Weinkonsum sinkt

Warum Winzer Geld bekommen können, wenn sie ihre Weinberge stilllegen

Mit 5.000 Euro pro Hektar will Rheinland-Pfalz Winzer zum Roden von Weinbergen bewegen. Ziel ist es, die Rebfläche zu verkleinern und den Weinmarkt zu entlasten. 

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Von Autor/in Dominik Bartoschek

Wie sieht die Rodungsprämie praktisch aus?

Für jeden Hektar Weinberg, den sie roden und stilllegen, sollen Winzerinnen und Winzer 5.000 Euro erhalten. Das Geld dafür kommt aus EU-Mitteln.

Um die Prämie zu bekommen, muss ein Antrag beim Land gestellt werden. Das soll laut Weinbauministerium voraussichtlich ab November möglich sein. Bedingung für eine Auszahlung ist, dass die betroffene Fläche derzeit noch aktiv bewirtschaftet wird.

Wie wirkt sich die Rodungsprämie aus?

Vor allem soll die Rebfläche in Rheinland-Pfalz kleiner werden. Derzeit liegt sie bei knapp 65.000 Hektar - das entspricht mehr als 91.000 Fußballfeldern. Um das zu erreichen, ist die Rodungsprämie an Bedingungen geknüpft:

  • So darf ein Betrieb, der die Prämie erhält, für die gerodete Fläche künftig keinen Antrag auf Wiederbepflanzung mit Weinreben mehr stellen. Diese Fläche fällt für den Weinbau also dauerhaft aus.
  • Gleichzeitig verfallen auch alle bereits erteilten Genehmigungen des Betriebs für Neupflanzungen von Weinreben an anderer Stelle.
  • Und er darf in den folgenden zehn Jahren auch keine weiteren Neupflanzungen mehr beantragen.

Unterm Strich sinkt damit also die Rebfläche des Betriebs. Und je mehr Betriebe die Prämie in Anspruch nehmen, desto kleiner wird dann auch die gesamte Rebfläche im Land.

Und wozu das alles?

Weltweit trinken die Menschen weniger Wein. Deswegen gibt es derzeit viel mehr Wein auf dem Markt, als nachgefragt wird. Ergebnis: Ein Preisverfall, der viele Betriebe in die Krise gestürzt hat.

Besonders die Fassweinbetriebe leiden. Das sind Betriebe, die große Mengen produzieren, die sie nicht selbst vermarkten, sondern an Kellereien verkaufen. Jahrelang konnten sie gut davon leben. Doch mittlerweile bleiben sie auf ihrem Wein sitzen. Oder sie müssen ihn zu Preisen verkaufen, die oft nicht mal die Produktionskosten decken.

Sollten viele Betriebe die Rodungsprämie beantragen und die Rebfläche wirklich sinken, dann gäbe es auch weniger Wein auf dem Markt. Die Preise dürften dann wieder steigen. Das Ministerium drückt es so aus: "Mit diesem finanziellen Anreiz soll das Produktionspotenzial nachhaltig gesenkt werden und zur Marktentlastung beitragen."

Flächenbörse soll Weinberge an der Mosel retten: Diesen Weinberg in Osann-Monzel hat ein Winzer schon vor Jahren aufgegeben.
Verwilderter Weinberg an der Mosel Christian Altmayer

Was sagen die Betroffenen?

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbands RLP Süd, Eberhard Hartelt, ist zufrieden mit der Rodungsprämie. Gegenüber dem SWR sagte er: "Es war eine Forderung von uns. Wir sind froh, dass das jetzt umgesetzt wird, und dass es auch zügig umgesetzt wird."

Was passiert jetzt mit den freiwerdenden Flächen?

Das ist eine spannende Frage. Theoretisch spricht nichts dagegen, auf den gerodeten Flächen künftig Ackerbau zu betreiben. Doch in der Praxis, sagt der Bauern- und Winzerverband RLP Süd, wird es von vielen Faktoren abhängen, ob ein ehemaliger Weinberg neue Besitzer oder Pächter findet: Wie gut sind Boden und Lage? Wie groß ist die Fläche, und wie gut erreichbar ist sie für die immer größer werdenden Maschinen im Ackerbau?

Vermutlich wird es also dauern, bis die gerodeten Flächen wieder genutzt werden. Einige lassen sich vielleicht zusammenlegen, andere könnten dauerhaft brach liegen. Das wiederum könnte Potenzial bieten für sogenannte Biodiversitätsmaßnahmen, also zum Beispiel für Blühflächen oder Baumpflanzungen.

Weinbau in der Krise - wie will das Land noch helfen?

Neben der Rodungsprämie gibt es zumindest in Rheinhessen bald eine weitere Unterstützung für Betriebe in der Krise: Wer seinen Rot- oder Rosé-Wein nicht los wird, kann ihn zu Industriealkohol verarbeiten lassen. Dafür gibt's dann 43
Cent pro Liter. Hinzu kommen 16 Cent pro Liter für
Transport und Brennkosten. Gut zehn Millionen Euro aus EU-Mitteln stehen dafür bereit. Beantragt werden kann die sogenannte Krisendestillation ab kommender Woche.

Außerdem hat sich die Große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, die Förderung des Steillagen-Weinbaus zu erhöhen. Und die Rotationsbrache soll kommen. Auch bei dieser Maßnahme roden Betriebe einen Weinberg, bekommen allerdings Geld dafür, dass sie ihn weiterhin pflegen und mit Blühmischungen bepflanzen. Außerdem bleiben die Pflanzrechte für diese Fläche erhalten. Der Weinberg ist also nur auf Zeit stillgelegt, mit der Perspektive, dort in ein paar Jahren wieder in den Weinbau einzusteigen.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir berichtet, dass Winzer 59 Cent pro Liter Wein bekommen. Das war so nicht richtig: Sie erhalten 43 Cent plus 16 Cent für Transport und Brennerei. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Dominik Bartoschek