Es ist eine echte Herausforderung, die nur gemeinsam zu schaffen ist, da sind sich Jäger und Naturschützer einig: Wie Jäger zusammen mit Förstern den Wald klimaresistenter machen wollen, ist Thema beim Landesjägertag am Samstag in Schwäbisch Gmünd.
Auf die Ostalb fährt auch der junge Jäger Alexander Lehmann aus Freiburg, zugleich Student der Forstwissenschaften: "Der Wald der Zukunft ist ein gesunder Mischwald mit verschiedenen Baumarten und Höhenstufen, so dass wir eine gute CO2- und Wasserbindung haben. Klimaeinflüsse wirken sich dann nicht mehr ganz so stark aus wie bisher", sagt er.
Rehe sind auch nur Menschen: Auch sie leiden unter Hitzestress.
Gedanken um den "Zukunftswald" beim Landesjägertag
"Rehe sind auch nur Menschen", zitiert René Greiner vom Landesjagdverband einen Jägerkollegen. Soll heißen, gerade auch Wildtiere leiden unter Extremtemperaturen und langen Trockenphasen. Irgendwann gehen auch die Anpassungssysteme von Pflanzen und Tieren in die Knie, sagt Greiner. Um ihnen das Waldleben auch künftig zu ermöglichen, wolle die Jägerschaft einen "Zukunftswald" schaffen. Eine Gemeinschaftsaufgabe. Wie die funktionieren könnte, ist Kernthema beim Landesjägertag in Schwäbisch Gmünd.
Wenn aus Jägern Lotsen werden: Waldumbau mit Lenkung
"Mit Jagd können wir auch Wildtiere lenken", sagt Greiner. "Dort, wo der Förster junge Bäume nach oben bringen muss, damit wir einen Zukunftswald haben, müssen wir schauen, dass wir die Wildtiere weglenken; also sie steuern durch Jagd und auch den Bestand regulieren", fügt er hinzu. Aber gleichzeitig wollten Jäger auch Räume schaffen, wo die Wildtiere Ruhe und Nahrung finden.
Der Jäger und Student der Forstwissenschaften Alexander Lehmann schützt dagegen etwa junge Ahorn- und Eichentriebe mit Kunststoffummantelungen vor Verbiss. Lehmann zeigt von einem Rehbock abgebissene Triebe, aus denen schon mal kein "Zukunftsbaum" mehr werden könne.
Dass wir den Wald umbauen müssen, da sind sich alle einig.
Jäger und Naturschützer: Hand in Hand für den Klimawandel
Naturschützer, Förster und eben auch gerade die Jäger seien sich einig: Sie sind es, die den Wald umbauen und klimaresistent machen müssen, sagt Karl-Heinz Rieger vom BUND-Ortsverband Aalen. "Wenn jeder Verständnis füreinander hat und aufeinander zugeht, gibt es heutzutage keine großen Differenzen mehr", sagt das Mitglied der Landes-AG Wald dem SWR.
Zu den Waldumbau-Projekten gehören sogenannte "Wildkatzenwälder", erklärt der Mann vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Dabei werden nicht-klimaresistente Fichten an Waldrändern durch heimische Sträucher ersetzt. Fichten seien hierzulande das Auslaufmodell. Wildtiere und Vögel profitierten von dem veränderten Gesicht des Waldes - etwa, weil sie die Beeren der Sträucher fressen können.
Dass es längst später als fünf vor zwölf ist und es buchstäblich brennt in den Wäldern des Landes, zeigt den Jägern die bittere Erfahrung der jüngsten Hitzewelle im Südwesten: So gebe es immer wieder desorientierte Tiere, vor allem Rehkitze, die hitzegeschwächt getötet werden müssten. "Da werden wir hier und da auch mal zum Erlösen gerufen", sagt René Greiner.