Wenig Bauanträge in Rheinland-Pfalz

Kaum neue Wohnungen: Warum Handwerker im Land wenig vom Bauturbo spüren

Neue Wohnungen in Hochgeschwindigkeit bauen. Das verspricht das "Bauturbo"-Gesetz des Bundes. Doch in Rheinland-Pfalz ist der Turbo noch im Schneckentempo unterwegs.

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Der Bauturbo zeigt sich als großes, leeres Feld in Lambsheim im Rhein-Pfalz-Kreis. Ein Zaun, dahinter vertrockneter Boden, Sträucher, ein kleiner Container und vier Mülltonnen. Mehr gibt es noch nicht zu sehen. Doch hier wirkt der Bauturbo.

Das Bild zeigt die Baustelle in Lambsheim. Hier soll dank des Bauturbos schneller Wohnraum entstehen.
Die Baustelle in Lambsheim. Hier soll dank des Bauturbos schneller Wohnraum entstehen.

Wir können durch den Bauturbo viel schneller bauen.

Auf 2.400 Quadratmetern sollen in der Mühltorstraße drei Mehrfamilienhäuser gebaut werden. "Wir sparen durch das Bauturbogesetz 18 Monate ein. Wir können schneller bauen", sagt Sascha Kobler von der Kobler Bau- und Immobiliengruppe.

Bauturbo kann bei Wohnungen Kosten sparen

Schneller vom Antrag zur Genehmigung: Das macht den Bauturbo der Bundesregierung aus. Im Oktober vergangenen Jahres hat der Bundestag das Gesetz dazu verabschiedet. Gemeinden und Städte können Bauanträge unkomplizierter genehmigen. Sie dürfen von bestimmten Vorgaben der Bauplanung abweichen. Weil alles schneller geht, hat der Bauunternehmer weniger Vorfinanzierungskosten, das Haus wird also billiger und die Wohnungen können früher bezogen werden.

"Turboloch" statt Bauturbo in Rheinland-Pfalz

Hört sich in der Theorie gut an. Doch bisher ist in Rheinland-Pfalz noch wenig vom Bauturbo zu spüren. Der rheinhessische Bauunternehmer Tim Gemünden spricht von einem "Turboloch". Denn noch sind Anträge und Genehmigungen dünn gesät.

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Das hat auch eine Umfrage des SWR bei Kreisen, Städten und Gemeinden im Land ergeben. Laut Statistischem Landesamt verharrt die Zahl der genehmigten Wohngebäude im ersten Quartal 2026 auf dem sehr niedrigen Vorjahresniveau. Doch warum ist das so?

Die Gesamtlage entfacht weder Optimismus noch Aufbruch.

Die Lage beim Haus- und Wohnungsbau werde in den letzten Wochen zwar ganz langsam besser, sagt Matthias Schwalbach, Geschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Trier. Aber eben sehr langsam und auf niedrigem Niveau. Nicht zu vergleichen mit den Jahren vor Corona.

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Hohe Zinsen und Energiepreise, dazu eine krisengeschüttelte Welt - das alles halte viele vom Bauen ab, sagt Schwalbach: "Die Gesamtlage entfacht bei Unternehmern und Bauherren weder Optimismus noch Aufbruchstimmung. Aber genau das braucht es jetzt. Der Bauturbo ist noch ein zartes Pflänzchen."

Handwerker würden gerne mehr bauen

Die Konjunkturumfrage für die Monate Januar bis März 2026 der Trierer HWK ergab: Vor allem Baubetriebe bekommen immer weniger Aufträge rein. Und die Betriebe investieren selber auch weniger in neue Geräte oder Hallen. "Wer nicht investiert, sieht keine Chancen, dass sich das in Zukunft auszahlt, und wartet ab", sagt Matthias Schwalbach. Daran könne der Bauturbo nichts ändern. Daher fordert der HWK-Mann weitere Vereinfachungen beim Bauen und schaut dabei auch auf andere Regionen.

Hamburg als Vorbild beim Bauturbo

Die Hansestadt Hamburg gilt als Vorbild für schnelleres und kostengünstigeres Bauen. In Kombination mit dem Bauturbo hat man den so genannten Hamburg-Standard entwickelt. Damit wird zum Beispiel bei Bau- und Technikstandards gespart.

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Verwaltungsverfahren sind frühzeitig so verändert worden, dass Bauanträge schneller fertiggestellt und genehmigt werden. Beim Bauen können Wände und Decken zum Beispiel dünner gemauert werden, ohne dass der Schallschutz darunter leidet. 2.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche will man mit allen Veränderungen einsparen.

Ländlicher Raum braucht mehr Unterstützung beim Bauturbo

Das Deutsche Institut für Urbanistik begleitet die Einführung des Bauturbos. Eine Großstadt mit entsprechend spezialisierter Verwaltung könne man nicht mit dem vorwiegend ländlich geprägten Rheinland-Pfalz vergleichen, sagt Magnus Krusenotto vom Urbanistikinstitut: "Der Bedarf an Unterstützung, wie man die Vorschriften anwendet, ist im ländlichen Raum viel größer als in einer Großstadt mit einer großen Verwaltung. Die kleinen Kommunen sind viel mehr getrieben durch die Nachfrage ihrer Bürger."

Matthias Schwalbach von der HWK Trier glaubt, dass der Bauturbo eher ein Thema für die großen Städte wird. Eben da, wo schnell dringend bezahlbarer Wohnraum benötigt werde. Auf dem Land, so seine Einschätzung, werden vor allem Menschen vom Turbo profitieren, die ihr Eigenheim planen.

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Ländlich geprägtes Rheinland-Pfalz: Vor allem die Eifel ist dörflich geprägt. Dierfeld mit nur neun Einwochner ist die kleinste deutsche Gemeinde. Harald Tittel

Bauunternehmer Tim Gemünden aus dem rheinhessischen Ingelheim wünscht sich in den Verwaltungen mehr Mut und klare Signale wie in Hamburg. In Rheinland-Pfalz werde nach dem Motto gehandelt: "Ihr dürft nach dem Bauturbo genehmigen". In Hamburg sei schon gesetzlich geregelt, dass der Bauturbo angewendet werden soll, sagt Gemünden.

"Bei uns sind die Bauämter eher unsicher und zögerlich, ob sie beschleunigt genehmigen können, während in Hamburg der Bauturbo 'volle Granate' zündet."

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Paul Lütge
Ein Bild von Paul Lütge
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Foto von Multimediareporterin Sarah Mauer
Ludger Peters
Foto von Ludger Peters, Multimedia-Redakteur SWR Aktuell Rheinland-Pfalz
Friederike Pick
Friederike Pick.
Sabine Steinbrecher
Sabine Steinbrecher ist Reporterin im SWR Studio Mainz

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