Ein Gastwirt in Tübingen hat keine Genehmigung bekommen, um gemeinsam mit seinen Gästen die Spiele der Frauen-Fußball-EM im Außenbereich seines Lokals anzuschauen.
Bei der EM der Männer gab es Sonderregelungen
Letztes Jahr bei der EM der Männer durften mehrere Kneipen in Tübingen Fernseher und Leinwände draußen im Freien aufstellen. Als Begründung für diese Entscheidung verweist die Pressesprecherin der Stadt auf eine gesetzliche Regelung des Bundes: Für die Dauer der EM wurden die Lärmschutzrichtlinien auf Außengastronomieflächen geändert. Diese Regelung konnte man somit auch in Tübingen anwenden und die quasi öffentlichen Übertragungen erlauben. Das öffentliche Interesse in den letzten Runden der Europameisterschaft sei groß gewesen.
Anwohner vor Lärm schützen
Im Fall der Frauen-EM sei die Gesamtsituation hingegen eine andere, betont die Stadtverwaltung. Die generelle Ausnahmegenehmigung gebe es nicht, und bisher habe nur ein einziger Gastronom den Wunsch geäußert, eine Leinwand aufstellen zu dürfen. Außerdem finde das Turnier nicht in Deutschland statt und sei daher in der Öffentlichkeit generell weniger sicht- und hörbar. Das Ordnungsamt habe deshalb entschieden, die Anwohner vor Lärm zu schützen. Das anstehende Spiel beginne erst gegen 21:00 Uhr, was Lärm bis nach Mitternacht bedeuten würde.
Unmut bei Gaststättenverband
Das Verbot stößt beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga auf Kritik. Der Kreisvorsitzende Herbert Rösch nennt das Verbot eine Unverschämtheit. Er betonte, dass ein großes öffentliches Interesse bestehe - das zeigten auch die Zahlen. Zehn Millionen Menschen hätten am Samstag das Viertelfinalspiel der Frauen gegen Frankreich im Fernsehen verfolgt. Das sei ein klarer Beweis dafür, wie viele mitfieberten.
Bei der Männer-Fußball-EM 2024 hätten die Gastwirte ohne Probleme Public Viewing anmelden können, erinnert sich Rösch. Dazu heißt es von Seiten der Stadt, Public Viewing sei rechtlich eine andere Art von Veranstaltung. Diese könne man beantragen, und werde - wenn die entsprechenden Voraussetzungen dafür vorliegen - genehmigt. Mit der Nutzung gastronomischer Außenflächen habe das nichts zu tun.
Public Viewing der Frauen-EM im Kino
Ganz leer gehen die Fans aber nicht aus: Im Innenbereich sind derzeit Public Viewing-Angebote erlaubt. So bietet etwa das Tübinger Kino Blaue Brücke Übertragungen an. Angesichts des großen Andrangs hat das Kino sogar den größten Saal des Kinos ausgesucht. Darin haben 300 Fußballfans Platz.
Und OB Boris Palmer hat bereits in Aussicht gestellt: Sollte die deutsche Nationalmannschaft das Finale am Sonntag erreichen, dann werde die Stadtverwaltung eine Übertragung möglich machen, wenn die Gastronomen sich melden.