Der Reutlinger Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) hatte die rund 116.000 Einwohnerinnen und Einwohner zu einer Bürgerversammlung in die Stadthalle eingeladen. Gekommen sind am Mittwochabend rund 170 Bürgerinnen und Bürger. Dass die Stadthalle so leer war, hat den OB und seinen Kollegen Robert Hahn (CDU), den Ersten Bürgermeister von Reutlingen, wenig überrascht. Haushalt sei ein schwieriges Thema, das die Menschen erst dann wirklich interessiere, wenn die jeweiligen Entscheidungen spürbar sind, erklärten die beiden im Gespräch mit dem SWR.
Viele Fragen und Kritik aus dem Publikum
Diejenigen, die da waren, nutzten die Chance und stellten den Spitzen der Stadtverwaltung rund 50 Fragen. Sie werden in den nächsten Tagen auf der Webseite der Stadt inklusive der Antworten veröffentlicht. Darunter waren auch kritische Anmerkungen wie beispielsweise, warum die angedachten Verteuerungen womöglich insbesondere Familien mit Kindern treffen sollen, warum vielleicht die Nachtbusse gestrichen werden und inwiefern Kulturvereine künftig weniger Geld bekommen - vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt den Vorschlägen für den Doppelhaushalt 2026/2027 zu.
Ein genehmigungsfähiger Haushalt ist das Maß aller Dinge. Keinen zu haben, ist das Schlechteste, was man sich für eine Stadt vorstellen kann.
Kassensturz: 50-Millionen-Loch in Reutlingen
Das Haushaltsloch in Reutlingen, das in den kommenden Jahren gestopft werden muss, beträgt 50 Millionen Euro. Da muss an vielen Stellen gespart werden. Die Schließung einiger Zweigstellen der Stadtbibliothek steht zur Debatte, Eltern müssen mit einer Erhöhung der Kitagebühren von gut sieben Prozent rechnen und in allen städtischen Ämtern sollen die Personalkosten um zehn Prozent reduziert werden. Das entspricht einem Wegfall von rund 250 Stellen in der Stadtverwaltung und darüber hinaus. Da müssen sich jetzt insbesondere die Amts- und Hauptamtsleiter etwas einfallen lassen, so Hahn.
Die Gesellschaft wird sich an Standard- und Wohlstandsverluste gewöhnen müssen.
Trifft es Familien mit Kindern besonders hart?
Die Personallücken und anderen Einsparungen werden die Reutlingerinnen und Reutlinger in Zukunft spüren, so Oberbürgermeister Thomas Keck. Er sagte dem SWR, dass der städtische Service schlechter wird und dass sich die Gesellschaft an Standard- und Wohlstandsverluste gewöhnen werden müsse. Er und Kollege Hahn bedauern, dass es vermutlich Familien mit Kindern besonders hart treffen wird. Sie sind an vielen Orten beteiligt, die üblicherweise von der Stadt bezuschusst oder betrieben werden: Betreuungsangebote, Vereine und Veranstaltungen wie Schulabschlussfeiern.
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Die gut 170 Bürgerinnen und Bürger reagierten ruhig und besonnen auf die vielen Informationen und Aufzählungen an Kürzungen und Einsparungen. Hin und wieder ging ein leises Raunen durch den Saal. Verzicht tut weh. Das war schon jetzt bei der Bürgerversammlung zu spüren, auch wenn über das Spar-Paket erst am 26. März im Gemeinderat entschieden wird.