Aber ein noch viel größeres Problem: Das Futter fehlt und muss bis zum Winter ersetzt werden, wegen der Trockenheit gibt es aber kaum Heu zu kaufen – und wenn, dann nur zu hohen Preisen. Wir haben mit den Besitzern des betroffenen Bauernhofs, der SoLaWi Bärental, Familie Böhler, gesprochen. SoLaWi steht für solidarische Landwirtschaft und ein Konzept, das es überhaupt ermöglicht, einen kleinen Hof wirtschaftlich zu betreiben.
SWR Aktuell: Frau und Herr Böhler, wann und wie haben sie erfahren, dass ganz in der Nähe ihres Hofs ihre Heuballen in Flammen stehen?
Sabrina Böhler: In der Nachbarschaft wohnen einige Leute, die bei der Feuerwehr sind. Mein Mann war gerade ins Bett gegangen. Ich war noch wach und hab dann gehört, dass Autos losfahren und Leute wegrennen – das Feuerwehrhaus ist auch ganz in der Nähe. Kurz darauf hat man auch schon die ersten Martinshörner gehört und ich habe mir noch gar nichts dabei gedacht. Ich bin dann hoch. Wir können von unserem Dachfenster aus auf die Stelle sehen, wo unser Heu gesessen hat. Es ist jetzt nicht mehr da. Ich habe dann direkt die Rauchwolke gesehen und die Flammen am Horizont. Und ich habe in dem Moment schon direkt geahnt, dass es um unser Heu geht. Ich bin dann auch gleich ins Schlafzimmer zu meinem Mann, der gerade schon eingeschlafen war und hab dann einfach nur gerufen "es brennt". Er ist natürlich völlig erschrocken aufgesprungen. Er hat sich schnell angezogen und ist dann direkt runter auf den Hof, hat den Schlepper genommen und ist auch schon hochgefahren (Anm. d. Red: Zu der Brandstelle).
SWR Aktuell: Wie ging es denn dann weiter? Die Feuerwehr war dann schon vor Ort?
Michael Böhler: Die Feuerwehr war kurz vor mir hier und dann ging das ganze los. Wasserleitung aufbauen und dann die ersten Löschversuche. Ich und noch ein weiterer Landwirt haben mit dem Traktor die Ballen auseinandergezogen, damit die Feuerwehr sie dann ganz auseinandernehmen und löschen konnte. Das hat in der Nacht reibungslos geklappt. Tagsüber waren dann halt noch mal Glutnester da, die sich neu entfacht haben.
SWR Aktuell: Als Laie würde man dann denken, "OK, das ist jetzt gelöscht, das liegt da, das Thema ist gegessen" - aber ihr müsst noch weiter an der Brandstelle prüfen und messen?
Michael Böhler: Durch die Feuchtigkeit (Anm. d. Red.: von dem Löschwasser) kann das durchaus noch mal anfangen zu gären und da müssen wir jetzt die Temperatur überwachen, damit da jetzt nichts passiert.
SWR Aktuell: Wie schwer wiegt denn der Verlust dieser Heuballen? Welche Auswirkung hat das auf so einen landwirtschaftlichen Betrieb?
Michael Böhler: Also die fast 120 Heuballen waren das komplette Winterfutter. Das hätte zusammen mit den Silageballen für den ganzen Winter reichen sollen.
SWR Aktuell: Für die Kühe, die ihr habt ...
Michael Böhler: Kühe und Pferde. Wir haben aktuell 15 Kühe und zwei Pferde.
SWR Aktuell: Das heißt, Ihr seid eher ein kleinerer landwirtschaftlicher Betrieb, aber ihr habt auch ein besonderes Konzept, das da hinten dran steckt.
Michael Böhler: Ja. Alle Produkte, die wir anbauen, vermarkten wir über eine solidarische Landwirtschaft. Unsere Mitmacher, finanzieren uns im Grunde genommen. Die stehen hinter dem Konzept und finanzieren unsere Arbeit quasi für ein ganzes Jahr. Dafür bekommen sie von uns die ganzen Produkte: das Gemüse, die Kartoffeln und Eier.
Sabrina Böhler: Das Konzept von der solidarischen Landwirtschaft gibt es auch, um kleine Betriebe – so wie man sie von früher kennt - am Leben zu erhalten. Weil es finanziell echt immer eine Herausforderung ist. Durch diese Vorfinanzierung haben wir einfach auch mehr Planungssicherheit.
