"Frustrierend", sagt Marius Römer über Teile seiner jungen Karriere als Winzer. Dabei ist sein Beruf für ihn eigentlich einer der schönsten überhaupt: "Es ist ein so cooler und abwechslungsreicher Beruf", sagt er. Nur die Bürokratie mache ihm gerade schwer zu schaffen.
Auf dem elterlichen Römerhof im Zellertal (Donnersbergkreis) verkörpert der 28-Jährige die neue Generation im Weinbau: Nach seiner Lehre auf einem biodynamischen Weingut setzt er auf naturnahen Anbau, begrünt die Böden statt zu spritzen und verzichtet ganz auf Herbizide und Pestizide. Auch im Keller geht er eigene Wege, etwa mit einer eigenen Barrique-Linie.
Zellertal: Winzer zwischen Tradition und Innovation
Doch Innovation braucht Geld und das haben viele Weingüter nicht. "Vor wenigen Wochen hatte es noch 40 Grad", für Römer längst kein Einzelfall mehr. Um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen, will er zum Beispiel pilzresistente Rebsortenanpflanzen. Auch neue Maschinen wären toll. Deshalb hat er die sogenannte Niederlassungsbeihilfe beantragt, eine Förderung des Landes Rheinland-Pfalz für Junglandwirtinnen und Junglandwirte, die einen Betrieb gründen oder übernehmen. Seit Frühjahr 2023 gibt es das Programm. Bis 2029 stellt das Land dafür rund 10 Millionen Euro bereit.
Seit knapp zwei Jahren wartet Römer nun auf eine Entscheidung. Jetzt hat er eine Absage bekommen. Dabei ist nicht seine Qualifikation das Problem, sondern das Kleingedruckte: Römer hat den Betrieb zusammen mit seiner Mutter übernommen und hält die Mehrheit der Anteile. Doch weil sie noch mitreden darf, sieht die zuständige Behörde ihn nicht als alleinigen Chef des Betriebs und lehnt die Förderung deshalb ab.
Bürokratische Hürden in der Landwirtschaft: Junge Winzer wollen sich wehren
Mit diesem Problem steht Römer nicht allein da. Auch Kristof Puder, dessen Weingut ebenfalls im Zellertal liegt, kämpft mit demselben Vorwurf. Solche Betriebsübergaben seien in der Landwirtschaft der Normalfall, sagt Puder: "Wer sonst kann sich einen Betrieb aus eigenen Mitteln kaufen und bei null anfangen?" Auch er will in seinem Betrieb investieren.
900 Pflanzen in Spanien bestellt Wein-Krise: Oliven als Rettungsanker für Winzer am Donnersberg
Steigende Kosten und weniger Absatz machen die Krise im Weinbau aus. Im Zellertal will ein Winzer deshalb jetzt Oliven anbauen, um seinen Betrieb für die Zukunft zu rüsten.
Landwirtschaft: Frust über Bürokratie trotz politischer Versprechen
Der Bauern- und Winzerverband Süd kennt das Problem. Nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Dirk Gerling sind aktuell zwölf Betriebe im Süden von Rheinland-Pfalz konkret betroffen, weitere im Norden. In einigen Fällen habe sich die Prüfung bereits so lange hingezogen, dass die Antragsteller die Altersgrenze von 40 Jahren überschritten hätten und damit automatisch aus dem Programm herausfielen. Die zuständige Behörde äußerte sich auf Anfrage bislang nicht.
Die Anträge von Römer und Puder liegen inzwischen zur Zweitprüfung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde in Trier. Bleibt das erfolglos, wollen sie klagen. "Ich gehe davon aus, dass es vor Gericht landen wird", sagt Puder. Die Unterlagen liegen bereits bei einem Anwalt, Ziel sei eine grundsätzliche Klärung.
Vor allem aber ärgert die beiden Winzer das Gefühl, mit ihrem Anliegen allein gelassen zu werden. "Die Politik redet immer vom Bürokratieabbau", sagt Römer. Die Realität sehe ganz anders aus.