Drei Reisebusse dürfen nicht weiterfahren, über 50 Passagiere sind gestrandet, gegen mehrere Fahrer wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet - Polizei und Hauptzollamt Ulm haben am Donnerstag bei einer Kontrolle an der A8 bei Ulm-Seligweiler insgesamt 31 Fernreisebusse kontrolliert. Jeder Zweite wies demnach Mängel auf.
Für einen Bus mit Ziel Paris endet die Reise am Autobahnrasthof Seligweiler. Die Windschutzscheibe hat einen riesigen Riss, fast über die gesamte Breite. Die Scheibe trägt aber wesentlich zur Stabilität des Busses bei, so die Auskunft der Polizei, daher endet diese Fahrt hier. Um die mehr als 50 gestrandeten Reisenden müssen sich die Betreiber ihrer Busse kümmern, sehen, wo sie übernachten oder wie sie an ihr Ziel kommen.
"Die heutige Kontrolle zeigt einfach die Notwendigkteit", sagt Thomas Hagel, Sprecher der Ulmer Polizei. "Wir haben in der Vergangenheit bei diesen Fernreisebussen schon etliche Verstöße festgestellt." Im Oktober vergangenen Jahres hatten Polizei und Zoll dort bei insgesamt 27 Bussen eine Vielzahl von Mängeln entdeckt, von defekten Bremsen bis losen Kabeln.
Die Polizei Ulm macht immer wieder Kontrollen, in unregelmäßigen Abständen. Sie dienen der Sicherheit der Fahrgäste, sagt Polizeisprecher Hagel. Bei der Kontrolle an diesem regnerischen Donnerstagvormittag sind 60 Kräfte verschiedener Dienststellen im Einsatz: Von Bundespolizei und fünf Polizeipräsidien, vom Hauptzollamt Ulm und von der Ausländerbehörde des Landratsamts Alb-Donau-Kreis.
Auf einer Fläche des Rasthofs parken Einsatzfahrzeuge neben- und hintereinander. Mehrere Zelte sind aufgebaut, teils für die Verpflegung der Beamtinnen und Beamten, eines mit heruntergezogenem Reißverschluss für die Untersuchung von Fahrgästen auf Drogen.
Gründliche Kontrolle der Reisebusse
Acht Busse werden gerade kontrolliert oder warten darauf. Immer wieder biegt ein Streifenwagen mit Blaulicht von der A8 auf den Platz ab, gefolgt von einem weiteren Reisebus. Die meisten haben Nummernschilder aus Osteuropa: Polen, Tschechien, Kroatien. Die Kontrollen haben ihren vorgeschriebenen Rhythmus: Die Beamten stellen sich dem Fahrer vor, teils auf deutsch, teils auf englisch. Dann informieren sie die Fahrgäste über Sinn und Zweck der Aktion.
Auch Fahrgäste werden bei Reisebus-Kontrolle überprüft
Reisepässe werden eingesammelt und in einer durchsichtigen Tüte zur Überprüfung in einen Polizeibus oder ein Zelt mit Mitarbeitern der Ausländerbehörde gebracht. Alle Fahrgäste müssen aus dem Fernreisebus aussteigen. Ihre Pässe werden mit einem Lesegerät überprüft, so wie bei der Zollkontrolle am Flughafen. Ebenso wie am Flughafen wird auch ihr Gepäck durchleuchtet, mit einem mobilen Röntgengerät in einem grauen Transporter.
Ergebnis der Kontrollen: Drei Busreisende halten sich illegal in Deutschland auf. Sie werden bis auf weiteres festgesetzt, teilt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm dem SWR mit.
Während die Passagiere und ihr Gepäck überprüft werden, schnüffelt sich ein Spürhund durch den Bus. Oben durch den Fahrgastbereich, wie auch unten im Laderaum. Etwa 30 bis 45 Minuten dauert die Kontrolle - wenn nichts zu beanstanden ist.
Über 18.000 Euro an Sicherheitsleistung
Schon vor dem Ende der Kontrolle stellt Polizeisprecher Thomas Hagel fest: "Die Kontrolle zeigt heute wieder einmal, dass diese einfach erforderlich sind. Wir haben einige Verstöße auch in der Sicherheitsausstattung von den Reisebussen festgestellt." Es fehlen Nothammer oder Feuerlöscher, und die dienten schließlich der Sicherheit der Fahrgäste.
Während der fünfstündigen Kontrolle kommt einiges an Verstößen zusammen: Technische und Sicherheitsmängel sind zwar der größte Teil, aber eben nur ein Teil. Einige Busfahrer haben zu lange am Steuer gesessen. Andere haben Zigaretten und Alkohol geschmuggelt - einer sogar sechs Kanister mit jeweils 25 Litern Diesel.
Insegesamt müssen die zum Großteil aus dem Ausland stammenden Fahrer über 18.000 Euro an Sicherheitsleistung hinterlegen. Deutlich mehr als bei der Kontrolle im vergangenen Jahr: Da waren es gerade mal rund 4.000 Euro.