Im Hotel Bastenhaus am Fuße des Donnersbergs sitzen neun Herren an einem langen Tisch. Vor ihnen dicke Alben, dünne Alben, große und kleine. Darin: Briefmarken. Denn die Herren – alle über 60 Jahre alt - teilen eine Leidenschaft: Das Briefmarkensammeln. Über dem ein oder anderen Bier wird gefachsimpelt und erzählt.
Briefmarken und ihre Stempel erzählen Geschichten
Helmut Faller aus Kirchheimbolanden sammelt seit mehr als 20 Jahren Briefmarken. Ihn fasziniert an dem Hobby, so sagt er, dass man die Geschichte nachverfolgen kann. Und wenn man einen ordentlichen Stempel habe, könne man sogar erkennen, woher die Briefmarke genau kommt und wann sie gestempelt wurde. "Und wenn man das in Verbindung mit Briefen sammelt, dann kann man auch noch feststellen, wer wem geschrieben hat und wann das passiert ist", erklärt Faller mit Begeisterung in der Stimme.
Viele verschiedene Sammelgebiete
Unter den Philatelisten, also den Sammlern von Briefmarken und anderen postalischen Belegen, gibt es unzählige verschiedene Sammelgebiete. Manch einer sammelt Ländermarken, spezielle Motive oder Marken historischer Perioden. Ein anderer sammelt Ansichtskarten oder Briefe aus geschichtlich interessanten Epochen oder Feldpost. Ulrich Fingerhut aus Rockenhausen sammelt etwa Briefmarken aus der französischen Zone und dem Saarland.
Mit der Rente überlegt man sich, welches Hobby könnte ich mir denn jetzt zulegen, damit ich den Tag über beschäftigt bin.
"Mich interessiert die Technik, mit der diese Marken hergestellt wurden, also das Druckverfahren und wie die Verfielfältigung gelaufen ist", erklärt Fingerhut. Er hat schon als Kind Briefmarken gesammelt, ist irgendwann aber davon abgekommen. Erst mit 35 habe er wieder angefangen. So wie ihm, sagt Fingerhut, ginge es vielen Sammlern. Viele fingen erst mit der Rente an, (wieder) Briefmarken zu sammeln. "Dann überlegt man sich, welches Hobby könnte ich mir denn jetzt zulegen, damit ich den Tag über beschäftigt bin", grinst Fingerhut.
Einstieg ins Briefmarkensammeln für Kinder schwierig
Nachwuchs, so erzählen die Donnersberger Briefmarkensammler, gebe es nur wenig. Denn für Kinder sei der Einstieg aus mehreren Gründen nicht mehr so einfach wie früher. Einmal seien die neuen Briefmarken oft nicht so attraktiv gestaltet. Zum anderen sei es für Kinder aber auch schwierig, kostenlos an Briefe mit Marke zu kommen. "Wer schreibt denn heute noch Briefe?", fragt Ulrich Fingerhut. "E-Mails kann man nicht so gut sammeln."
Briefmarkensammler vom Donnersberg warnen: Vorsicht vor Fälschungen
Und dann sei da noch die Sache mit den Fälschungen, erzählen Fingerhut und Faller. Je nach Sammelgebiet müsse man schon ziemlich aufpassen und sich Marken, die man kaufen möchte, sehr genau ansehen. Manchmal ist sogar im Katalog vermerkt, bei welchen Briefmarken Vorsicht geboten ist. Berühmt sei der italienische Fälscher Jean de Sperati. Seine Fälschungen seien so gut, dass sie sogar extra gesammelt würden, erzählt Ulrich Fingerhut. Und sie seien manchmal teurer als die Originale, ergänzt Faller.
Die erste deutsche Briefmarke kam im Königreich Bayern heraus
Als Kapitalanlage seien Briefmarken aber nicht geeignet, sagen Fingerhut und Faller. Denn die meisten Marken und Sätze hätten über die Jahrzehnte eher an Wert verloren. Natürlich gebe es Ausnahmen. Beispielsweise die erste Briefmarke, die in Deutschland - im Königreich Bayern - erschienen ist. Am 1. November 1849 kam "der schwarze Einser" heraus. So genannt, weil die Marke einen Kreuzer wert und in schwarz-weiß gedruckt war. Solche besonderen Marken kann sich der normale Sammler aber kaum leisten, sagt Ulrich Fingerhut. "Wir sammeln, weil es uns Spaß macht", sind sich die Donnersberger Briefmarkensammler einig.
Unsere Frauen erdulden das Hobby!
Den Donnersberger Briefmarkensammlern geht es aber nicht ausschließlich ums Fachsimpeln und Tauschen, erzählen die Herren unisono. Auch wenn das eine große Rolle spiele, bei ihnen würde auch über Politik diskutiert. Trotzdem ginge es immer gemütlich zu, finden Ulrich Fingerhut und Helmut Faller. Und was sagen die Ehefrauen zum Hobby ihrer Männer? Da lachen die Donnersberger Briefmarkensammler: "Du und Dein Altpapier", "Deine gezackten Papierfetzen". Und Ulrich Fingerhut ergänzt: "Unsere Frauen erdulden das Hobby!"