So ein Futterverlust ist natürlich hart - dieses Jahr ist es ohnehin wirklich sehr knapp. Die Weiden sind alle sehr braun. Also es wächst halt gar nichts mehr nach. Wir haben mit dem Heu auch schon im Juni begonnen. Und es steckt halt auch sehr viel Zeitaufwand dran. Es muss gemäht werden, es muss mehrmals gewendet werden, bis es getrocknet ist, dann wird es auf Schwad gelegt (Anm. d. Red.: das gemähte Heu auf dem Feld in Reihen gelegt), gepresst und dann müssen die Ballen natürlich alle zusammengefahren werden.
SWR Aktuell: Das ist besonders ärgerlich auch gewesen, weil ihr sie gerade erst kurz vorher alle aufgetürmt hattet…
Sabrina Böhler: Genau. Also wir haben in mehreren Etappen immer wieder Heuballen gemacht und jetzt gerade am Wochenende tatsächlich die letzten 25 Ballen vom Acker geholt und haben die dazu gesetzt und abgedeckt.
SWR Aktuell: Das war jetzt auch schon das zweite Mal, dass es bei euch gebrannt hat. Wie sehr glaubt man denn da noch an einen Zufall? Gerade, wenn es so kurz nachdem man alles hingelegt hat, plötzlich brennt?
Es ist schon heftig. Wir sind wütend irgendwie, wir sind traurig, fassungslos
Sabrina Böhler: Also ich muss sagen, letztes Jahr war es für mich ganz schlimm. Der letzte Brand ist zwei Jahre her. Das war auch im August. Letztes Jahr hatte ich echt Bammel ohne Ende und war echt froh, als alles gut gegangen ist. Und dieses Jahr war ich eigentlich echt gutgläubig und hab die ganze Zeit gedacht, das passiert uns mit Sicherheit nicht noch mal. Es ist schon heftig. Wir sind wütend irgendwie, wir sind traurig, fassungslos, da sind so viele Gefühle. Und momentan ist es so, wir funktionieren einfach nur. Wir schauen halt, dass wir wirklich überall, wo es geht, noch mal Futter nachbekommen können.
SWR Aktuell: Habt ihr da Möglichkeiten? Der Markt ist ja im Moment auch relativ leergefegt.
Sabrina Böhler: Absolut. Wir sind ja auch Bioland zertifiziert, das heißt, natürlich ist uns das auch wichtig, ökologisches Futter zur Verfügung zu haben. Aber klar, in so einem Ausnahmezustand würden wir auch Ausnahmegenehmigungen bekommen. Das heißt, wir haben schon rumtelefoniert, sind jetzt auch an was dran, aber wir müssen natürlich auch erstmal die Versicherung abwarten. Weil das halt auch ein großer finanzieller Schaden ist. Weil das Futter, das es jetzt auf dem Markt gibt, auch entsprechend teuer ist.
SWR Aktuell: Kann man sagen, dass so eine Situation schon auch existenzbedrohend ist?
Sabrina Böhler: Jein. Im Moment ist es so, wir sprechen jetzt so von 6.000 Euro Schaden circa - also der Wiederbeschaffungswert der Heuballen. Der gesamte Schaden ist natürlich größer (Anm. d. Red.: Die Feuerwehr schätzt die Schadenshöhe mit Einsatz- und Entsorgungskosten auf rund 20.000 Euro). Klar, das Geld hat man natürlich nicht einfach so. Im schlimmsten Fall müssen wir natürlich Kühe abgeben. Die stehen ab November im Stall und nicht auf der Weide - meistens so bis April. Das sind dann schon fünf Monate cirka, die wir einfach überbrücken müssen. Und die fressen pro Tag mindestens ein Silo- und einen Heuballen - das ist so das Mindeste.
Man fasst es halt nicht, dass man wirklich innerhalb so kurzer Zeit zweimal von so einem "Schicksalsschlag" getroffen wird. Man gibt sich wirklich sehr sehr viel Mühe. Wir arbeiten sieben Tage die Woche. In der Landwirtschaft ist es so, dass wir sehr wenig Freizeit haben. Gerade in dieser Vielfalt, die wir machen. Da fragt man sich schon: Für was macht man das eigentlich? Wenn man dann auch immer wieder solche Steine in den Weg gelegt bekommt.