Krise bei Batterieherstellung

Droht Varta die endgültige Zerschlagung? Was das für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeuten würde

Der Batteriehersteller Varta soll offenbar endgültig zerschlagen werden. Das berichten mehrere Medien. Was heißt das für Werke und Jobs?

Teilen

Stand

Von Autor/in Jenny Beyen

Der schwäbische Batteriehersteller Varta steht vor einem tiefgreifenden Umbau: Die Gläubiger wollen den Konzern offenbar endgültig zerschlagen. Nach den Plänen der Gläubiger soll der lukrative Geschäftsbereich mit Haushaltsbatterien ausgegliedert werden. Für das übrige Unternehmen - etwa Spezialbatterien und weitere Aktivitäten - wird eine neue Eigentümerstruktur gesucht. Ziel ist, die wirtschaftlich starken Teile des Konzerns zu sichern und für den Rest Investoren zu finden. Wie genau diese Aufteilung aussehen soll, ist derzeit noch offen.

Die Gläubigergruppe hat sich nach eigenen Angaben diese Entscheidung nicht leicht gemacht. "Sie stellt eine reiflich überlegte und angemessene Reaktion auf eine Situation dar, in der sich die Finanzlage des Unternehmens weiter verschlechtert hat und sich keine belastbare und umsetzbare Alternativlösung abzeichnet", sagte ein Sprecher.

Baden-Württemberg/Ostalbkreis

Unternehmen in Schieflage Batteriehersteller Varta aus Ellwangen stellt Insolvenzantrag

Der Batteriehersteller Varta AG aus Ellwangen hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen steht damit vor der Zerschlagung.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Finanziell klafft bei Varta nach Angaben der Gläubigergruppe eine Lücke in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. Diese Summe fehlt, um den Betrieb dauerhaft aufrechtzuerhalten. Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern habe niemand das Geld zur Verfügung gestellt.

Das ist keine gute Nachricht - weder für die Beschäftigten noch für den Industriestandort Baden-Württemberg. Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt und werde dies weiterhin tun.

Varta hat seinen Sitz in Ellwangen (Ostalbkreis) und gilt als Traditionsunternehmen der Batteriebranche. In Deutschland betreibt der Konzern sechs Produktionsstätten, unter anderem in Ellwangen, Dischingen (Kreis Heidenheim) und Nördlingen im bayerischen Grenzgebiet. Weltweit beschäftigt Varta rund 4.000 Mitarbeitende, etwa 3.000 davon in Deutschland. Viele von ihnen arbeiten direkt in der Fertigung und sind von möglichen Werksschließungen unmittelbar betroffen.

"Das ist keine gute Nachricht - weder für die Beschäftigten noch für den Industriestandort Baden-Württemberg", sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Sie habe in den vergangenen Tagen und Wochen "intensive Gespräche mit allen Beteiligten" geführt und werde dies weiterhin tun. "Mein Ziel ist unverändert, möglichst viel industrielle Wertschöpfung, technologisches Know-how und möglichst viele Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu erhalten", so die CDU-Politikerin weiter.

Varta: Krise durch geplatzte Apple-Erwartungen

Die aktuelle Zuspitzung ist das Ergebnis einer länger anhaltenden Krise. Seit 2022 kämpft Varta mit massiven Problemen. Hintergrund ist eine enge Zusammenarbeit mit dem US-Technologiekonzern Apple: Für akkubetriebene Geräte hatte Varta seine Produktion stark ausgebaut, um als Zulieferer große Stückzahlen liefern zu können.

Kurz nach dem Ausbau der Kapazitäten senkte Apple jedoch seine Bestellungen. Für Varta bedeutete das: hohe Investitionen, aber deutlich weniger Umsatz als geplant. Im Oktober dieses Jahres will Apple gar keine Batterien mehr bei Varta einkaufen. Die Absatzkrise verschärfte sich damit weiter.

Bereits im Mai hatte das Unternehmen die Schließung des Werkes in Nördlingen angekündigt. Für die Beschäftigten dort ist klar, dass sie ihre Jobs verlieren. An anderen Standorten ist die Lage weniger eindeutig, aber die jetzt geplante Zerschlagung sorgt überall für große Verunsicherung.

Varta-Haushaltsbatterien als Hoffnungsträger

Der Bereich Haushaltsbatterien ist einer der stabilen Pfeiler des Unternehmens. Hier produziert Varta klassische Batterien für Fernbedienungen, Spielzeug oder Haushaltsgeräte - Produkte, die in Supermärkten, Drogerien und Elektronikmärkten verkauft werden. Dieses Geschäft gilt als vergleichsweise verlässlich und profitabel. Genau deshalb soll es herausgelöst werden.

Nördlingen

Produktionslinie in Nördlingen schließt Ellwanger Batteriehersteller VARTA streicht 350 Stellen

Der Ellwanger Batteriehersteller VARTA stellt die Produktion von Knopfzellen am Standort in Nördlingen ein. Das teilte das Unternehmen mit. 350 Beschäftigte sind betroffen.

Ellwangen

Insolvenzanwalt Dr. Frank Schäffler | 26.5.2025 Pleite beim Batteriehersteller Varta: So sieht es hinter den Kulissen aus

Die Pleite des Ellwanger Batterieherstellers Varta sorgte 2024 für Schlagzeilen. Dr. Frank Schäffler verrät, wie die Restrukturierung hinter den Kulissen bei Varta abläuft.

Leute SWR1 Baden-Württemberg

Ellwangen

Porsche rein, Aktionäre raus Gericht bestätigt Plan für die Sanierung von VARTA in Ellwangen

Das Stuttgarter Amtsgericht hat am Mittwoch den Sanierungsplan des kriselnden Ellwanger Batteriekonzerns VARTA bestätigt und die Widersprüche von Aktionären abgewiesen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Jenny Beyen
Onlinefassung
Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!