Der schwäbische Batteriehersteller Varta steht vor einem tiefgreifenden Umbau: Die Gläubiger wollen den Konzern offenbar endgültig zerschlagen. Nach den Plänen der Gläubiger soll der lukrative Geschäftsbereich mit Haushaltsbatterien ausgegliedert werden. Für das übrige Unternehmen - etwa Spezialbatterien und weitere Aktivitäten - wird eine neue Eigentümerstruktur gesucht. Ziel ist, die wirtschaftlich starken Teile des Konzerns zu sichern und für den Rest Investoren zu finden. Wie genau diese Aufteilung aussehen soll, ist derzeit noch offen.
Die Gläubigergruppe hat sich nach eigenen Angaben diese Entscheidung nicht leicht gemacht. "Sie stellt eine reiflich überlegte und angemessene Reaktion auf eine Situation dar, in der sich die Finanzlage des Unternehmens weiter verschlechtert hat und sich keine belastbare und umsetzbare Alternativlösung abzeichnet", sagte ein Sprecher.
Unternehmen in Schieflage Batteriehersteller Varta aus Ellwangen stellt Insolvenzantrag
Der Batteriehersteller Varta AG aus Ellwangen hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen steht damit vor der Zerschlagung.
Finanziell klafft bei Varta nach Angaben der Gläubigergruppe eine Lücke in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. Diese Summe fehlt, um den Betrieb dauerhaft aufrechtzuerhalten. Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern habe niemand das Geld zur Verfügung gestellt.
Das ist keine gute Nachricht - weder für die Beschäftigten noch für den Industriestandort Baden-Württemberg. Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt und werde dies weiterhin tun.
Varta hat seinen Sitz in Ellwangen (Ostalbkreis) und gilt als Traditionsunternehmen der Batteriebranche. In Deutschland betreibt der Konzern sechs Produktionsstätten, unter anderem in Ellwangen, Dischingen (Kreis Heidenheim) und Nördlingen im bayerischen Grenzgebiet. Weltweit beschäftigt Varta rund 4.000 Mitarbeitende, etwa 3.000 davon in Deutschland. Viele von ihnen arbeiten direkt in der Fertigung und sind von möglichen Werksschließungen unmittelbar betroffen.
"Das ist keine gute Nachricht - weder für die Beschäftigten noch für den Industriestandort Baden-Württemberg", sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Sie habe in den vergangenen Tagen und Wochen "intensive Gespräche mit allen Beteiligten" geführt und werde dies weiterhin tun. "Mein Ziel ist unverändert, möglichst viel industrielle Wertschöpfung, technologisches Know-how und möglichst viele Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu erhalten", so die CDU-Politikerin weiter.
Varta: Krise durch geplatzte Apple-Erwartungen
Die aktuelle Zuspitzung ist das Ergebnis einer länger anhaltenden Krise. Seit 2022 kämpft Varta mit massiven Problemen. Hintergrund ist eine enge Zusammenarbeit mit dem US-Technologiekonzern Apple: Für akkubetriebene Geräte hatte Varta seine Produktion stark ausgebaut, um als Zulieferer große Stückzahlen liefern zu können.
Kurz nach dem Ausbau der Kapazitäten senkte Apple jedoch seine Bestellungen. Für Varta bedeutete das: hohe Investitionen, aber deutlich weniger Umsatz als geplant. Im Oktober dieses Jahres will Apple gar keine Batterien mehr bei Varta einkaufen. Die Absatzkrise verschärfte sich damit weiter.
Bereits im Mai hatte das Unternehmen die Schließung des Werkes in Nördlingen angekündigt. Für die Beschäftigten dort ist klar, dass sie ihre Jobs verlieren. An anderen Standorten ist die Lage weniger eindeutig, aber die jetzt geplante Zerschlagung sorgt überall für große Verunsicherung.
Varta-Haushaltsbatterien als Hoffnungsträger
Der Bereich Haushaltsbatterien ist einer der stabilen Pfeiler des Unternehmens. Hier produziert Varta klassische Batterien für Fernbedienungen, Spielzeug oder Haushaltsgeräte - Produkte, die in Supermärkten, Drogerien und Elektronikmärkten verkauft werden. Dieses Geschäft gilt als vergleichsweise verlässlich und profitabel. Genau deshalb soll es herausgelöst werden.