Hitze und Trockenheit

Kann es in Stuttgart mit der Wasserversorgung eng werden?

Temperaturen an die 40 Grad sind in Stuttgart keine Seltenheit mehr. Gerade an heißen Tagen verbrauchen Menschen deutlich mehr Wasser. Kann Trinkwasser in Stuttgart knapp werden?

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Von Autor/in Loris Hoffmann

An heißen Sommertagen steigt der Bedarf an Trinkwasser, gleichzeitig dauert es aufgrund der Effekte des Klimawandels immer länger, bis neues Trinkwasser entsteht. Das Land Baden-Württemberg untersucht seit deshalb Jahren, wo im Land es Probleme bei der Wasserversorgung bis zum Jahr 2050 geben könnte. Das Ergebnis: Bis zum Jahr 2050 drohen rund 50 Prozent der Kommunen in Baden-Württemberg während Hitze- und Trockenperioden erhebliche Defizite bei der Trinkwasserversorgung. Auch in der Region Stuttgart?

Kann Trinkwasser in Stuttgart knapp werden?

Die gute Nachricht vorneweg: Die Trinkwasserversorgung in Stuttgart ist nicht gefährdet. Das teilen die beiden Wasserversorger auf SWR-Nachfrage mit. Die Stadt Stuttgart profitiert nämlich davon, Trinkwasser aus zwei verschiedenen Quellen zu beziehen: von der Landeswasserversorgung und von der Bodensee-Wasserversorgung. Daher hängt die Menge des in Stuttgart verfügbaren Trinkwassers nicht von Trockenperioden oder Niederschlagsmengen ab. "Die Landeswasserversorgung hat sich in den vergangenen Jahren auf solche Spitzenverbrauchszeiten sehr gut vorbereitet, beispielsweise durch Erschließung neuer Ressourcen", teilte eine Sprecherin der Landeswasserversorgung mit.

Die Versorger appellieren aber an Bürgerinnen und Bürger, bewusst und achtsam mit der kostbaren Ressource Trinkwasser umzugehen und das System zu schonen, also nicht etwa Gärten und Rasenflächen zu besprengen und Pools nur äußerst sparsam zu befüllen.

Können die Stuttgarter Mineralquellen bei der Wetterlage versiegen?

Die Stuttgarter Heil- und Mineralquellen können nicht versiegen, so ein Pressesprecher der Stadt. Das Bad Cannstatter Mineralwasser tritt an 13 Mineralbrunnen "frei" aus. Hier darf auch für den unmittelbaren privaten Gebrauch abgefüllt werden. Laut der Stadt Stuttgart haben solche Entnahmen keinen Einfluss auf die Schüttung der Mineralquelle. Wie viel Wasser austritt, sei Schwankungen unterworfen und hänge aufgrund der Tiefe und des Einzugsgebiets der Quellen nicht direkt mit aktuellen Wetterlagen zusammen.

Wie sieht es mit der Versorgung in der Wilhelma aus?

Auch für die Tiere in der Wilhelma bestehe keine Gefahr. Denn der Zoo verfügt über eine eigene Mineralquelle und hat Zugriff auf die Auquelle. Außerdem kann der Zoologisch-Botanische Garten bei Engpässen auf das städtische Leitungsnetz wechseln.

Rund 160 Brunnen und Wasserspiele in Stuttgart

Aktuell sind nach Angaben der Stadt Stuttgart rund 160 Brunnen und Wasserspiele in Stuttgart in Betrieb. Etwa 15 Prozent der Anlagen sind aus technischen Gründen ausgeschaltet. 117 Brunnen sind Trinkwasserbrunnen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Alle funktionsfähigen Trinkbrunnen seien in Betrieb. Es gebe jedoch darunter ältere und technisch anfällige Anlagen, die ebenfalls an verschärfte Hygienestandards angepasst werden müssten, heißt es auf SWR-Nachfrage.

Rund zehn städtische Trinkbrunnen sind technisch bedingt nicht in Betrieb. Die Lage sei aufgrund der Hitze und der notwendigen Hygienekontrollen jedoch dynamisch, da die Anlagen ständig kontrolliert werden müssen.

Wasserversorgung in Stuttgart besonders herausfordernd

Durch Stuttgart fließt ein rund 2.500 Kilometer langes Leitungsnetz mit rund 104.000 Wasserzählern. Nach Angaben der Wasser Netze BW ist die Wasserversorgung in Stuttgart besonders herausfordernd. Denn während in vielen anderen Städten das Trinkwasser vergleichsweise einfach in die Stadt hineinfließen kann, müssen in Stuttgart Höhenunterschiede von bis zu 300 Metern überwunden werden.

Auch Wasser Netze BW bestätigt auf SWR-Anfrage, dass die Trinkwasserversorgung bis zum Jahr 2040 vorraussichtlich stabil bleiben werde. Dennoch sei ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Trinkwasser wichtig - auch mit Blick auf die zunehmenden klimatischen Herausforderungen. Bei anhaltender Hitze empfiehlt das Unternehmen: Rasenflächen nur sehr bewusst und sparsam zu bewässern. Einen allgemeinen Aufruf an die Bevölkerung zum Wassersparen gibt es für Stuttgart derzeit nicht.

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Loris Hoffmann
Porträtfoto von Loris Hoffmann