Zum vierten Mal innerhalb von zwei Monaten rückte das Sprengkommando an: Experten haben am Donnerstagabend in Neu-Ulm drei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Die Bomben im Pfuhler Ried befanden sich teilweise im Grundwasser. Das erschwerte die Arbeiten für das Team um Sprengmeister Daniel Raabe erheblich. Ein großer Sicherheitsradius von 1.000 Metern war für die Entschärfung notwendig. Die gesamte Aktion erforderte einen hohen personellen und logistischen Aufwand. Die drei Bomben lagen dabei näher an einem Gewerbegebiet als die früheren drei Funde.
Etwa 40 Unternehmen waren betroffen, darunter das Gelände von Daimler Buses. Außerdem mussten 20 Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser verlassen, so eine Sprecherin der Stadt Neu-Ulm im Vorfeld. Die vierspurige B10 wurde gesperrt.
Innenstadt von Neu-Ulm war gefährdet
Die Bomben im Grundwasser stellten eine besondere Bedrohung dar. Ordnungsamtsleiter Thomas Nägele erklärte die ernste Situation. Bei einer unkontrollierten Detonation hätte sich die Druckwelle unterirdisch ausgebreitet. Sie hätte eine enorme Reichweite von bis zu drei Kilometern gehabt. Damit wäre auch die Neu-Ulmer Innenstadt direkt gefährdet gewesen. Wichtige Wasser- und Abwasserleitungen hätten schwer beschädigt werden können. Aus diesem Grund war bei diesem Einsatz größte Vorsicht geboten. Auch wurde der übliche Evakuierungsradius verdoppelt.
Zwei Blindgänger waren schwere Sprengbomben
Zwei der drei Blindgänger waren schwere Sprengbomben mit je 225 Kilogramm Gewicht. Sie hatten eine deutlich größere Sprengkraft als die letzten Funde. "Wir mussten die ein Stück hochnehmen, damit man dran arbeiten kann", so Raabe. Eine kontrollierte Sprengung vor Ort konnte nicht ausgeschlossen werden. Dies war ein weiterer Grund für den großen Sicherheitsabstand. "Wenn man sprengen muss, dann brauchst du halt die 1.000 Meter", bestätigte der Experte.
Die Evakuierung des Gebiets verlief planmäßig. Firmen mussten ihre Gebäude räumen. Auch die Werkfeuerwehr von Evobus war betroffen. Die Feuerwehrleute standen mit ihren Fahrzeugen in der Leibnizstraße bereit. Sie sicherten eine Straßensperrung ab. Weitere Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Friedhof Kapellenberg in Bereitschaft. Die Polizei sperrte die vierspurige Bundesstraße B10 gemeinsam mit der Straßenmeisterei vollständig ab.
Manche Autofahrer ignorierten Umleitung
Der späte Zeitpunkt der Entschärfung wurde von Thomas Nägele bewusst gewählt. Nach den Schulferien herrscht wieder deutlich mehr Berufsverkehr. Mit einer abendlichen Sperrung wollte man große Staus vermeiden. Dennoch fanden sich nicht alle Autofahrer sofort zurecht. Einige ignorierten die Umleitung über die Max-Eyth-Straße. Sie fuhren sich im Bereich der Leibnizstraße und Otto-Hahn-Straße in Sackgassen fest.
Die Entschärfung selbst verlief dann schneller als erwartet. Um 21 Uhr wurde pünktlich begonnen. Bereits um 22:30 Uhr waren alle Sperrungen wieder aufgehoben. Die gute Vorarbeit hatte sich offensichtlich ausgezahlt.
Pfuhler Ried war früher offenbar Flugplatz
Den Hintergrund der Sondierungsarbeiten hatte ein Sprecher der Stadt Neu-Ulm bei einer früheren Entschärfung erläutert: Beim Bau der B10 seien zwölf Blindgänger gefunden worden. Im vergangenen Dezember habe die Stadt neues Material bekommen. Daher habe man beschlossen, erneut zu suchen.
Mit Erfolg: Bei den drei vergangenen Einsätzen konnten elf Blindgänger entschärft oder kontrolliert gesprengt werden. Die Sprecherin der Stadt vermutet, dass die Fläche des heutigen Pfuhler Rieds im Zweiten Weltkrieg betoniert war und dort Flugzeuge standen. Eine solche Häufung von Blindgängern sei dennoch ungewöhnlich.
Die Stadt geht aber davon aus, dass im Pfuhler Ried keine weiteren Blindgänger mehr liegen. Im benachbarten Baugebiet Schwaighofen Süd dagegen kann sie das nicht ausschließen.