Zwei Tierschutz-Aktivisten sind am Sonntag beim Volksfestumzug in Stuttgart-Bad Cannstatt plötzlich mit einem Transparent vor der Kutsche des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper (CDU) aufgetaucht. Der OB griff sich kurzerhand das Transparent und zog es in die Kutsche rein. Nun hat er sein Vorgehen verteidigt.
Er habe den Protestierenden das Transparent abgenommen, "weil die überfallartige Aktion nicht nur eine Störung, sondern sogar eine unmittelbare Gefährdung des Umzugs dargestellt" habe, teilte eine Sprecherin Noppers dem SWR am Montag auf Nachfrage mit. Er habe "lediglich das Transparent und keinen der Aktivisten berührt", hieß es.
Kräftemessen zwischen Nopper und Tierschutzaktivisten
Auf einem Video der Gruppe ist zu sehen, wie zwei Aktivisten hinter der Kutsche gehen und dabei bereits ein Transparent zwischen sich halten. Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes stellt sich zwischen die beiden und versucht offenbar so, sie am Weitergehen zu hindern. Doch den beiden Aktivisten gelingt es, zur Kutsche aufzuschließen, in der Nopper und seine Frau Gudrun sitzen. Als sie auf der Höhe des Kutschenwagens sind und neben ihm gehen, ist zu sehen, wie sich Nopper kurz erhebt, das Transparenz greift und zu sich in die Kutsche zieht, während die Aktivisten versuchen, dagegenzuhalten.
Nopper: Situation war gefährlich
"Eine Gefährdung der Demonstranten und auch der umstehenden Zuschauer bestand deshalb, weil die Pferde infolge der Aktion hätten scheuen und Menschen verletzen können", gab die Sprecherin zu bedenken. Das Anliegen der Aktivistinnen und Aktivisten sei Nopper in diesem Moment außerdem nicht bekannt gewesen, da er die Aufschrift auf dem Transparent nicht habe lesen können, so seine Sprecherin. Sie wies zugleich darauf hin, der Oberbürgermeister sei auch Leiter der Kreispolizeibehörde, die für Maßnahmen nach dem Versammlungsgesetz zuständig sei.
Gruppe kritisiert: Aktivist verletzt
Die Gruppe "Kollektiv Tierbefreiung Stuttgart" hatte am Sonntag mitgeteilt, zwei ihrer Aktivisten hätten am Vormittag beim Cannstatter Volksfestumzug gegen Tierausbeutung protestiert. Zu diesem Zweck hätten sie vor der Pferdekutsche von Nopper und seiner Frau ein Transparent in die Höhe gehalten. Darauf sei die Forderung "Tierschauverbot für Stuttgart" geschrieben gewesen.
Die Gruppe kritisiert: "Nopper entriss ihnen dieses aggressiv und verletzte einen der zwei Aktivisten dabei." Sechs weitere Aktivistinnen und Aktivisten hätten den Umzug lautstark mit Transparenten gestört, auf denen "Umzug ohne Tiere" und "Tierausbeutung stoppen" gestanden habe. Dann seien sie von der Stuttgarter Polizei "von der Straße gezerrt und abgeführt" worden, so die Tierschutzgruppe.
Tradition auf dem Wasen Tiere, Traktoren und Zukunftssorgen: 102. Landwirtschaftliches Hauptfest beginnt
Einiges los dürfte am Sonntag auf dem Cannstatter Wasen sein: Dort beginnt direkt neben dem Volksfest Süddeutschlands größte Messe für Landwirtschaft. Das ist kein Zufall.
Polizei widerspricht Aktivisten - Aufnahmen werden ausgewertet
Die Polizei widerspricht dieser Darstellung. Vor Polizeikräften seien am Sonntag zuerst Ordnungskräfte eingeschritten und hätten die Aktivisten vom Umzug weg gelenkt. Bei der Aktion handele es sich um eine unangemeldete Demonstration. Ob dies Folgen habe, sei noch nicht abzusehen. Momentan werte man noch Videos und andere Aufnahmen aus. Allerdings habe auch noch niemand Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.
Vorwurf: Tiere werden genötigt und gequält
Die Aktivistinnen und Aktivisten kritisieren, beim Cannstatter Volksfestumzug müssten Tiere leiden. "Mehr als ein Dutzend Schweine werden genötigt, im sogenannten Schweinetrieb gesammelt zu laufen und mit Klopfen von Holzbesen weitergetrieben", so die Gruppe und fügt hinzu: "Auch Pferde, Ochsen, Kühe und Ziegen werden durch unnötige Transporte, lange Wartezeiten, ständige Beschallung durch lautes Klatschen und Musik gequält." Die Tiere in einer lauten und engen Innenstadt einzusetzen, sei Missbrauch und habe nichts mit Brauchtum oder Tradition zu tun.