"Gastfreundschaft beginnt, wo Hass und Hetze enden" - so steht es auf einen leuchtend roten Plakat, das an der Tür der Gaststätte "Schwanen" in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) hängt. Wirtin Cornelia Schneider will damit ein Zeichen gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit setzen. Die Reaktionen in der Stadt sind teilweise verhalten.
Es geht mir nicht um rechte oder linke Politik, es geht mir um menschliche Einstellung.
Seit Jahren beobachtet Cornelia Schneider so etwas wie Alltagsrassismus und Ausländerfeindlichkeit, sagt sie. Zum Schluss waren es zwei Ereignisse, die sie zu der Plakataktion veranlasst haben:
Fall 1: Eine ältere Migrantin, die seit Jahrzehnten in Blaubeuren lebt, saß auf dem Balkon, als ein Mann vorbeiging und die Hand zum sogenannten Hitlergruß gehoben haben soll. Anschließend, so erzählt Schneider, soll der Mann gegen das Auto der Familie gepinkelt haben.
Fall 2: Ein Ehepaar saß in einem Blaubeurer Restaurant, die Frau ist Asiatin. Vom Nebentisch hört das Paar ausländerfeindliche Sprüche "und niemand ist eingeschritten", so Schneider - weder der Wirt, noch die anderen Gäste. Das Paar habe daraufhin das Restaurant verlassen.
Betroffene in Blaubeuren berichten Wirtin von Vorfällen
Die Betroffenen haben von ihren Erlebnissen erzählt, sagt Cornelia Schneider, wollen aber nicht selbst an die Öffentlichkeit. Dieser Umstand war es, der Schneider dazu brachte, selbst eine Öffentlichkeit herzustellen.
Sie lässt hunderte Aufkleber und 60 Plakate drucken, die sie seit ein paar Tagen in Blaubeuren unter die Menschen bringen will. Doch die Resonanz bei den anderen Gastronomen und Geschäftsleuten ist teilweise verhalten. Beim Gang durch den historischen Stadtkern von Blaubeuren begegnet man nur wenigen Plakaten.
Auch der Gewerbeverein "WIR-Blaubeuren" übt sich in Zurückhaltung: Man wolle weder zitiert, noch namentlich genannt werden. Einzige Aussage: Man könne als Vorstand nicht die verschiedenen Meinungen der Mitglieder vorwegnehmen.
Offene Ablehnung der Plakataktion habe sie bislang nicht erlebt, meint Schneider. Und die Zurückhaltung bei Geschäftsleuten erklärt sie so: "Viele machen nicht mit, weil sie Angst haben, dass es dem Geschäft schaden könnte."
Unterstützung für Plakataktion gegen Hass und Hetze
Es gibt aber auch Unterstützung: Der benachtbarte Friseur Manuel Jahn war sofort dabei. Auch er hat ausländerfeindliche Äußerungen in seinem Laden gehört und meint, es sei "Zeit, dass wir auch im Kleinen was tun". Ein Plakat ist auch in Badhaus-Café zu sehen, aufgehängt vom Betreiber Michael Hauser.
Cornelia Schneider betont, "es geht mir nicht um rechte oder linke Politik, es geht mir um menschliche Einstellung". Und sie hofft auf weitere Resonanz. Für die Zukunft denkt sie darüber nach, ihr Restaurant für Diskussionsabende zu öffnen: "Einmal im Monat ein Gespräch über Demokratie", das Klavier stehe schon bereit.