Die extreme Sommerhitze hat Pflanzen verdorren lassen und Wiesen verbrannt. Sie setzt auch wissenschaftlichen Gärten massiv zu. Besonders deutlich wird das im Botanischen Garten der Universität Ulm. Dort sollte ein "Wandelwald" zeigen, welche Baumarten mit den künftigen Klimabedingungen zurechtkommen. Nach dem ersten Sommer ist klar: Der Stresstest fällt härter aus als gedacht.
Lange Trockenheit: Bäume im Stresstest
"Wir haben eigentlich Arten gepflanzt, die gut mit Hitze und Trockenheit auskommen sollten", sagt Emma Sayer, Forscherin im Institut für Botanik an der Universität Ulm. Trotzdem steht sie vor etlichen "Klimabäumen", die es nicht geschafft haben: komplett braun, vertrocknet, eher Gerippe als Baum. Mehr als 40 der 240 Bäume sind abgestorben, die übrigen haben sichtbare Schäden.
Sie streicht mit ihrer Hand über eines der Bäumchen. Der kleine Baum hat die Hitze und die Trockenheit zwar überlebt, die Blätter sind aber lange nicht so groß und saftig dunkelgrün, wie sie sein sollten: "So müsste es aussehen", sagt Sayer und hält einen frischen Steckling daneben. "Normalerweise".
Es sind viele Pflanzen, deren kleine Wurzelsysteme in der ausgetrockneten Erde schlicht zu wenig Wasser fanden. Besonders die Setzlinge auf offenen, sonnigen Flächen hatten kaum eine Chance, bevor die Trockenperiode einsetzte. Das Projekt im Botanischen Garten in Ulm ist darauf angelegt, dass die Bäume wie in einem echten Wald möglichst naturnah, also ohne zusätzliche Bewässerung, wachsen.
Trockenheit setzt Pflanzen im Botanischen Garten zu
Die Idee: Ein "Wandelwald", in dem heimische Baumarten wie Buche, Eiche und Linde neben eingeführten Varianten wachsen. Die Bäume sollen über Jahre zeigen, welche Arten Hitze, Trockenheit und Schädlinge besser verkraften.
Die Trockenheit macht nicht nur den Versuchspflanzen im Wandelwald zu schaffen: Äpfel fallen in diesem Jahr deutlich früher und oft kleiner vom Baum auf der Streuobstwiese. Was zunächst nach einem schlechten Obstjahr klingt, ist eine Überlebensstrategie, erklärt Gartenmeister Alexander Halder, während er einen Apfel am Baum genauer unter die Lupe nimmt. Der Baum trennt sich von Früchten, weil er unter Wasser- und Hitzestress seine Energie auf das Überleben konzentriert, erklärt Halder.
"Im Endeffekt ist es so, dass Pilze leichter in das Obst eindringen können, beziehungsweise Insektenschädlinge, irgendwelche Motten, Käfer, Wespen", so der Gartenmeister. Der Baum könne sich nicht mehr ausreichend schützen.
Im Botanischen Garten sieht es aus, als hätte man die Zeit vorgespult: Gelbe und braune Blätter wie im Herbst, Risse im trockenen Boden, selbst Fichten werfen ihre Nadeln ab - eigentlich ein normaler Prozess im Spätsommer. Doch in diesem Jahr sind es deutlich mehr Nadeln als sonst.
Wald mit neuen Bäumen: Pflanzenkohle als Hoffnungsträger
Die vertrockneten Bäumchen sind für die Verantwortlichen im Botanischen Garten aber kein Grund, das Projekt zu beenden, sondern Anlass für die nächste Experimentierphase. Eine Rolle soll dabei Pflanzenkohle spielen.
Alexander Halder beschreibt die Kohle als eine Art Schwamm, der das Wasser aufsaugen und an die Bäumchen abgeben soll. Dafür vermischen die Verantwortlichen in Ulm die Pflanzenkohle mit Humus und pflanzen damit die Stecklinge ein. Das Credo: weiterpflanzen, weiterforschen, weiter ausprobieren - damit die Zukunftsbäume im Wandelwald auch tatsächlich eine Zukunft haben.