Vereinzelt gibt es bereits Schulen in Rheinland-Pfalz, die eigenständig Handyverbote eingeführt haben. Geht es nach der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin, sollen verbindliche Regeln für die Handynutzung aber bald an allen Schulen gelten.
Eiling-Hütig, seit Mitte Mai im Amt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: Es gehe dabei um die private Nutzung von Smartphones während der Schulzeit - und zwar für alle Schülerinnen und Schüler bis mindestens zur zehnten Klasse. Das betreffe auch Pausen sowie Wege auf dem Schulgelände zu den Klassenräumen.
Handyverbot an Schulen in RLP soll bis zum zweiten Schulhalbjahr kommen
Nach Angaben der Ministerin laufen noch Gespräche mit Schulträgern, Verbänden und innerhalb der Landesregierung. Dabei werde auch darüber gesprochen, wie Regelungen für Ganztagsschulen, Berufsschulen und die Oberstufe umgesetzt werden könnten. Die neuen Regeln sollen möglichst bis zum nächsten Schulhalbjahr vorliegen.
Eiling-Hütig begründet Handyverbot an Schulen mit mehr sozialer Teilhabe
"Dieses Gerät sorgt dafür, dass ich einen Mangel an sozialer Teilhabe habe, einen Mangel an sozialen Kontakten", erklärt Eiling-Hütig, warum sie bei Handys an Schulen strenger durchgreifen möchte. "Mir ist es wichtiger, dass Kinder in Präsenz Kontakt haben.“
Dieses Gerät sorgt dafür, dass ich einen Mangel an sozialer Teilhabe habe, einen Mangel an sozialen Kontakten.
Die 58-Jährige verweist auf Erfahrungen aus Schulen in Rheinland-Pfalz mit privatem Handyverbot. Dort stünden wieder Gruppen von Kindern auf den Fluren zusammen, redeten miteinander und würden "nicht mit ihrem rechteckigen digitalen Kasten kommunizieren“. Außerdem werde auf Schulhöfen wieder häufiger Fußball gespielt.
RLP-Bildungsministerin kann sich "Kinderhandy" vorstellen
Ein generelles Smartphone-Verbot lehnt Eiling-Hütig weiterhin ab. Für die Erreichbarkeit auf dem Schulweg oder bei Problemen im öffentlichen Nahverkehr könne ein Handy wichtig sein. "Aber dafür braucht ein Handy keine Apps“, sagte die Ministerin.
Sie könne sich deshalb eine Art "Kinderhandy" vorstellen, das die Erreichbarkeit sichere. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass nicht kontrollierbare Inhalte aus Apps auf Schülerinnen und Schüler einwirkten.
Kehrtwende in RLP: Handyverbot an Schulen statt Empfehlungen
Die Pläne von Eiling-Hütig zum Umgang mit Handys an Schulen gehen deutlich weiter als die ihres Vorgängers. 2025 hatte das damals von Sven Teuber (SPD) geführte Bildungsministerium den Schulen Empfehlungen zur Handynutzung geschickt und den Umgang mit Smartphones weitgehend den Schulen überlassen. Die CDU hatte diesen Kurs damals als zu unverbindlich kritisiert.
Bisherige Empfehlung zur Handynutzung in RLP: Wenn möglich, ausschalten
Die bisherigen Empfehlungen sahen unter anderem vor, dass Smartphones möglichst ausgeschaltet bleiben und jüngere Schülerinnen und Schüler ihre Geräte in Taschen oder Handygaragen aufbewahren. Für ältere Jahrgänge wurden geregelte Nutzungszeiten empfohlen. Ab Klasse zehn sollte stärker die Eigenverantwortung gelten. Für den Unterricht sollten digitale Geräte weiterhin genutzt werden dürfen.
Katalog des Bildungsministeriums Empfehlungen statt Verbote: So will RLP mit Handys an Schulen umgehen
Das Bildungsministerium in RLP macht den Schulen beim Handyverbot keine verbindlichen Vorgaben. Stattdessen hat es jetzt Empfehlungen an die Schulen geschickt.
Die SPD, nun selbst Teil der Regierung mit der CDU um Eiling-Hütig, hatte vor der Landtagswahl im März ein generelles Handyverbot an Schulen abgelehnt und stattdessen altersgestaffelte Regelungen in Abstimmung mit Schulen und Medienpädagogik gefordert.
Ausnahmen vom Handyverbot an Schulen für gezielten Unterricht
Im Unterricht sollen Lehrkräfte Smartphones und Tablets auch künftig gezielt weiter einsetzen dürfen. Als Beispiel nennt Bildungsministerin Eiling-Hütig den Sozialkundeunterricht mit TikTok-Sequenzen, die gemeinsam analysiert werden. Themen könnten dabei Fake News, Künstliche Intelligenz oder die Darstellung von Ereignissen in sozialen Medien sein.
Expertengruppe empfiehlt Handyverbot an Schulen bis Klasse sieben
Eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertengruppe empfahl zuletzt, die private Handynutzung bundesweit im Unterricht und in den Pausen bis einschließlich Klasse sieben zu verbieten. Ab Klasse acht sollten Schulen verpflichtet werden, verbindliche Nutzungskonzepte für Smartphones und digitale Medien zu erarbeiten.
TikTok, Instagram, YouTube und KI-Chatbots "KI-Seepferdchen" oder Social-Media-Verbot? Das schlagen Experten vor
Kinder und Jugendliche tummeln sich wie selbstverständlich auf Social-Media-Plattformen. Eine Kommission der Bundesregierung hat Vorschläge vorgelegt, wie sie besser geschützt werden können. Positionen aus Rheinland-Pfalz.
Andere Bundesländer haben bereits Handyverbote an Schulen
In anderen Bundesländern gibt es bereits flächendeckende Handyverbote an Schulen. Im Nachbarland Hessen sind Handys an Schulen beispielsweise bis auf wenige Ausnahmen untersagt.
RLP-Schülervertretung warnt vor generellem Handyverbot
Die Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung (LSV) warnte vor pauschalen Handyverboten und möglichen Social-Media-Verboten an Schulen. Cybermobbing, problematische Inhalte und exzessive Mediennutzung dürften zwar nicht ignoriert werden. Pauschale Verbote seien aber keine nachhaltige Lösung.
Die LSV erklärt, Cybermobbing ende nicht am Schultor und verschwinde nicht, wenn Smartphones in der Tasche steckten. "Was wir an den Schulen wirklich brauchen, ist emotionale Unterstützung, echte Aufklärung und die Kompetenz, respektvoll miteinander umzugehen.“ Schülerinnen und Schüler müssten lernen, digitale Medien verantwortungsvoll zu nutzen.