Hitze, Trockenheit, Funkenflug

Wie hoch ist die Waldbrandgefahr in Stuttgart, im Schönbuch und im schwäbischen Wald?

Mit jedem trockenen Sommer steigt die Waldbrandgefahr. Wie gut Böblingen, Rems-Murr und Stuttgart im Ernstfall vorbereitet sind und wo es noch Lücken gibt, zeigt unser Überblick.

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Von Autor/in Aita Koha

Ausgetrocknete Böden, Hitze, dunkle Rauchschwaden am Horizont - die Bilder großer Waldbrände aus Südeuropa kennen viele nur aus den Nachrichten. Doch auch in der Region Stuttgart wächst mit jedem heißen, trockenen Sommer die Gefahr, dass aus einem kleinen Feuer ein größerer Vegetations- oder Waldbrand wird. Wie gut sind die Kreise mit viel Wald in der Region und auch die Landeshauptstadt vorbereitet - und wo sehen die Verantwortlichen noch Lücken?

Böblingen: Waldbrandgefahr eher gering

Im Landkreis Böblingen schätzen Landratsamt, Feuerwehren und Katastrophenschutz die Lage insgesamt vergleichsweise entspannt ein. Vor allem im Schönbuch gelte die Waldbrandgefahr als eher gering, so eine Sprecherin des Landratsamtes. Unter anderem sei das deshalb der Fall, weil dort viel Laubwald stehe und ein dichtes Wegenetz schnelle Einsätze ermögliche.

Laut dem Landratsamt verfügen die Feuerwehren über geländegängige Löschfahrzeuge, klassische Tanklöschfahrzeuge, spezielle Waldbrandwerkzeuge, Löschrucksäcke und Schläuche für lange Wegstrecken. Teilweise würde die Feuerwehr auch Drohnen nutzen, um sich einen Überblick aus der Luft zu verschaffen. Löschwasser würde aus Hydranten, Teichen, Flüssen oder Löschwasserbehältern gewonnen, in abgelegenen Bereichen übernehmen Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr dann die Versorgung.

Feuerwehr nutzt Spezial-Unimog

Besonders hervor sticht ein neues Spezialfahrzeug: Laut dem Landratsamt sei seit 2006 ein vom Land beschafftes Tanklöschfahrzeug auf Unimog-Basis in Gärtringen stationiert. Es sei für unwegsames Gelände konzipiert und Teil einer landesweiten Sondereinheit. Von diesen Fahrzeugen gibt es nach Angaben des Landratsamtes nur sechs in ganz Baden-Württemberg.

Rund 2.600 Feuerwehrangehörige stehen im Landkreis Böblingen zur Verfügung, größtenteils ehrenamtlich, so das Landratsamt. Gleichzeitig arbeite der Kreis an einer noch besseren Vorsorge: Optimierte Löschwasserversorgung, moderne Technik für Vegetationsbrände, regelmäßige Schulungen und ein "Waldbrandtandem", in dem Förster die Feuerwehren im Einsatz als Fachberater unterstützen.

Rems-Murr-Kreis: Hohe Gefahr, viel Material und Blick auf den Klimawandel

Deutlich schärfer formuliert der Rems-Murr-Kreis seine Einschätzung: Die Brandgefahr sei aktuell "sehr hoch". Neben Hitze und Trockenheit machen den Einsatzkräften besonders Wind und steiles Gelände zu schaffen. Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz und Revierförster beobachten die Lage kontinuierlich, Erfahrungen aus Einsätzen würden direkt in die Planung einfließen.

Die Feuerwehren im Kreis hätten in den vergangenen Jahren kräftig aufgerüstet, so der Kreis: In Remshalden und Welzheim stehen Großtanklöschfahrzeuge mit je 5.000 Litern Wasser, in Backnang, Waiblingen und Weinstadt Abrollbehälter mit je 10.000 Litern. Dazu kommen drei Löschfahrzeuge und ein Schlauchwagen des Katastrophenschutzes. Eine Besonderheit: Viele Kommunen kooperieren mit Landwirten, die mit großen Güllefässern schnell und geländegängig Wasser an die Einsatzstelle bringen können.

