Mittel gegen "Empty Nester"

Gut für Klima und Geldbeutel: Wie ein Hausbesitzer Wohnraum schafft und Heizkosten spart

Überall mangelt es an Wohnungen. Gleichzeitig stehen Häuser leer, können kaum genutzt werden, passen nicht von der Größe. Ein Hauseigentümer aus Stuttgart zeigt, wie es anders geht.

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Viele kennen es: Die Kinder sind ausgezogen. Das Haus fühlt sich leer an. Nur die Heizkosten bleiben wie sie waren: hoch. "Das muss nicht sein", sagt Laurine Basler vom Energieberatungszentrum Stuttgart (EBZ). "Wir möchten Menschen dabei unterstützen, frühzeitig zu überlegen, wie sie ihren Wohnraum an veränderte Bedürfnisse anpassen - noch bevor das eigene Zuhause zur Belastung wird." Dafür bietet die lokale Energieagentur der Stadt Stuttgart eine neue Wohnraumberatung an. Diese soll dabei unterstützen, Altbauten in passende, barrierearme Wohnungen umzubauen - und zugleich Heizkosten zu sparen.

Drei Wohnungen aus einer Doppelhaushälfte

Wie so ein Umbau aussehen kann, zeigt das Projekt von Benedikt Karow in Stuttgart-Weilimdorf. Er kaufte vor Kurzem eine Doppelhaushälfte in der Nachbarschaft. Die Ausgangslage war dabei nicht einfach: Das Haus stammte aus der Mitte der 30er-Jahre, die Fenster waren alt, es gab keine Zentralheizung - eine Sanierung war überfällig. Auch war die Raumaufteilung in der Doppelhaushälfte nicht optimal. So sanierte Benedikt Karow das Haus nicht nur energetisch, sondern machte aus dem Einfamilienhaus ein Gebäude mit drei Wohneinheiten. Diese vermietet er nun.

Die Sanierung hält ihm zudem weitere Optionen offen. Denkbar ist zum Beispiel auch, dass seine Eltern dort zu einem späteren Zeitpunkt einziehen. Deren aktuelles Haus ist nicht barrierefrei. Außerdem gibt es eine separate Wohnung für beispielsweise eine Pflegekraft.

Umgebaute und sanierte Doppelhaushälfte
Benedikt Karow hat ein Einfamilienhaus saniert und umgebaut. Nun gibt es dort drei unabhängige Wohnungen. Thomas Lenz

Aus einem Einfamilienhaus drei Wohnungen zu machen, "war eine Hausnummer", sagt Benedikt Karow im Nachhinein. Aber mit dem richtigen Team gehe das. Zusammen mit einer Architektin erarbeitete er nicht nur das Umbaukonzept, sie half auch bei der Vermittlung von Handwerkern. Diese bauten das Haus so aus, dass aus anfangs rund 80 nun 150 Quadratmetern Wohnfläche entstanden. "Wir haben hier nichts platt, sondern alles neu und modern gemacht", so der Hausbesitzer.

Umbau für mehr Klimaschutz

Um Umbauten wie den von Benedikt Karow zu fördern, bietet das Energieberatungszentrum Stuttgart neuerdings die Wohnraumberatung an. Diese ist laut EBZ zumindest bis Ende 2026 kostenlos, denn solange wird sie vom Stuttgarter Klimainnovationsfonds unterstützt. Das unterstreicht, dass es bei dem Angebot nicht nur um die Schaffung von geeignetem Wohnraum geht, sondern auch um Klimaschutz. Denn durch die energetische Sanierung und das effizientere Nutzen von Wohnraum wird der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verringert.

Zum Hintergrund: In Deutschland ist der Energiebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche seit 1990 deutlich gesunken. Gleichzeitig ist aber auch die Wohnfläche pro Person stark gewachsen. Die Nachwuchsforschungsgruppe "EnSu" zeigt, dass der Raumwärmebedarf pro Kopf heute etwa so hoch ist wie zu Beginn der 1990er Jahre. Das heißt, die Einsparungen werden durch größere Wohnungen nahezu "aufgefressen". In Fachkreisen wird vom "Rebound-Effekt" gesprochen.

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EBZ Stuttgart: Großes Potential bei "Empty Nestern"

Besonders groß ist laut EBZ das Problem bei den sogenannten "Empty Nestern" (leere Nester). Damit werden Wohnungen oder Häuser bezeichnet, in denen Eltern dieselben vier Wände bewohnen, die sie zuvor mit ihren Kindern gemeinsam genutzt haben. In Stuttgart verfügen Haushalte von Hochbetagten ab 80 Jahren im Schnitt über 70 Quadratmeter pro Kopf. Menschen bis zu 44 Jahren in Familienhaushalten kommen hingegen mit durchschnittlich nur 26,2 Quadratmeter aus. Das geht aus dem Stuttgarter Wohnungsmarktbericht 2025 hervor.

Die "Wohnungsbedarfanalyse Stuttgart 2030" prognostiziert zudem: Die Zahl der Haushalte zwischen 65 und 80 Jahren wächst bis 2030 am stärksten. Viele ältere Menschen wohnten im Eigenheim, zögen selten um und lebten auf Flächen, die nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen. Dort erhöht sich laut EBZ der Bedarf an altersgerechten Umbauten - also Umbauten wie sie Benedikt Karow in Stuttgart-Weilimdorf gemacht hat.

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Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Philipp Pfäfflin
Portraitfoto von Philipp Pfäfflin
Reporter/in
Thomas Lenz

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