Gegen 10 Uhr am Vormittag fahre ich auf einen kleinen Parkplatz im Gewerbegebiet. Hoch oben auf einem großen Flachdach stehen die beiden Dachdecker Rolf Heiss und Evald Lengvinas von der Dachdeckerei Voegeli. Bei Rolf ist der Name Programm. Seit Stunden sind sie schon im Einsatz. In der Früh ist es noch erträglich, mittlerweile zeigt meine Temperaturanzeige im Auto schon stolze 28 Grad an. Tendenz steigend.
Es bringt nichts: Heute will ich sehen, wie hart der Dachdecker-Job sein kann. Über ein Gerüst komme ich aufs Dach. Das Dach ist dunkel, es reflektiert die Sonne. Ich habe das Gefühl, als wäre es hier zehn Grad wärmer als unten. Mit einem breiten Grinsen nimmt mich Dachdecker Rolf in Empfang: "Servus, ich bin Rolf! Da haste dir ja einen super Tag rausgesucht für deine Reportage." Wir lachen. Hoch oben über Kaiserslautern wird heute viel gelacht - die beiden Handwerker haben Humor und der scheint bei den hohen Temperaturen auch zu helfen.
Dachdecker arbeiten mit knapp 500 Grad heißem Föhn
Evald Lengvinas ist heute unter anderem dafür zuständig, das Dach abzudichten. Dafür benutzt er einen Heißluftföhn. "Aus dem Föhn kommt Luft, die 470 Grad heiß ist. Da brennen einem ordentlich die Finger", sagt der Handwerker. "Es geht aber noch schlimmer - wenn wir mit dem Brenner auf dem Dach unterwegs sind. Da kommen Flammen raus."
Vorstellen will ich mir das gerade eigentlich nicht. Bei mir bahnt sich der Schweiß mittlerweile schon ungeahnte Wege, obwohl ich den Arbeitern nur zuschaue. Immerhin: die Dachdecker haben hier an ihrer Baustelle eine Containerdusche. Da gehen sie am Tag zwei, drei Mal drunter, um sich abzukühlen. "Das ist super, dass wir die hier haben", sagt Rolf Heiss. "Wir müssen aber auch sehr viel trinken. Das ist wichtig bei dem Wetter.
Hitzefrei für Dachdecker in Kaiserslautern
Für heute sind die beiden aber auf der Zielgeraden. Ihr Chef hat angerufen - heute gibt's für seine Mitarbeiter ab 12 Uhr Hitzefrei. Musik in unseren Ohren. Denn auch ich fühle mich mittlerweile wie ein Grillhähnchen - und das, obwohl ich nicht einmal mit angepackt habe.
Morgen früh geht es für Rolf Heiss und Evald Lengvinas weiter. Viel kühler dürfte es dann aber auch nicht werden. "Im nächsten Leben werden wir vielleicht Bademeister", lachen die beiden und steigen vom Dach.