beins.
Horror künstliches Kniegelenk Dank Roboter weniger Schmerzen für Knie-Patienten in Rodalben?
Angst vor dem künstlichen Kniegelenk? Viele scheuen eine OP am Knie. In Rodalben sollen Patienten bald schon mit modernster Robotik operiert werden und schneller wieder fit sein.
Nach rund einer Stunde ist die Prothese eingesetzt – der Patient soll am nächsten Tag wieder aufstehen und das Bein voll belasten können. Genau diese schnelle Mobilisierung war bereits vor einem Jahr das Versprechen der neuen Technik und "es funktioniert", betont der Chefarzt der orthopädischen Chirurgie in Rodalben.
Patienten berichten: "Keine Schmerzen mehr, deutlich mehr Lebensqualität"
Was auf dem Bildschirm nach Hightech aussieht, sorgt bei Patienten für deutlich mehr Lebensqualität im Alltag. Eine Patientin berichtet beispielsweise von jahrelangen Schmerzen und dass ohne Tabletten nichts mehr ging. "Ich habe viel zu lange gewartet mit der OP", erzählt sie uns. Nachdem ihr rechtes Knie wieder sprichwörtlich rundläuft, ist die OP des linken Knies bereits geplant. Eine andere Patientin aus dem Kreis Kusel kam nach drei erfolglosen Knieoperationen zu Qasem. Sie berichtet, inzwischen keine Knieschmerzen mehr zu haben und wieder deutlich besser laufen zu können.
Warum der Roboter die Zukunft der Knie-Chirurgie ist
Auch wenn die Operation selbst nicht viel schneller ist als OPs ohne Computer - etwa 60 Minuten wird operiert - entscheidend ist für den Doktor, dass es nichts Präziseres als den Roboter gibt.. "Das menschliche Auge kann während einer OP kein dreidimensionales Bild erstellen", die Technik dokumentiert in Sekunden die Anatomie, Rotation und Planung und macht die einzelnen Schritte viel genauer. Qasem sieht in dieser OP-Technik die Zukunft: "In den kommenden Jahren ist Robotik aus den Operationssälen kaum noch wegzudenken, vor allem weil sie helfen kann, Fehler zu vermeiden." Und damit vor allem eines zu erreichen: "Zufriedene Patienten, die schneller wieder in ihr Leben zurückkehren können."