Die Kreiskliniken Reutlingen haben ein neues Angebot: ein Kreißsaal, der nur von Hebammen betreut wird. Gibt es bei einer Geburt aber Probleme, sind die Ärzte schnell zur Stelle. Am Wochenende haben die Reutlinger Hebammen werdenden Eltern das neue Konzept vorgestellt.
Möchte ich, dass die Geburt so sicher wie möglich ist oder möchte ich, dass es so natürlich wie möglich abläuft? Für mich ist der hebammengeleitete Kreißsaal ein guter Kompromiss aus beidem.
Kompromiss: Trotz natürlicher Geburt medizinische Sicherheit
Vor der Geburt machen sich werdende Eltern viele Gedanken: Will ich mein Kind in einer Klinik zur Welt bringen oder lieber Zuhause? Oder wie wäre es im Geburtshaus? Für viele ist es ein Abwägen zwischen medizinischer Sicherheit und Natürlichkeit. So auch für Nadine Reusch aus Reutlingen. Sie möchte, dass der natürliche Verlauf bei der Geburt so wenig wie möglich unterbrochen wird, denn "der Körper ist ja dafür gemacht", so Reusch.
Kreißsaal Reutlingen: Geburten auch ohne ärztliche Aufsicht möglich
Die Hebammen der Reutlinger Kreiskliniken wollen Eltern mit dem neuen hebammengeleiteten Kreißsaal eine Möglichkeit anbieten, bei der sie weder auf Sicherheit noch auf Natürlichkeit verzichten müssen. Hier haben die Hebammen das Sagen. Ziel ist es, die Geburt für Frau und Kind so angenehm, selbstbestimmt und natürlich wie möglich zu machen. Kein vorgeplanter Kaiserschnitt, keine künstlich eingeleiteten Wehen, keine PDA. Das Angebot richtet sich an Schwangere, bei denen keine Risiken während der Geburt zu erwarten sind. Während der Geburt wird die Mutter von zwei Hebammen begleitet, statt von einem Arzt und einer Hebamme. Sollte es bei einer Geburt dann aber doch Probleme geben, sind die Ärzte in unmittelbarer Nähe und können helfen.
Laut Hebamme Tabea Bischof bringt der hebammengeleitete Kreißsaal nur Vorteile. Und zwar für alle, also für die Schwangeren, die Hebammen und auch die Ärztinnen und Ärzte. "Wir Hebammen können eigenständig arbeiten, aber haben durch die Ärztinnen und Ärzte trotzdem die Sicherheit im Hintergrund", so Bischof.