"Das ist keine Umleitung, sondern eine Weltreise"

Geplante B27-Sperrung im Kreis Tübingen: Anwohner und Betriebe in Sorge

Politiker warnen: Es droht ein "ungemütlicher Stau-Sommer". Denn nicht nur Anwohner und Firmen, auch zigtausend Pendler kriegen Probleme - so wie die Wirtschaftsministerin.

Teilen

Stand

Von Autor/in Florian Dürr

Die Folgen der geplanten B27-Sanierung versetzen Anwohner und Betriebe in Sorge. Es ist von verschiedenen Bauphasen ab Ende Juli die Rede - zwischen Ofterdingen und Bodelshausen (beide Kreis Tübingen) sowie bei Balingen (Zollernalbkreis). Immerhin, von Balingen in Richtung Tübingen bleibt die B27 wohl über den gesamten Zeitraum befahrbar.

In Ofterdingen suchen Betroffene nach konkreten Informationen über die geplante Sperrung. SWR-Reporter Florian Dürr begegnet einer älteren Dame am Gartenzaun. Sie erzählt: "Beim Seniorenessen haben wir darüber gesprochen und keiner wusste so recht, wie's losgeht." Auch eine andere Frau beschwert sich: "Wir sind wenig informiert und haben unterschiedliche Aussagen zur Länge und Dauer der Sperrung - und das macht schon ein bisschen Unmut."

"Das ist keine Umleitung, sondern eine Weltreise"

Die Frau blickt vor allem besorgt auf ihren 84-jährigen Vater, der regelmäßig nach Hechingen zum Arzt muss. "Für den wird das natürlich schon eine große Umstellung", sagt sie. Denn während der Sommerferien müssen Autofahrer in Richtung Hechingen auf eine lange Umleitung über die Rottenburger Stadtteile Dettingen und Hemmendorf ausweichen. "Das ist keine Umleitung, sondern eine Weltreise", klagt die Ofterdingerin.

Anwohner über geplante B27-Sperrung zwischen Ofterdingen und Bodelshausen.
Der Ofterdinger Alex Theodosakis erwartet in den Sommerferien eine stressige Umleitungs-Phase für Autofahrer, die sonst die B27 Richtung Hechingen benutzen. Florian Dürr

Auch Ministerin muss Umwege nehmen

Außer den Anwohnern sind zigtausende Pendler betroffen. Dazu gehört auch Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. In einem Instagram-Video fordert die CDU-Politikerin das zuständige Regierungspräsidium Tübingen auf, "alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Bauzeit zu verkürzen". Das Video wird mehr als 160.000 Mal aufgerufen - deutlich öfter als andere Posts der Ministerin.

Unternehmen schlagen bei Wirtschaftsministerin Alarm

Die Belagsarbeiten auf dem 3,2 Kilometer langen Abschnitt starten am 27. Juli, so das Regierungspräsidium Tübingen. Bei guten Wetterverhältnissen dauerten sie voraussichtlich bis Mitte Oktober. Die Kosten für die Sanierung in Höhe von 2,4 Millionen Euro trägt der Bund, so das RP. "Eine mehrmonatige Einschränkung wird Betriebe, Beschäftigte und Anwohner stark belasten", erklärte Hoffmeister-Kraut dem SWR. Mehrere Unternehmen hätten sich direkt an die Ministerin gewandt. Sie machten sich Sorgen über deutlich mehr Fahrtzeit und zusätzliche Kosten für Mitarbeiter und den Betrieb, wenn die Beschäftigten bei den Kunden vor Ort seien.

Hoffmeister-Kraut hat dem Regierungspräsidium mehrere Vorschläge gemacht, um die Bauarbeiten zu beschleunigen: "Zusätzliche personelle Kapazitäten, Arbeiten im Mehrschichtbetrieb oder eine Konzentration der Maßnahmen in der verkehrsärmeren Ferienzeit."

Nach diesem Social-Media-Vorstoß der Ministerin hat das Regierungspräsidium Stellung bezogen: "Der Schwerpunkt der Hauptarbeiten ist bewusst in die Sommerferien gelegt worden, um die Auswirkungen auf Anlieger und Betriebe möglichst gering zu halten", sagte ein Sprecher dem SWR. Mehr Personal, wie es Hoffmeister-Kraut vorgeschlagen hat, bedeute nicht automatisch einen schnelleren Abschluss der Sanierung.

Zwei Bundestagsabgeordnete warnen vor "Stau-Sommer"

Auch die Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß (Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen) und Christoph Naser (Wahlkreis Tübingen-Hechingen) blicken mit Sorge auf die Sanierung der B27: "Insbesondere den Anwohnern droht ein ungemütlicher Stau-Sommer", schreiben sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Die CDU-Politiker fordern das Regierungspräsidium Tübingen ebenfalls auf zu prüfen, wie die Bauarbeiten beschleunigt werden könnten. Täglich nutzten mehr als 30.000 Fahrzeuge die B27 zwischen Bodelshausen und Ofterdingen.

B27 muss auch bei Balingen zeitweise voll gesperrt werden

Voll gesperrt wird die B27 außerdem bei Balingen - und zwar vom 13. Juli bis voraussichtlich Anfang August. Auch dort wir es eine Umleitung geben. Für die weiteren Bauarbeiten bis Oktober soll jeweils nur eine Spur in jede Richtung gesperrt werden. Aber auch die einseitige Sperrung wird zu Behinderungen führen. Da braucht es Geduld. "Wenn die B27 g´macht werda muss, dann muss se halt g´macht werda" - so locker schwäbisch wie die ältere Dame am Gartenzaun in Ofterdingen sehen es allerdings nicht alle Beteiligten.

Balingen

Stau ist vorprogrammiert Für Autofahrer droht Stress auf der B27 bei Ofterdingen und Balingen

Ab Juli müssen Pendlerinnen und Pendler an einigen Stellen auf der B27 starke Nerven haben. Bei Ofterdingen und Balingen ist rund drei Monate lang mit Staus und Umwegen zu rechnen.

Tübingen

Politiker und IHK fürchten Stillstand Ausbau der B27 bei Ofterdingen und Tübingen dauert wohl länger

Pendler auf der B27 brauchen wohl noch viel Geduld. CDU-Politiker aus der Region befürchten einen Stillstand beim Ausbau. Grund dafür: die Finanzplanung im Bundeshaushalt.

SWR4 am Freitag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Florian Dürr
Der Mitarbeiter des SWR Studio Tübingen Florian Dürr

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!