Streit um Windkraft

Gemeinde und Bürger fürchten "Umzingelung": Bald 40 neue Windräder in Bartholomä?

Bartholomä im Ostalbkreis fürchtet von Windrädern umzingelt zu werden. Gleich zwei Regionalverbände planen hier neue Windkraftanlagen. Gemeinde und Bürgern wird das zu viel.

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Von Autor/in Justus Madaus

Der 2.000-Seelen-Ort Bartholomä im Ostalbkreis liegt genau zwischen den beiden Regionalverbänden Ostwürttemberg und Stuttgart. Und das könnte jetzt zum Problem werden: Beide Regionen planen Windkraftanlagen an der Grenze zu Bartholomä. 24 Windräder stehen schon, knapp 40 weitere könnten dazukommen.

Großer Streit um Windkraft in Bartholomä

Der Wind fegt über die Felder nördlich von Bartholomä, die Bürgerinitiative "Lebensraum Albuch" hat sich hier versammelt, diskutiert und blickt immer wieder nach oben. Von den fünf Windrädern, die hier stehen, ist ein ständiges Surren zu hören. Nicht weit von den Rotorblättern steht ein Greifvogel in der Luft.

Fünf der vorhandenen 24 Windräder auf dem Gebiet von Bartholomä sollen durch Höhere ersetzt werden, 38 neue Windräder sollen nach Regionalverbandsplänen noch dazukommen.
Fünf der vorhandenen 24 Windräder auf dem Gebiet von Bartholomä sollen durch Höhere ersetzt werden, 38 neue Windräder sollen nach Regionalverbandsplänen noch dazukommen.

"Ich hab hier schon vier rote Milane aufgesammelt, die erschlagen wurden von den Windrädern", erzählt Tierärztin Karen Debler von der Bürgerinitiative. Grundsätzlich sei die Gruppe nicht gegen Windkraft, aber durch die Pläne der beiden Regionalverbände befürchten sie eine Überlastung der Gemeinde und der Umwelt. "Dagegen wollen wir uns wehren, weil das unsere Heimat ist."

Gemeinde Bartholomä fordert weniger Windräder

Auch Bürgermeister Thomas Kuhn (parteilos) kritisiert die Windkraftpläne. Er spricht von einem regelrechten Gürtel aus Windrädern, der sich um seine Gemeinde legt. Wie eng dieser Gürtel geschnallt ist, zeigt Thomas Kuhn auf einer Karte. Darauf sind die Pläne der Region Ostwürttemberg und der Region Stuttgart übereinander gelegt. "Da sagen wir eindeutig: Das ist zu viel."

Ein Entwurf, wie es rund um Bartholomä aussehen könnte: Die gelben Punkte zeigen vorhandene Windräder, die roten Punkte zeigen neu geplante Windräder. Pinke Punkte stehen für vorhandene Windräder, die durch Höhere ersetzt werden sollen. Die drei mit einem Kreuz markierten Punkte sind angedachte Windräder, die mittlerweile wieder aus den Plänen entfernt wurden.
Ein Entwurf, wie es rund um Bartholomä aussehen könnte: Die gelben Punkte zeigen vorhandene Windräder, die roten Punkte zeigen neu geplante Windräder. Pinke Punkte stehen für vorhandene Windräder, die durch Höhere ersetzt werden sollen. Die drei mit einem Kreuz markierten Punkte sind angedachte Windräder, die mittlerweile wieder aus den Plänen entfernt wurden.

Fünf der vorhandenen 24 Windräder sollen durch Höhere ersetzt werden, 38 neue Windräder sollen noch hinzukommen. Von den Regionalverbänden fordert der Bürgermeister, diese Zahl zu reduzieren. "Mir ist wichtig zu sagen, dass wir keine Windkraftgegner sind. Wir sehen aber, dass hier eine Überlastung stattfindet."

Regionalverbände planen Windkraft

Mit ihren Plänen kommen die beiden Regionalverbände den Vorgaben des Landes nach. Bis 2027 will Baden-Württemberg 1,8 Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen ausweisen.

In einer Stellungnahme bestätigt der Regionalverband Ostwürttemberg, dass an den gemeinsamen Regionsgrenzen eine starke Belastung besteht. Thomas Kiwitt, Technischer Direktor der Region Stuttgart, sagt, dass hier viele verschiedene Interessen aufeinander treffen.

Auf dem Falkenberg südwestlich von Bartholomä stehen 19 Windräder. Der Regionalverband Stuttgart plant an der Grenze der Gemeinde weitere 25.
Auf dem Falkenberg in Lauterstein südwestlich von Bartholomä stehen 19 Windräder. Der Regionalverband Stuttgart plant an der Grenze der Gemeinde weitere 25.

Einen gegenseitigen Austausch bestätigen beide Regionalverbände. Es gibt aber unterschiedliche Rahmenbedingungen, so Kiwitt. "In der Region Stuttgart leben rund sechsmal mehr Menschen als in der Region Ostwürttemberg. Das heißt, es ist dort ein bisschen komplizierter, Standorte für Windräder zu finden."

Windkraft: Planung und Umsetzung

Geplant werden die Windvorranggebiete von den Regionalverbänden, genehmigen muss sie der Landkreis. Dem Landrat des Ostalbkreises, Joachim Bläse (CDU), liegen die Entwürfe der Region Ostwürttemberg bereits vor. Die endgültigen Pläne der Region Stuttgart sollen Ende des Jahres kommen.

Was die Region Stuttgart aktuell plant, sieht Bläse aber noch kritisch. "Dort sind die rechtlichen Rahmenbedingungen meines Erachtens nach nicht hundertprozentig eingehalten."

Die Bürgerinitiative "Lebensraum Albuch" sieht durch die Windräder eine Belastung der Umwelt und der Menschen.
Die Bürgerinitiative "Lebensraum Albuch" sieht durch die Windräder eine Belastung für Mensch und Umwelt. Teilweise würden die Windräder in einem Landschaftsschutzgebiet geplant, teilweise grenzten die Windvorranggebiete an ein Vogelschutzgebiet.

Überlastet fühlen sich die Gemeinde Bartholomä und die Bürgerinitiative von beiden Verbänden. Dass neue Windräder kommen werden, daran hat Bürgermeister Thomas Kuhn keine Zweifel, die Frage sei nur, wie viele. Klar bleibe: So lange die Planung läuft, ist aus Bartholomä weiterhin mit Gegenwind zu rechnen.

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