Wer fliegt am schnellsten? Wer kann das Wetter am besten lesen? Seit Montagmorgen messen sich rund 80 Pilotinnen und Piloten aus 22 Ländern bei der Junioren-Segelflug-WM in Aalen-Elchingen (Ostalbkreis). Mittendrin: der Argentinier Valentín Pastoriza und Jens Kammerer aus Bruchsal (Landkreis Karlsruhe).
Der 23-jährige Jens Kammerer holte im vergangenen Jahr die Bronzemedaille. Sein Gefühl, beim Fliegen 600 Meter über dem Boden, beschreibt er so: "Bei einem normalen Flug schaue ich schon auch auf die Landschaft und genieße es einfach." Bei einem Wettkampfflug sei er schon angespannter, "da schaue ich, wie sich das Wetter entwickelt und hab' mehr Infos auf dem Smartphone."
Spannend: Technische Abnahme für die Segelflug-WM
Bevor es jedoch losgehen konnte, mit dem Fliegen, stand am vergangenen Mittwoch die technische Abnahme der Flugzeuge an. Valentín Pastorizas Segelflugzeug rollt langsam in den Hangar, draußen blendet die Sonne, drinnen wird es plötzlich still. Am Ende der Halle wartet schon das Abnahme-Team auf den 24-jährigen Argentinier mit dem markanten Schnurrbart: Maßband, Checklisten, konzentrierte Blicke. Hier entscheidet sich, ob alles am Flugzeug passt, er bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Segelflug überhaupt starten darf.
Für den jungen Piloten ist dieser Moment mehr als Routine. Er steht neben seiner weiß glänzenden ASW-20, schaut zur Uhr, spricht auf deutsch mit den Prüfern. Nach etwa 15 Minuten ist alles schon wieder vorbei: Das Maßband schnellt zurück, die Sicherheitssignale werden getestet - sein Flugzeug besteht die technische Abnahme. Valentín Pastoriza darf bei seiner ersten WM starten.
Segelflug-Elite trifft sich: Zwei Wochen Junioren-WM
Während bei ihm noch jede Schraube geprüft wird, nimmt ringsum die Junioren-Weltmeisterschaft im Segelflug Fahrt auf: Rund 80 Pilotinnen und Piloten aus 22 Ländern treten am Flugplatz des Luftsportrings Aalen an, viele von ihnen sind gerade mal Anfang zwanzig. Täglich bekommen sie anspruchsvolle Aufgaben über der Schwäbischen Alb gestellt - wer die vorgegebenen Strecken korrekt und am schnellsten fliegt, sammelt Punkte.
Die Region gilt als besonders segelflugfreundlich: verlässliches Sommerwetter, spannende Bedingungen. Für Wettbewerbsleiter Bernd Schmid ist das die ideale Bühne, um den besten Nachwuchs der Welt zusammenzubringen und ihm einen sportlich wie atmosphärisch unvergesslichen Wettbewerb zu bieten: "Die Grundstimmung ist besser als wir dachten. Die sind alle happy, das Feedback, das wir gekriegt haben, ist außergewöhnlich gut. Ich freue mich am meisten, dass wir schöne Aufgaben stellen können, dass die Piloten dann wirklich auch mit einem Grinsen aus ihrem Cockpit aussteigen können."
Valentín Pastoriza: Mit geborgtem Flugzeug zur WM
Für Valentín ist diese Bühne ohnehin schon ein kleines Wunder. Sein Segelflugzeug hat er sich in Europa organisiert: eine ASW-20, zugelassen in Spanien, kurz vor der WM noch in Polen im Einsatz und von einem Fliegerkameraden im Anhänger nach Elchingen gebracht. Seit sechs Jahren fliegt der 24-Jährige Segelflug - und hier, fern der Heimat, will er alles geben. Auf die Frage, ob er Weltmeister werden will, antwortet er: "Natürlich, ja, ich werde es versuchen."
Für ihn liegt der Schlüssel weniger im reinen Flugkönnen als im Kopf: "Der schwierigste Teil dieses Sportes ist psychologisch. Es ist auch viel Technik, viel Wetter, aber der psychologische Teil ist für mich der schwierigste", erzählt der 24-Jährige. Das Schönste für ihn am Segelfliegen: Die Stille. "Weil wir keinen Motor haben, das ist super leise. Das ist für mich wunderschön, das Beste der Welt."
Zwischen technischen Checks, Briefings und Blicken in den Himmel bleibt ihm kaum Zeit, über die langen Wege nach Europa nachzudenken. Und über den Rückweg, der ihn mit Anhänger und Flugzeug bis in die Nähe von Madrid und schließlich über Amsterdam wieder zurück nach Buenos Aires führen wird. Doch noch bis Mitte August zählt für ihn nur die nächste Aufgabe, der nächste Flug, die nächste Chance auf Punkte.