Bärbel Bas (SPD) ist am Montagmorgen aus persönlichen Gründen als Bundesarbeitsministerin zurückgetreten. Ein Nachfolger ließ nicht lange auf sich warten: Alexander Schweitzer, ehemaliger rheinland-pfälzischer Ministerpräsident. Das hat die SPD inzwischen bestätigt.
Als Kind immer auf dem Rhein unterwegs
Der große Pfälzer interessierte sich schon früh für Politik und schaffte es mit 39 Jahren, der bis dahin jüngste Minister in Rheinland-Pfalz zu werden. Dabei hätten seine ersten Lebensjahre vielleicht eine andere Karriere vermutet.
Sein Vater war Binnenschiffer auf dem Rhein. Bis zum 6. Lebensjahr war Schweitzer deshalb zwischen Rotterdam und Karlsruhe unterwegs. Das hat ihn nach eigener Aussage sehr geprägt: "An Bord, das war immer eine enge Solidargemeinschaft." Schweitzer erinnert sich gerne an diese Kindheit.
Schneller politischer Aufstieg
Mit 16 Jahren trat der Südpfälzer in die SPD ein und mischte schnell in der Landespolitik mit. Mit 39 Jahren wurde er dann Sozialminister in Rheinland-Pfalz. Später übernahm er das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung. Auch als Fraktionsvorsitzender der SPD machte er sich im Politikbetrieb in Mainz einen Namen und war in der Opposition wegen seiner rhetorischen Spitzen gefürchtet.
Mit 50 kam er auf den Chefsessel in der Staatskanzlei, als seine Vorgängerin Malu Dreyer (SPD) den Posten aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig räumte. Für Dreyer war Schweitzer "der richtige Mann" in der Mainzer Staatskanzlei. Er habe durch seine vielen Ämter alle nötigen Erfahrungen und zudem die Fähigkeit, Menschen anzusprechen und zu begeistern, sagte sie damals. Schweitzer selbst sagte, das habe er nicht kommen sehen, auch seine Familie nicht.
Niederlage bei der Landtagswahl 2026
Diesen Chefsessel musste Schweitzer nach nicht einmal zwei Jahren im März nach einer schmerzlichen Wahlniederlage bei der Landtagswahl wieder verlassen - nicht nur ein persönlicher Rückschlag, sondern auch für die SPD, die zum ersten Mal seit 1987 bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz schlechter als die CDU abschnitt.
Aus der Landespolitik verschwand Schweitzer trotzdem nicht, er führt seit Mai die SPD-Fraktion im Landtag, deren Chef er bereits von 2014 bis 2021 war. Schweitzer führt aktuell auch die Landes-SPD kommissarisch und ist einer der Vize-Chefs der Bundes-SPD. Auf die Frage, warum er trotz Wahlniederlage weiter Verantwortung trage, sagte er: "Ich finde es gut, wenn man in der Politik nicht einfach die Tür hinter sich zuschlägt und sagt: Mir ist das jetzt alles egal. Mir ist es nämlich nicht egal, wie es meiner politischen Partei geht."
Chance auf Aufstieg ermöglichen
In der rheinland-pfälzischen Landespolitik war es sein Ziel, die Chance auf einen sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg für jeden und jede möglich zu machen, sagt Schweitzer: "Wenn jemand sagt, ich komme nicht aus einer privilegierten Situation, aber ich will was erreichen, durch Bildung, durch mein eigenes Engagement, durch Leistung - dann müssen die Menschen diese Chancen finden", betonte er in seiner Zeit als Ministerpräsident.
Da er als allererster in seiner Familie Abitur gemacht habe, "haben Gerechtigkeitsfragen und Zugang zu Chancen in der Gesellschaft ganz unmittelbar mit mir zu tun".
Kritik an Bundeskanzler Merz
Gute Voraussetzungen für einen zukünftigen Bundesminister für Arbeit und Soziales. Allerdings hatte Schweitzer in der Vergangenheit auch immer wieder gegen die gewettert, mit denen er nun auf Bundesebene zusammenarbeiten muss. Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt Anfang September warf er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, dieser habe viele Menschen im Zuge der Reformdebatten durch "manche ungeschickte, aber nicht unabsichtliche Äußerungen vor den Kopf gestoßen". Und an anderer Stelle kritisierte er in Medien, "dass die Art, wie Friedrich Merz agiert, wie er Themen in die gesellschaftliche Debatte einbringt, dieser Bundesregierung nicht hilft".
Debatte über Kanzler Merz Schweitzer stichelt gegen CDU, Schnieder stellt sich hinter Kanzler
Alle acht CDU-Ministerpräsidenten haben sich hinter Kanzler Merz gestellt. Ein Detail macht den RLP-Chef der SPD Alexander Schweitzer aber skeptisch.
Auch in der Koalitionsdebatte um die Rentenreform, deretwegen die nun zurückgetretene Arbeitsministerin Bas erheblich unter Druck stand, sieht Schweitzer noch Diskussionsbedarf. Nach dem Wahldesaster in Sachsen-Anhalt forderte er Änderungen an dem rentenpolitischen Reformkurs der Bundesregierung. Vorschläge, bei denen Menschen weniger von dem bekämen, was sie sich erarbeitet hätten, "dürfen von der SPD keine Unterstützung bekommen", bekundete er. Als neuer Arbeitsminister kann sich der Zwei-Meter-Mann nun dafür in vorderster Front einsetzen.