Die Euphorie im Saal des Rhein-Ahr-Campus in Remagen war groß, nachdem drei Wissenschaftlerinnen ihre Studie vorgestellt hatten. Der Neubau einer Fußgänger- und Fahrradbrücke zwischen Remagen und Erpel bringt laut Studie viele positive Impulse für Wirtschaft und Tourismus in der Region. Die Lebensqualität der Menschen würde steigen.
Große Freude bei den Kommunalpolitikern
Der wirtschaftliche Nutzen der geplanten Hängebrücke ist deutlich höher als die Kosten für Bau und Unterhaltung. Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl (parteilos), der seit 2018 für einen Neubau kämpft, reagierte begeistert: "Ich freue mich sehr. Eine Rheinbrücke ist absolut sinnvoll in vielerlei Hinsicht: Sie verkürzt Pendlern die Wege und sie zieht Touristen an."
Auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Unkel, Karsten Fehr (parteilos), sieht sich durch das Gutachten der Planerinnen bestätigt: "Die gesamte Region zieht weiter an einem Strang und wir können stolz darauf sein, wenn es jetzt mit dem Brückenprojekt voran geht."
Wer trägt die Baukosten?
Doch noch ist unklar, wer die Baukosten von rund 26 Millionen Euro zahlen soll, sowie das Geld für die künftige Unterhaltung der Brücke. Die drei Wissenschaftlerinnen sehen wenig Chancen, Fördertöpfe des Bundes, des Landes oder der EU anzapfen zu können. Sie empfehlen, das Land Rheinland-Pfalz zu fragen, ob es die sogenannte Baulastträgerschaft für die Brücke übernimmt. Das würde bedeuten, dass das Land sämtliche Kosten zahlt.
Diskussion läuft bereits seit 2018
Seit 2018 wird in der Region über die neue Brücke diskutiert. Sie soll das Leben der Menschen links und rechts des Rheins spürbar erleichtern. Geplant ist eine mehr als 320 Meter lange und sechs Meter breite Hängeseilbrücke an den Ruinen der historischen Ludendorff-Brücke. Sie ist weltweit als "Brücke von Remagen" bekannt.
Gemeinsam arbeiten die Stadt Remagen und der Kreis Ahrweiler sowie die Ortsgemeinde Erpel, die Verbandsgemeinde Unkel, der Kreis Neuwied und der Rhein-Sieg-Kreis in NRW auf der anderen Rheinseite daran, die Fußgänger- und Radfahrerbrücke Wirklichkeit werden zu lassen.
Kurze Wege über die neue Rheinbrücke
Die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand (parteilos), sprach von einem wunderbaren Projekt: "Dank der neuen Brücke rückt die Region enger zusammen. Ein Brückenschlag ist gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll."
Die Brücke würde eine Lücke im Nahverkehr schließen: Die nächstgelegenen Brücken über den Rhein gibt es in Bonn und Neuwied. Aktuell nutzen deshalb Schüler, Pendler und Touristen die Fähren über den Rhein. Doch bei extremem Hoch- oder Niedrigwasser fallen sie aus. Und im Notfall kämen auch Rettungsdienste wie Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen schneller auf die andere Rheinseite.
Brücke bei Remagen wäre gut für Touristen
Darüber hinaus bietet die Brücke nach Meinung der Befürworter auch großes Potenzial für den Tourismus: Sie könnte Wander- und Radtouristen anziehen, wenn sie die bestehenden EuroVelo-Routen auf beiden Seiten des Rheins miteinander verbinden würde. Auch die geplanten neuen Pendler-Radrouten von Koblenz nach Bonn ließen sich integrieren.
Ruinen der Brückenköpfe müssten saniert werden
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Sanierung der historischen Brückenköpfe der ehemaligen Ludendorff-Brücke in Remagen und Erpel. Sie gelten als wertvolle nationale Denkmäler, wurden aber vernachlässigt und müssen umfassend in Stand gesetzt werden.
Die Sanierung bietet zudem die Gelegenheit, die Brückenköpfe besser mit dem Friedensmuseum in Remagen zu verknüpfen, das die bewegte Geschichte der Brücke dokumentiert. Auch eine thematische Verbindung zu weiteren kulturellen Institutionen als "Orte der Demokratie" in der Region wäre möglich, heißt es. Etwa zum Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf und das Willy-Brandt-Forum in Unkel.
Positive Reaktionen zu Plänen für Brücke bei Remagen
Die Pläne stoßen bei den Menschen in der Region auf breite Zustimmung. Ganz zu Beginn des Projekts machte die Hochschule Koblenz eine Online-Befragung, um die Meinung der Bürgerinnen und Bürger, aber auch von Unternehmen einzuholen. Mit über 3.500 ausgefüllten Fragebögen und einer Zustimmungsrate von über 90 Prozent zeigt sich, dass viele das Vorhaben positiv sehen.
Keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt
Negative Auswirkungen auf die Umwelt hätte ein Brückenneubau nicht. Auch dieser Aspekt wurde von den drei Planerinnen untersucht. Das nahegelegene Flora-Fauna-Habitat-Gebiet "Rheinhänge zwischen Unkel und Neuwied" würde kaum beeinträchtigt.
Sehr schnell lässt sich das Brückenprojekt jedoch nicht verwirklichen. Selbst wenn die Finanzierung geklärt wäre, würde allein die Planungs- und Genehmigungsphase laut Studie sechs Jahre dauern.