Kritik an grünen EU-Abgeordneten

Abgeordnete Paulus aus RLP: "Kolossale Fehleinschätzung" bei Mercosur-Abstimmung

Das Verhalten der Grünen im EU-Parlament bei der Abstimmung zum Handelsabkommen Mercosur sorgt für heftige Kritik. Nun hat die rheinland-pfälzische EU-Abgeordnete Jutta Paulus Fehler eingeräumt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Mathias Zahn

Mehrere EU-Abgeordnete der deutschen Grünen hatten am Mittwoch dafür votiert, das EU-Abkommen mit vier südamerikanischen Ländern gerichtlich überprüfen zu lassen. Die Mehrheit kam mit Stimmen von Rechtsaußen zustande.

Auch die rheinland-pfälzische Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus hat für die Überprüfung des Abkommens gestimmt. Im Nachhinein zeigt sie sich zerknirscht. Dem SWR hat Paulus gesagt, so wie die Entscheidung zustande gekommen ist, sei es eine "Katastrophe". Die Grünen hätten sich im Vorfeld der Abstimmung eine "kolossale Fehleinschätzung" geleistet. Sie hätten nicht damit gerechnet, dass auch Rechtsaußen-Abgeordnete mitstimmen würden.

Paulus: Müssen besser zusammenarbeiten

So etwas darf sich nicht wiederholen, sagte Jutta Paulus selbstkritisch. Die pro-europäischen, demokratischen Fraktionen im Europaparlament müssten in Zukunft besser zusammenarbeiten. Sie selbst sei für das Handelsabkommen. Für die Überprüfung habe sie gestimmt, um rechtliche Zweifel auszuräumen. Durch die Entscheidung des Europaparlaments dürfte sich die Ratifizierung des Abkommens deutlich verzögern. 

Kanzler „fassungslos“ über deutsche Grüne

Die Kritik am grünen Abstimmungsverhalten reißt nicht ab. Nun äußerte sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Es mache ihn einigermaßen fassungslos, dass ausgerechnet die deutschen Grünen bei dem Versuch mitmachten, das Abkommen verhindern zu wollen, so der CDU-Politiker. Merz zeigte sich überzeugt, dass das Handelsabkommen vorläufig in Kraft treten kann. Diese Möglichkeit ist im Abkommen vorgesehen.

Günstigere Preise für Steak und Kaffee? Mercosur: Vorteile für Winzer und Konsumenten, Unruhe bei Landwirten

Am Samstag ist das Mercosur-Abkommen unterzeichnet worden. Für Verbraucher können Preise sinken. In der Landwirtschaft sorgt das Abkommen für Unruhe - allerdings nicht überall.

Auch die rheinland-pfälzische Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus spricht sich im Gespräch mit dem SWR dafür aus, dass die EU-Kommission das Abkommen vorläufig in Kraft setzt. Europa brauche das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten, so Paulus.

RLP-Wirtschaftsministerin appelliert an EU-Kommission

Schon am Mittwoch hatte auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) eine vorläufige Anwendung gefordert. Europa stehe wirtschaftlich unter Druck. In der aktuellen Lage brauche man Handlungsfähigkeit – nicht weiteres Zögern. Das Handelsabkommen sei auch für die Unternehmen in Rheinland-Pfalz wichtig. "Gerade für exportorientierte Branchen – vom Maschinenbau über die Industrie bis hin zu Landwirtschaft und Weinbau – sind neue, verlässliche Absatzmärkte entscheidend", so Schmitt. Das Mercosur-Abkommen würde genau hier ansetzen: Es schaffe Planungssicherheit, senke Zölle und eröffne Wachstumschancen, so die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin.

Deutsche Wirtschaft hofft auf mehr Exporte 

Das Handelsabkommen der EU mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay soll eine der weltweit größten Freihandelszonen schaffen. Während die Europäer unter anderem Autos und chemische Produkte über den Atlantik exportieren, liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe nach Europa. Die deutsche Wirtschaft erhofft sich von dem Abkommen deutliche Exportsteigerungen.

Polch

Freihandel mit Südamerika Mercosur ist Thema auf dem Maifeld: Heimische Bauern wegen Abkommen skeptisch

Am 19. Januar ist die Maifelder Landwirtschaftswoche gestartet. Am ersten Tag ging es um Agrarpolitik. Kernthemen dabei: Bürokratieabbau, Respekt und das Mercosur-Abkommen.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Duppach

Kritik an EU-Abkommen Mercosur-Abkommen: Eifeler Bauern warnen vor Billigfleisch

Bauern in der Eifel kritisieren das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten in Südamerika. Sie fürchten, dem Preisdruck nicht standhalten zu können.

SWR4 am Morgen SWR4

Baden-Württemberg

Freihandelsabkommen aufgeschoben Nach Mercosur-Abstimmung: Özdemir kritisiert Grüne im EU-Parlament

Erst gefeiert, nun aufgeschoben: das Freihandelsabkommen Mercosur soll nach der Abstimmung im EU-Parlament gerichtlich überprüft werden. In BW sorgt das vielerorts für Unverständnis.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Mathias Zahn
Onlinefassung
Götz Kohlmann

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!