Eine Business-Konferenz im Festzelt? Das hat es am Mittwoch im Bierzelt "Almhütte Royal" auf dem Cannstatter Volksfest gegeben - beim "Gründerwasen". Rund 2.000 aus der Startup-Szene wie Investoren, Gründer und Unternehmer aus Stuttgart und Umgebung waren gekommen, um sich zu vernetzen und auszutauschen. Die Landeshauptstadt entwickelt sich laut der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart zu einem der führenden deutschen Startup-Standorte für wissenschaftliche Innovationen und industrielle Anwendungen.
Karin Pfisterer: Startups trotzen der Job- und Wirtschaftskrise
Ins Gespräch zu kommen, ob Investoren oder Firmen, sei gerade für Startups wichtig, sagt Karin Pfisterer von Verein Startup-Stuttgart. "Es ist kurz vor zwölf und das ist richtig zu spüren, dass jetzt eine Bewegung entsteht, dass die Leute Bock haben, hier in der Region was zu tun", sagt Pfisterer. Viele würden gerade "aufwachen" und bewusst gründen, "da jetzt einfach viele Jobs wegfallen, die Wirtschaft sich verändert und wir vor einer großen Krise stehen."
Aus der Wissenschaft zum Wirtschaftsfaktor? KI, Start-ups, Forschung: Private Investitionen sichern Baden-Württemberg Spitzenposition
Im Land der Tüftler und Denker sollen aus Spitzenforschung Start-ups hervorgehen - und die heimische Wirtschaft etwa vom KI-Hype profitieren. Wo es funktioniert - und wo es hakt.
All die Gründerinnen und Gründer hatten am Mittwoch die Möglichkeit, sich auf dem "Gründerwasen" zu zeigen und Sichtbarkeit zu bekommen. Dabei gehe man zu den Wurzeln des Volksfests aus dem Jahr 1818 zurück: Während der damaligen Hungersnot gab es auch schon einen Austausch der Wirtschaft, sagt Pfisterer: "Bauern, Händler und Handwerker kamen zusammen, um Wissen zu teilen und die Region wieder aufzubauen. Genau dort knüpfen wir an."
FarmerOS gewinnt "Gründerwasen"-Pokal
2024 kamen zum ersten "Gründerwasen" rund 600 Leute. 2025 waren es dann schon 1.200, dieses Jahr schon über 2.000 Gäste, sagt Pfisterer. In diesem Jahr habe es 99 Bewerbungen auf die 30 Slots gegeben, die sich um den ersten Platz und den "Gründerwasen"-Pokal um die Wette gepitcht haben. In 90 Sekunden sollten sie ihr Startup präsentieren. Der Gewinner: FarmerOS aus Nürtingen (Kreis Esslingen). Das Unternehmen bietet Bauernhöfen ein modulares Betriebssystem. Dieses bündelt die Tier-, Feld-, Lager- und Rechnungsverwaltung.
Als Sonderpreis gab es 10.000 Euro als Female Entrepreneurship Stipendium von der Börse Stuttgart und Stuttgart Financial für das beste Team mit weiblicher Gründungsbeteiligung. Gewinnerin ist Laura Valentina Mayer-Steudte mit ihrem Startup "flinq" - ein KI-Tool für die Bauindustrie, das schnelle Entscheidungen für Bauprojekte treffen kann. Zusätzlich waren an dem Abend noch Scouts von "Die Höhle der Löwen" unterwegs, die vor Ort nach vielversprechenden Teams suchten.
Energiesanierung und afrikanische Küche
Maximilian Seifert hat 2023 "Greenox" gegründet. Das Startup ist ein Ansprechpartner für Energiesanierungen und kauft dafür Handwerksbetriebe auf, die keinen Nachfolger finden. Diese integriert sie in das Unternehmen. Seiferts Vision: "Das Amazon des Handwerks, nur dass wir die Leute besser behandeln." Inzwischen hat "Greenox" mehr als 200 Mitarbeiter und will bis 2030 1.000 Mitarbeiter haben. Seifert war bisher jedes Jahr beim "Gründerwasen". Was ihn lockt? "Viel Spaß, coole Gründer, geiler Spirit und motiviert nach Hause zu gehen."
Tamara Goncalves Canana hat mit 17 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter das Startup "Kahombo" gegründet und bietet afrikanische Kochkurse und Catering in Stuttgart an. Zusätzlich verkaufen die beiden scharfe Soßen und Gewürzsalze. Goncalves Canana ist 20 Jahre alt und will die afrikanische Kultur in die deutsche Welt bringen. Sie ist auf den "Gründerwasen" gekommen, um neue Leute kennenzulernen und Feedback zu bekommen.
Von Stuttgart aus für ganz Europa
Antonius Gress hat früher bei Bosch gearbeitet, bis er selbst gründete. Sein Unternehmen "Blockbrain" bietet Wissensmanagement mit KI-Agenten wie automatisierte Vertragsprüfungen und Legal-Workflows. Mittlerweile hat das Stuttgarter Startup 70 Mitarbeiter und Standorte in München und Hamburg. Der eigene Anspruch ihrer KI-Plattform: "Von The Länd für Europa".