Was der Rems-Murr-Kreis im Falle eines Waldbrandes mobilisieren kann

Löschwasser wird aus dem regulären Netz, aus Zisternen und Löschbehältern sowie aus Seen, Bächen und Flüssen entnommen - in Abstimmung mit Naturschützern und Wasserversorgern. Nach Angaben des Landratsamts sind Zugänge zu öffentlichen Gewässern im Kreis flächendeckend vorhanden.

Im Ernstfall können die 31 Gemeindefeuerwehren mit ihren 77 Abteilungen und drei Werkfeuerwehren auf rund 3.800 aktive Kräfte und 450 Einsatzfahrzeuge zurückgreifen.

Stuttgart: Spezielle Einsatzkonzepte und Appell an die Bürger

Auch die Feuerwehr Stuttgart bereitet sich gezielt auf Vegetations- und Waldbrände vor. Es gebe ein eigenes Einsatzkonzept, speziell geschulte Kräfte und Sonderfahrzeuge wie Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge und Großtanklöschfahrzeuge, erklärt Daniel Anand von der Feuerwehr Stuttgart. In diesem Jahr war die Feuerwehr bereits mehrfach bei kleineren bis mittleren Vegetations- und Waldbränden im Stadtgebiet im Einsatz.

Eine unterschätzte Gefahr seien dabei die vielen kleinen, verdorrten Grünflächen entlang von Straßen und Wegen. Weggeworfene Zigaretten, heiße Teile am dem Auto wie der Auspuff oder Fahrzeuge, die auf ausgetrockneten Wiesen abgestellt werden - all das kann ausreichen, um ein Feuer zu entfachen. Deshalb appelliert die Feuerwehr eindringlich an die Bevölkerung, besonders vorsichtig zu sein und bei Brandverdacht sofort den Notruf 112 zu wählen.

Rund um die Uhr stehen in Stuttgart nach Angaben der Feuerwehr etwa 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr bereit. Unterstützt werden sie von 24 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr mit über 1.000 ehrenamtlichen Kräften - nicht alle gleichzeitig, aber im Bedarfsfall ergänzend. Sollte es zu einer Großlage kommen, kann die Stadt zudem auf Einheiten von Land, Bund oder auch der EU zurückgreifen.

Wie sieht es mit einem Frühmeldesystem aus?

Klar ist: Je früher ein Waldbrand entdeckt wird, desto besser bekommt man ihn in den Griff. Dennoch gibt es etwa in den Wäldern in Stuttgart keine technischen oder gar automatisierten Meldewege, die einen Waldbrand erkennen und melden, heißt es von der Stuttgarter Feuerwehr.

Manchmal greift der Zufall, wenn etwa ein Polizeihubschrauber aus anderen Gründen unterwegs ist, oder der Tower am Flughafen stellt eine solche Entwicklung fest. Ansonsten ruft die Feuerwehr die Bürgerinnen und Bürger zur Mithilfe auf: Immer, wenn etwas Verdächtiges wie etwa Rauch zu sehen ist, den europaweiten Notruf 112 zu wählen.

Fazit: Gut gerüstet - aber ohne Bevölkerung geht es nicht

In allen drei Kreisen lautet die Botschaft: Die Feuerwehren sind deutlich besser auf Wald- und Vegetationsbrände vorbereitet als noch vor einigen Jahren. Spezielle Fahrzeuge, eingespielte Führungsstäbe, Kooperation mit Förstern und Landwirten. Strukturell hat sich viel getan.

Gleichzeitig machen die Kreise Böblingen und Rems-Murr und die Feuerwehr Stuttgart klar: Auch das Verhalten der Menschen entscheidet. Auf trockenem Gras reicht oft ein Funke. Genau deshalb sind Aufmerksamkeit, Vorsicht und schnelle Notrufe ein zentraler Baustein im Waldbrandschutz.

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Aita Koha
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