Seit einer Reform der Fahrzeugzulassungsverordnung im Jahr 2012 dürfen viele frühere Kreis- und Stadtkennzeichen wieder zugeteilt werden. Aus den einst abgeschafften Kürzeln sind "Heimatkennzeichen" geworden, die Bürgerinnen und Bürger freiwillig wählen können.
Bundesweit wurden nach Berechnung der Studie bis Anfang 2026 rund 6,9 Millionen solcher Kennzeichen neu vergeben, zur Jahresmitte 2026 ist die Marke von sieben Millionen sicher überschritten. Die Autorinnen und Autoren sprechen von "7 Millionen Mal ein kleines Glück" - einem sichtbaren Zeichen für lokal verankerte Identität. Alle Zahlen zu den Vergaben von Kennungen in der Studie stammen vom Kraftfahrbundesamt (KBA).
Mayen ganz vorne mit dabei: MY bundesweit auf Platz drei
Auch Rheinland-Pfalz trägt zu diesem Trend bei. Besonders sticht das Kennzeichen MY für Mayen mit rund 96.000 zugelassenen Fahrzeugen hervor.
Damit gehört MY zu den beliebtesten Heimatkennzeichen in Deutschland und belegt in der bundesweiten Rangliste Platz drei. 34.700 Fahrzeuge sind auf BIN (Bingen am Rhein) zugelassen, immerhin 28.800 auf BKS (Bernkastel-Kues).
Die Zahlen zeigen: Viele Menschen in Rheinland-Pfalz nutzen die Möglichkeit, bewusst ein Kennzeichen zu wählen, das ihre Stadt oder Region repräsentiert - oft verbunden mit einer freiwilligen Umkennzeichnung, die Gebühren kostet, aber offenbar als lohnende Investition in das eigene Heimatgefühl wahrgenommen wird.
Kostenlose Werbung für Städte und Regionen
Die Studie betont, dass Heimatkennzeichen nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv sind, sondern auch für die Kommunen: Die Kürzel funktionieren wie ein täglich sichtbares Stadtlogo oder Wappen - nur deutlich verbreiteter und ohne zusätzliche Kosten für die Verwaltungen.
Zugleich entstehen Einnahmen durch Wunschkennzeichen und Umkennzeichnungen. Aus Sicht der Forschenden ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis "sensationell": Identität und Außenwirkung werden gestärkt, ohne den öffentlichen Haushalt zu belasten.
Nächster Schritt: neue Kennzeichen für Mittelstädte
Auf dieser positiven Bilanz baut eine weitere Initiative auf, die auch für Rheinland-Pfalz relevant ist. Der Bundesrat hat im März 2026 eine Forderung unterstützt, die Kennzeichenzuteilung erneut erleichtern soll: Künftig könnten nicht nur alte, sondern auch neue Kennzeichen für Städte und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern eingeführt werden.
Für Rheinland-Pfalz nennt die Studie unter anderem folgende potenzielle neue Heimatkennzeichen:
- Blieskastel – BLI
- Haßloch – HLO
- Idar-Oberstein – IO
- Ingelheim am Rhein – ING
- Schifferstadt – SFF
Sollte die Fahrzeugzulassungsverordnung entsprechend geändert werden, könnten diese Orte eigene Kennzeichen erhalten - und damit ähnlich wie Mayen oder Bingen ein zusätzliches identitätsstiftendes Symbol nutzen. Die Forschenden sehen darin auch Chancen für Stadtmarketing, Tourismus und regionale Wirtschaftsförderung.
Hohe Nachfrage mit langfristiger Wirkung
Die Heilbronner Studie kommt zu dem Schluss, dass die Bedeutung von Autokennzeichen für das kommunale Marketing lange unterschätzt wurde. Die hohe Nachfrage nach Heimatkennzeichen, die starke mediale Resonanz und die einfache Umsetzung sprächen für weitere Schritte der Liberalisierung.
Für Rheinland-Pfalz heißt das: Schon heute sind viele der reaktivierten Kürzel täglich auf den Straßen präsent und stärken das Gefühl von Zugehörigkeit - vom bekannten MY aus Mayen bis zu kleineren Kennzeichen wie PRÜ oder ZEL. Mit möglichen neuen Kennzeichen für Mittelstädte könnte dieses "kleine Glück" auf dem Nummernschild künftig noch mehr Menschen erreichen.