Ein heftiges Unwetter hat vergangenen Freitag in der Region Stuttgart schwere Schäden angerichtet. Besonders rund um Sindelfingen (Kreis Böblingen) waren Feuerwehr und Rettungskräfte im Dauereinsatz - vor allem wegen abgebrochener Äste, umgestürzter Bäume und Verkehrsunfällen. Besonders hart traf es die Gemeinde Magstadt. Dort rückte die Feuerwehr laut Bürgermeister Florian Glock (FDP) mehr als 40 Mal aus. Die Aufräumarbeiten dauern weiterhin an.
Auf Instagram postete Glock am Wochenende selbst das Ausmaß des Unwetters:
Bürgermeister fordert Hilfe vom Land
Der Hagel verstopfte die Abflüsse, sodass die Wassermassen nicht mehr abfließen konnten. Die Alte Stuttgarter Straße verwandelte sich dadurch in einen reißenden Bach, berichtet Glock. Mehrere Keller liefen voll, außerdem wurde die Stadtbücherei überflutet. Nun muss dort der Teppich in der Kinderbibliothek ausgetauscht werden, damit das Ferienprogramm wie geplant stattfinden kann.
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"Wir haben seit Längerem Wasserschutzkonzepte entwickelt und arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung. Teilweise werden diese auch gefördert, das reicht jedoch nicht", so der Bürgermeister. "Das kann es doch echt nicht sein, dass wir vom Land in solchen Fällen nicht angemessen unterstützt werden", ergänzt er. Das Konzept koste die einkommensschwache Kommune fünf Millionen Euro.
Wir müssen uns das Geld aus der Rippe schneiden.
Apfelernte fällt aus
Auch die Landwirte zwischen Magstadt und Weil der Stadt (Kreis Böblingen) kämpfen mit den Folgen des Unwetters. Der Hagel hat massive Schäden verursacht. Der Ertrag von rund 9.000 Obstbäumen ist innerhalb weniger Stunden zerstört worden, berichtet Manfred Nuber von der Obstbauberatung des Landkreises Böblingen.
Besonders bitter: In den kommenden Tagen hätte die Ernte der frühen Apfelsorten beginnen sollen. Stattdessen müssen die Obstbauern nun die Schäden beseitigen. "Der Hagel hat die Äpfel regelrecht zerfetzt", sagt Nuber. Zudem bestehe Astbruchgefahr. Die Schäden könnten sich auch langfristig auswirken: Verletzte Äste seien anfälliger für Pilzbefall und könnten in der nächsten Apfelsaison leichter abbrechen.
Nicht alle Bauern gegen Hagel versichert
Hagelschäden dieser Größenordnung sind in der Region bislang selten gewesen, sagt Nuber. Deshalb hätten viele Obstbaubetriebe auf eine zusätzliche Hagelversicherung verzichtet - auch, weil diese vergleichsweise teuer sei. Um ihre Kundschaft weiterhin beliefern zu können, müssten viele Betriebe nun Äpfel zukaufen. Das treffe vor allem Direktvermarkter, etwa Hofläden. Nach Nubers Einschätzung sind höchstens noch 20 Prozent der Äpfel für die Mostherstellung geeignet. Wie hoch der Gesamtschaden ist, lasse sich derzeit noch nicht genau beziffern.
Nach einem Unwetter Welche Versicherung zahlt den Schaden?
Nach dem Unwetter: abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller oder Hagelschaden an Autos. Die Frage: Welche Versicherung kommt für welche Schäden auf?
Nicht nur der Obstbau ist betroffen. Auch die Maisfelder von Landwirt Thomas Haug wurden durch den Hagel schwer beschädigt. Der Mais ist als Winterfutter für seine Kühe eingeplant. Wie er seine Tiere in den kommenden Monaten versorgen soll, ist derzeit unklar. Zwar habe Landwirt Haug den Mais gegen Hagelschäden versichert, Ersatzmais sei in der Region jedoch kaum zu bekommen. Hinzu kämen die anhaltende Trockenheit und niedrige Milchpreise. Diese Kombination könne für landwirtschaftliche Betriebe schnell existenzbedrohend werden. "Mir steht das Wasser bis zum Hals", beschreibt Haug seine Lage.