Mehr Miteinander und bessere Noten?

Handyverbot bis Klasse 10: Was Schüler davon wirklich haben

Ab Februar 2027 soll für Schüler in RLP bis einschließlich Klasse 10 ein Handyverbot gelten. Was kann das den Schülerinnen und Schülern bringen und was nicht? Das sagt die Forschung dazu.

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Von Autor/in Olaf Kapp, Redaktion Landespolitik

Für Hunderttausende Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz hat am Montag das neue Schuljahr begonnen. Auf vielen Schulhöfen dürfte dabei schon ein Thema diskutiert werden: das geplante Handyverbot.

Ab Februar sollen private Smartphones bis einschließlich Klasse 10 während der gesamten Schulzeit tabu sein. Viele Eltern hoffen nun auf bessere Noten. Doch gerade bei den erhofften besseren Noten zeige die Forschung ein anderes Bild, so der Augsburger Schulpädagoge Prof. Klaus Zierer, der internationale Studien ausgewertet hat.

Handyverbot: Warum bessere Noten nicht garantiert sind

Ein Handyverbot allein macht Schülerinnen und Schüler nicht automatisch erfolgreicher. Der Schulpädagoge sieht bei den Lernleistungen nur eher kleine Effekte. Entscheidend für den Lernerfolg bleibe guter Unterricht.

Prof. Zierer
Prof. Klaus Zierer ist Schulpädagoge und Hochschullehrer an der Universität Augsburg.

Was sich durch ein Handyverbot tatsächlich verändert

Die deutlicheren positiven Effekte zeigen sich nach Zierers Einschätzung beim sozialen Miteinander. Kinder unterhalten sich in den Pausen häufiger, spielen mehr miteinander und verbringen weniger Zeit am Display. Für Zierer ist das wichtig, weil Schule nicht nur Lernort, sondern auch Lebensraum ist.

Warum ein Handyverbot allein nicht reicht

Genau hier setzt Zierers wichtigste Botschaft an: Wer morgens nur die Handys einsammelt, schafft noch keine bessere Schule. Ein funktionierendes Konzept braucht Lehrkräfte, die mitziehen, Eltern, die informiert und einbezogen werden, und Schülerinnen und Schüler, die verstehen, warum die Regeln gelten. Auch Medienbildung gehört dazu.

Außerdem braucht es Alternativen. Zierer nennt als Beispiel "bewegte Pausen". Gemeint sind Angebote, die Kinder weg vom Bildschirm und miteinander in Bewegung bringen - etwa Tischtennis, Ballspiele oder andere Spiel- und Sportmöglichkeiten auf dem Schulhof. Das Handy soll also nicht einfach verschwinden. Die frei werdende Zeit soll möglichst anders und gemeinsam genutzt werden.

Das Smartphone lenkt auch ab, wenn es in der Tasche steckt

Zierer verweist zudem auf Untersuchungen zum sogenannten Brain Drain. Dahinter steht die These, dass bereits die bloße Anwesenheit des eigenen Smartphones Aufmerksamkeit binden kann - selbst wenn es gar nicht benutzt wird. Für die Wirksamkeit des Verbots bleibt nach seiner Einschätzung allerdings die Unterrichtsqualität entscheidend.

Was bedeutet das für Rheinland-Pfalz?

Zierer hält den eingeschlagenen Weg grundsätzlich für richtig. Private Smartphones seien für guten Unterricht nicht nötig. Wenn digitale Medien eingesetzt werden sollen, sollten Schulen dafür aus seiner Sicht geeignete schulische Geräte bereitstellen. Für ältere Schülerinnen und Schüler könne es klar geregelte Zeitfenster für soziale Medien geben, um etwa am Nachmittag notwendige Absprachen zu treffen.

Warum ein Handyverbot nicht von heute auf morgen kommen sollte

Entscheidend bei einem Handyverbot ist deshalb die Vorbereitung. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) hatte bei der Vorstellung ihrer Pläne betont, ein solches Verbot nicht "auf Befehl von oben" durchsetzen zu wollen. Bis zum geplanten Start im Februar bleibt den Schulen damit Zeit, sich auf die neuen Regeln vorzubereiten und sie mit den Beteiligten zu besprechen.

Das passt zu Zierers Einschätzung: Ein Smartphoneverbot entfaltet seine Wirkung nicht allein dadurch, dass Handys verboten werden. Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler müssen einbezogen, Regeln erklärt und Medienkompetenz vermittelt werden. Dass Rheinland-Pfalz für die Einführung mehrere Monate einplant, trägt diesem Gedanken Rechnung.

Ob das Handyverbot in Rheinland-Pfalz am Ende funktioniert, dürfte deshalb auch davon abhängen, was bis Februar an den Schulen passiert.

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Ab Februar 2027 soll an Schulen ein Handyverbot bis Klasse 10 gelten. Daneben setzt das Land auf mehr Lehrkräfte und Ganztag.

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