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200 Jahre Märchensee bei Wendelsheim: Wie das Naturwunder entstanden ist

Der Märchensee bei Wendelsheim ist 1826 durch einen Wassereinbruch in einen Steinbruch entstanden. Bis heute fasziniert er die Besucher mit seiner Entstehung und Erscheinung.

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Von Autor/in Necla Süre

Das 200-jährige Jubiläum wird heute rund um den Märchensee und den steinalten Steinbruch gefeiert. Doch seine Entstehung war für die Wendelsheimer damals alles andere als feierlich.

Über Nacht ist der Märchensee entstanden

Rund sechs Kilometer nordöstlich von Rottenburg liegt der Märchensee auf dem Pfaffenberg mitten im Wald. Auf 475 Meter Höhe. Genau dort, wo einmal ein Steinbruch war. In alten Aufzeichnungen wird dieser auf die Zeit vor 1700 datiert.

Doch ein Naturereignis im Jahr 1826 änderte alles: Nach tagelangem Starkregen drang Grundwasser in den ehemaligen Steinbruch ein. Die tiefste Stelle stand plötzlich unter Wasser. Quasi über Nacht entstand so der Märchensee auf dem Pfaffenberg,

Der Märchensee bei Wendelsheim - eine Schicht aus grünen Wasserlinsen bedeckt die Wasseroberfläche. Um den ehemaligen Stienbruch herum leuchten die Bäume grün.
Der Märchensee bei Wendelsheim ist über Nacht quasi entstanden. Nach Starkregen brach Wasser in den Steinbruch ein. Konrad Amann

Der Abbau im Steinbruch am Märchensee wird verlegt

Für die Gemeinde Wendelsheim war der neue Weiher zunächst alles andere als ein Glücksfall. Nur wenige Monate vorher hatte sie den Steinbruch dem König von Württemberg für 500 Gulden abgekauft. Nun stand dort Wasser, wo eigentlich gearbeitet werden sollte. Bis dahin wurde dort feinkörniger Schilfsandstein abgebaut. Das Gestein wurde unter anderem für Mühlsteine, Viehtröge und Kirchhofmauern verwendet. Der neue Weiher war ein Hindernis.

Die Gemeinde Wendelsheim wollte den See trocken legen. Doch alle Versuche scheiterten. Zehn Jahre später, 1836, hatte der Wasserspiegel sogar eine Höhe von etwa drei Metern erreicht.

Für die Gemeinde war der Steinbruch wichtig. Größere Baumaßnahmen und Bauten an standen und man das Gestein brauchte, zum Beispiel für die Erweiterung der Wendelsheimer Kirche.

Schließlich entdeckte man um die Jahrhundertwende auf dem Pfaffenberg einen neuen Steinbruch. Hinter dem Märchensee. Dort wurde der Abbau des Schilfsandsteins fortgesetzt . Noch bis 1964 wurde dort Gestein gewonnen. Unter anderem für den Bau des Rathauses von Wendelsheim.

Steinbruch bei Wendelsheim im Winter verschneit. In unmittelbarer Nähe des Märchensees.
Im ehemaligen Steinbruch am Pfaffenberg bei Wendelsheim wurde einst feinkörniger Schilfsandstein gewonnen. Konrad Amann

Aus dem Weiher wird ein Märchensee

Den alten Steinbruch überließen die Wendelsheimer der Natur. So entstand um den See herum ein kleiner Wald. Bäume und Sträucher wachsen an den Felsenwänden. Eine grüne Decke aus Wasserlinsen liegt auf der Wasseroberfläche. Ein schmaler Weg verläuft um den See. Das alles lässt den Märchensee verwunschen märchenhaft aussehen. Den Namen verdankt der See einer Gruppe von Professoren aus Tübingen.

Da kamen immer wieder Professoren mit ihren Studenten aus Tübingen zu Exkursionen. Sie konnten sehen wie sich die Natur ihren Bereich zurückgeholt hat. Und sie haben letztlich gesagt: Dieser See ist märchenhaft.

Ein Ort voller Geschichte, Märchen und Sagen

Der Märchensee streht inzwischen unter Naturschutz. Informationstafeln erzählen seine Geschichte. Von einer Aussichtsplattform bietet sich ein weiter Blick über Wendelsheim. Von dort aus ist auch die Heuberger Warte zwischen Rottenburg und Seebronn zu sehen. Wegen ihres Aussehens wird sie im Volksmund auch "Rapunzelturm" genannt und passt damit perfekt in die Kulisse des Märchensees.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Necla Süre
Necla Süre vom SWR Studio Tübingen. Sie arbeitet als multimediale Reporterin.

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