So wie auf dieser Fotomontage mit dem dünnen Strich angedeutet, könnte sie aussehen, die spektakuläre Hängebrücke über das Ewigbachtal bei Boppard: Dieses Tourismusprojekt sorgt derzeit für Diskussionen im Mittelrheintal. Rund 300 Meter lang soll die Brücke werden, mit weitem Blick über die berühmte Rheinschleife. Für manche ist sie eine neue Chance für die Region, andere fürchten vor allem Belastungen.
Roland Haag, Projektleiter bei der Eberhardt Gruppe ist verantwortlich für das Vorhaben in Boppard. Er beschreibt den geplanten Ausblick für Besucher so: "Also die haben den Blick Richtung Boppard und die gesamte Rheinschleife entlang. Wir verbinden dann ein Tal, das sehr tief und außenherum sehr weit ist und dann können die Leute auch weiterwandern."
Die Eberhardt Gruppe aus Riedlingen in Baden-Württemberg kommt ursprünglich aus dem Stahlbau und setzt inzwischen verstärkt auf touristische Hängebrücken. Drei solcher Brücken hat das Unternehmen bereits gebaut, die jüngste steht in Rottweil und wurde erst vor wenigen Monaten eröffnet.
Die Brücke in Boppard soll zwar etwas kleiner ausfallen, aber ähnlich viele Besucher anziehen. Schon jetzt zeigt sich vor Ort, dass das Projekt polarisiert. Befragte Passanten und Spaziergänger finden die Idee spannend, sind aber auch skeptisch.
Die Lage der geplanten Hängeseilbrücke im Ewigbachtal
Die Brücke über dem Ewigbachtal soll oberhalb von Boppard entstehen mit Blick über das Mittelrheintal. Der Einstiegspunkt soll in unmittelbarer Nähe eines bestehenden Ausflugsziels liegen: dem Restaurant Gedeonseck. Von dort aus könnten Gäste künftig nicht nur den Panorama-Ausblick genießen, sondern auch die Hängebrücke betreten.
Kritik aus der Gastronomie: Belastung statt Gewinn?
Der Eigentümer des Restaurants Gedeonseck, Christoph Winkler, sieht die Hängebrücke kritisch. Er befürchtet, dass die neue Attraktion zwar viele Menschen anzieht, die lokale Wirtschaft aber nicht so stark profitiert, wie erhofft.
Winkler sagt: "Es wird immer so argumentiert, der Vorhabenträger baut uns hier eine Hängebrücke umsonst hin. Das ist nicht so. Der baut die hin, damit er Geld verdient und nicht damit Boppard Geld verdient. Boppard wird belastet dadurch." Er rechnet damit, dass die Stadt zusätzliche Aufgaben bei Verkehr und Infrastruktur übernehmen muss - etwa mehr Parkplätze, mehr An- und Abreise - ohne dass automatisch hohe Einnahmen gegenüberstehen.
Solche Bedenken spielen in der politischen Diskussion durchaus eine Rolle. Befürworter verweisen auf die Bedeutung des Tourismus für Rheinland-Pfalz und den Mittelrhein, Gegner fürchten zusätzliche Verkehrsprobleme, Lärm oder eine Übernutzung der Landschaft. Auch die Frage, wie viele Besucher tatsächlich länger bleiben und in der Kernstadt Geld ausgeben, ist offen.
Sessellift Boppard: Betreiber sichert sich Aufstiegshilfe
Dass das Unternehmen Eberhardt mit einem Erfolg des Projekts rechnet, zeigt ein weiterer Schritt. Projektleiter Roland Haag sagt: "Wir haben hier die Aufstiegshilfe kaufen können, den Bopparder Sessellift, der gehört seit Dezember uns und wir betreiben ihn auch. Das heißt eigene Mitarbeiter hier schon vor Ort und das ist natürlich ein Baustein, hier auch die Brücke zu betreiben."
Der Sessellift ist eine wichtige Zubringerlinie zum Gedeonseck und damit zum geplanten Einstieg der Hängebrücke. Mit dem Kauf sichert sich der Betreiber nicht nur die Aufstiegshilfe, sondern kann die Angebote besser aufeinander abstimmen: Sesselliftfahrt, Aussichtspunkt und später eine Überquerung des Ewigbachtals.
Rund sechs Millionen Euro will die Eberhardt Gruppe in das Projekt investieren. Der Eintritt für die Hängebrücke soll etwa zehn Euro kosten. Damit wird deutlich, dass es sich um ein kommerzielles Vorhaben handelt, das sich über Besucherströme refinanzieren muss und langfristig Gewinne bringen soll.
Auch das SWR Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz hat über die Pläne berichtet.
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Wie geht es weiter mit der Hängebrücke in Boppard?
Noch ist die Hängebrücke über das Ewigbachtal Zukunftsmusik. Bevor gebaut werden darf, steht ein formaler Prozess an. Die Stadt muss einen Bebauungsplan aufstellen, in dem das Projekt rechtlich verankert wird. Daran sind Behörden, Stadtrat und Öffentlichkeit beteiligt. Erst wenn diese Schritte abgeschlossen sind, kann über eine konkrete Genehmigung entschieden werden.
Die Stadt Boppard verbindet mit der Hängebrücke die Hoffnung auf zusätzliche Gäste für die Region. Außerdem rechnet sie mit Pachteinnahmen für das Gelände, auf dem die Brücke starten soll. Für eine Tourismusregion am Mittelrhein kann eine neue Attraktion auch langfristig Bedeutung haben - etwa, wenn Besucher länger bleiben, Übernachtungen buchen oder zusätzliche Angebote nutzen. Doch bevor Besucher über das Tal gehen können, müssen viele andere Brücken gebaut werden - zwischen Behörden, Politik, Unternehmen und den Menschen vor Ort.