Ein 44-jähriger Mann aus Karlsruhe ist im Netz offenbar über Jahre systematisch attackiert worden - laut Polizei mit beleidigenden Posts und Drohnachrichten. So gab es auch Aktionen, die bis in sein privates, reales Umfeld reichten. Jetzt ist die "Hater-Community" selbst ins Visier der Ermittler geraten: Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Karlsruhe ließen bundesweit Wohnungen durchsuchen.
War es koordinierte Hetze im Netz?
Der 44-Jährige tritt laut Staatsanwaltschaft Karlsruhe selbst mit polarisierenden Inhalten in sozialen Medien auf, unter anderem mit Live-Streams auf Youtube. Dabei soll er sich auch in Bezug auf politische und gesellschaftliche Themen in satirischer Form geäußert haben.
Dieses Auftreten soll ihn zur Zielscheibe einer im Netz organisierten Hater-Gruppe gemacht haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Polizeipräsidiums Karlsruhe bezeichnen sich die Mitglieder dieser Szene als "Freikreuzzug" und nutzen dafür die Abkürzung "FKZ".
Innerhalb dieser Community wurden laut den Ermittlern viele Informationen über den Mann und sein Umfeld gesammelt und über verschiedene Kommunikations- und Social-Media-Plattformen geteilt. Dort sollen dann Aktionen geplant, abgestimmt und anschließend umgesetzt worden sein.
Angriffe auf Mann aus Karlsruhe: Wenn aus Online-Hass Straftaten werden
So sollen die Beschuldigten im Namen des vermeintlichen Opfers E-Mails mit beleidigenden oder bedrohenden Inhalten unter anderem an Politiker und Gedenkstätten verschickt haben. Außerdem kam es laut der Ermittler zu Sachbeschädigungen rund um die Wohnung des Mannes und an Gräbern seiner Angehörigen. Innerhalb der Gruppierung sollen derartige Aktionen teilweise als sogenannte "Maskengames" bezeichnet worden sein.
Die insgesamt 15 Beschuldigten im Alter zwischen 22 Jahren und 49 Jahren sollen im Laufe von drei Jahren zahlreiche Straftaten begangen und diese dem Mann aus Karlsruhe angelastet haben.
Razzia der Polizei gegen "Hater-Community" in sieben Bundesländern
Bei den Durchsuchungen in sieben Bundesländern stellte die Polizei am Mittwoch umfangreiche Datenträger als Beweismittel sicher. Zudem wurde in mindestens einem Fall eine größere Indoor-Plantage mit rund 40 Cannabispflanzen entdeckt und sichergestellt. Auch das kann laut Staatsanwaltschaft weitere strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen – unabhängig von den Vorwürfen im Zusammenhang mit der Hater-Gruppe.