Ostalb-Landwirte auf den Geschmack bringen

Die Platterbse schmeckt Veganern und trotzt dem Klimawandel

Die Platterbse ist eine wahre Eiweißbombe. Dass sie dazu noch Hitze und Trockenheit gut verträgt, macht sie mit Blick auf den Klimawandel zum Superfood. Noch ist sie ein Geheimtipp.

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Von Autor/in Frank Polifke

Könnte sie eine Geheimwaffe gegen den aufkommenden Klimawandel sein? Die richtigen Zutaten bringt die Platterbse schon mal mit: Zum Platzen voll mit Eiweiß, und Ballaststoffe enthält sie auch haufenweise. Dazu kommt eine Eigenschaft, die künftig so gefragt sein dürfte wie kaum eine andere Eigenschaft: Die Platterbse hält Hitze und Trockenheit gut aus. Das adelt die unscheinbare Hülsenfrucht geradezu zum Superfood.

Optisch ist die Platterbse kein Highlight

Ein wenig seltsam sehen die Platterbsen schon aus, wie sie da auf einem Verkostungstisch am Feldrand liegen: Assoziationen zu menschlichen Schneidezähnen kommen auf. Wahlweise auch wie kleine Kieselsteine. Weißlich-gelbgrün, kantige Form - und tatsächlich platt.

Eine Hand hält eine einzelne Platterbse, man erkennt ihre flache, kantige Form.
Die Samen der Platterbse sind, im Gegensatz zur "normalen" Erbse kantig - und tatsächlich flach.

Angebaut wird die Platterbse in Europa vor allem in Italien und Spanien. Aber auch in Österreich ist sie bekannter als in Deutschland. Dabei war sie vor mehreren hundert Jahren hierzulande heimisch. Jetzt könnte sie ein Comeback erleben.

Platterbse Geheimwaffe gegen Klimawandel?

Samuel Straub leistet dafür Pionierarbeit. Er baut die Platterbse auf einem Versuchsfeld oberhalb von Steinheim am Albuch im Kreis Heidenheim an. Der 22-jährige Bio-Landwirt deutet auf die Fläche. Das satte Grün der Erbsen zeigt so gut wie keine Spuren der Hitzeperiode, der die Pflanzen kürzlich auch auf der Ostalb ausgesetzt waren. "Der Bestand ist nicht gelb oder vertrocknet wie andere Pflanzen an vergleichbaren Standorten, sondern sieht satt-grün und sehr gesund aus", so sein Befund. In drei, vier Wochen wird Straub zum ersten Mal Platterbsen ernten.

Der Bestand ist nicht gelb oder vertrocknet wie andere Pflanzen an vergleichbaren Standorten, sondern sieht satt-grün und sehr gesund aus.

Der Bio-Landwirt bückt sich, gräbt eine Pflanze aus und zeigt auf die Wurzel. Sie steckt tief im Boden, erklärt er. Dadurch holt sich die Pflanze ihr Wasser tiefer aus der Erde und ist nicht auf Oberflächenwasser angewiesen. Deshalb kann die Platterbse Hitzeperioden besser überstehen.

Die Wurzel enthält aber noch ein zweites Geheimnis des Erfolgs der Überlebenskünstlerin Platterbse: Winzige Knöllchen binden Stickstoff aus der Luft. Den braucht die Erbse einerseits für die Bildung der Körner, gibt ihn aber auch an den Boden ab: als Stickstoffdünger.

Zum Wachsen ist die Platterbse allerdings auf Hilfe angewiesen. Sie muss sich an anderen Pflanzen emporranken. Agrarwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nennen diese "Stützpflanzen". Deshalb steht auf Samuel Straubs Versuchsfeld viel Hafer. Er überragt die Platterbsen, die man erst bei genauem Hinsehen entdeckt.

Wie schmeckt die Platterbse? Wie man sie würzt

Bei einer Info-Veranstaltung, die die Bio-Musterregion Heidenheim plus zusammen mit dem deutschlandweiten Leguminosen-Netzwerk LeguNet organisiert hatte, haben Landwirte und interessierte Bürgerinnen und Bürger die Platterbsen nicht nur besichtigt, sondern auch probiert. In Form von Falafel-Bällchen auf dem bereits erwähnten Verkostungstisch.

Falafel aus Platterbsen bei einer Info-Veranstaltung. Falafel-Bällchen sind eines der Standardrezepte mit dem neuen Superfood Platterbsen.
Falafel-Bällchen sind eines der Standardrezepte mit dem neuen Superfood Platterbsen.

Die Resonanz war im großen und ganzen positiv, wenn auch etwas verhalten. "Mal was anderes", war zu hören, oder "ganz o.k." "Geschmackvoll", urteilte eine Besucherin. Fügte aber hinzu, das liege wohl an der Würze. Tatsächlich schmeckten die Platterbsen-Falafel mal nach Pizza, mal nach Curry. Beim Eigengeschmack muss die Platterbse weitgehend passen. Was sie andererseits wandlungsfähig und vielseitig verwendbar macht: Deftige Suppen und Eintöpfe finden sich in Rezeptvorschägen ebenso wie Hummus und Salate oder, mit Reis gemischt, als Curry-Gericht.

Eines ist dabei wichtig: Platterbsen müssen vor dem Zubereiten über Nacht eingeweicht und anschließend mindestens eine Dreiviertelstunde lang weich gekocht werden.

Vorsicht: Platterbsen sind roh schwach giftig

Der Grund: Die Samen der Platterbsen enthalten die giftige Aminosäure ODAP. Sie kann zu Nervenschäden führen und sogar spastische Lähmungen auslösen. Also Vorsicht: Platterbsen darf man deshalb nicht roh essen!

Wobei Gundula Jahn vom Leguminosen Netzwerk LeguNet Entwarnung gibt: In dem Maß, in dem wir heutzutage Hülsenfrüchte essen, seien sie unbedenklich, sagte sie im Rahmen der Informationsveranstaltung in Steinheim. Dazu kommt: "Kochen reduziert den ODAP-Gehalt und die Kombination mit Getreide verhindert die Wirkung des Gilfts im Körper." Wer sicher gehen will, sollte die Platterbsen also zusammen mit Getreide essen.

Kochen reduziert den ODAP-Gehalt und die Kombination mit Getreide verhindert die Wirkung des Gifts im Körper.

Superfood anbauen? Landwirte zurückhaltend

Bei der Informationsveranstaltung in Steinheim im Kreis Heidenheim war der Zuspruch groß: Mehr als 30 Besucherinnen und Besucher, meist aus der Landwirtschaft, interessierten sich für die Platterbse. Bei der Frage anbauen oder nicht war auf der Ostalb dagegen noch Zurückhaltung spürbar. Ein Landwirt kann sich vorstellen, es einmal auf einer kleinen Fläche zu versuchen. Zumal die Platterbse im Rahmen des ökologischen Landbaus gefördert werde.

Ein Berufskollege will es auch versuchen, "einfach um mehr Vielfalt auf Acker und Teller zu bringen". Zumal die Zielgruppe der Vegetarier und Veganer wachse. Andere Besucher waren eher skeptisch. Grund: Die aus ihrer Sicht zweifelhaften Absatzchancen. "Wenn die Vermarktung nicht gesichert ist, macht der Anbau wenig Sinn", meinte einer. Sein Tischnachbar äußerte sich ähnlich zurückhaltend. "Ich hab mir das jetzt mal angeguckt. Mal abwarten."

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Doc Fischer SWR