Mehr als 75 Jahre ist es her, als das erste Micky Maus Magazin in Deutschland über den Verkaufstresen ging. Ernst Heimes aus Rottenburg (Kreis Tübingen) war damals erst sechs Jahre alt. Trotzdem packte den heute 81-jährigen die Sammelleidenschaft.
Die ersten 150 Monatshefte hat Heimes in seiner Kindheit gesammelt - heutzutage eine echte Rarität. Zum Jubiläum hat der Rottenburger seine Micky-Maus-Magazine wieder aus dem Schrank geholt und entstaubt, wie zuerst das Schwäbische Tagblatt berichtete.
Micky Maus: Damals kosteten die Comics noch 75 Pfennig
Wenn Ernst Heimes über die Figuren und Geschichten aus Entenhausen erzählt, glänzen seine Augen. Das erste Heft hat seine Mutter 1951 für ihn gekauft. 75 Pfennig hat so ein Comic gekostet - ein stolzer Preis in diesen Tagen. Man hätte für das gleiche Geld zwölf Wecken bekommen, entsinnt sich Heimes.
Mit den amerikanischen Figuren konnte man im Nachkriegs-Deutschland in eine völlig andere Welt eintauchen. In Entenhausen lebten archetypische Figuren wie der steinreiche Dagobert Duck, die schlaue Micky Maus, und die pfiffigen Entchen Tick, Trick und Track.
Eine Figur hat es dem ehemaligen Pädagogen aber besonders angetan: die dusselige Ente Donald Duck. Duck spricht Heimes dabei aus wie das deutsche Wort, anstatt dem englischen Begriff für Ente. Denn Englisch konnte er damals nicht.
Meine Lieblingsfigur war sicher der Donald. Er war so ein Loser - ein angenehmer Loser.
"Peng", "Seufz": Comics galten damals als Schund
Die ersten Ausgaben der Micky Maus waren in der Nachkriegszeit noch sehr kontrovers. Die bunten Comics galten als Schundliteratur, die die Jugend verblödet. Gerade die lautmalerischen Begriffe wie "Peng," "Jaul" oder "Seufz" gerieten in Verruf.
Trotzdem unterstützten Ernst Heimes' Eltern seine Leidenschaft für Comics. An Weihnachten hatte er immer nur einen Wunsch: "Ich wollte die Micky Maus Hefte weiter bekommen", erinnert sich Heimes. So sammelte er innerhalb weniger Jahre die ersten 150 Ausgaben. Mit seinem besten Schulfreund hat er die Geschichten dann immer laut mit verteilten Rollen gelesen - inklusive "Peng-Wörtern".
Nichts Neues in Entenhausen?
Rückblickend kritisiert Heimes aber auch Dinge an den Comics, die ihm in seiner Jugend nicht aufgefallen sind. Vor allem die Darstellung anderer Kulturen und ethnischer Gruppen.
In einem Heft aus dem Jahr 1953 zum Beispiel, in dem Micky Maus einen schwarzen Gast aus Afrika empfängt. Der als "Wilder" dargestellte Gast will Mickys Hund Pluto verspeisen. Über diesen "blanken Rassismus" kann Heimes heutzutage nur noch den Kopf schütteln.
Kleine Ausstellung zum 75-jährigen Jubiläum
Trotzdem ist Ernst Heimes froh über seine Sammlung. Die hat immerhin mehrere Umzüge und über sieben Dekaden überlebt. Zur Feier des 75-jährigen Jubiläums hat Heimes seine Kollektion jetzt im Schaufenster der Rottenburger "Vitrine" ausgestellt. Allerdings nur als Fotokopien - die Original-Hefte sind zu wertvoll, als das man sie einfach herumliegen lassen könnte.
Viele Passanten und Bekannte haben Ernst Heimes bereits darauf angesprochen. Denn die Zeitschriften hätten früher fast alle gelesen - und alle hätten dazu eine Geschichte, freut sich der Sammler.