Eine ehemalige Stadtbahn-Fahrerin steht wegen der Folgen eines schweren Unfalls in Stuttgart-Wangen im Februar 2024 seit Dienstag vor dem Amtsgericht Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau fahrlässige Körperverletzung in 17 Fällen und einen gefährlichen Eingriff in den Schienenverkehr vor. Die Frau leide unter einer Schlafapnoe. "Dies hatte für die Angeklagte vorhersehbar und vermeidbar zur Folge, dass sie während der Fahrt einschlief", sagte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt.
Fahrerin soll Stadtbahn erschöpft gelenkt haben
Bei einer Schlafapnoe erleiden Betroffene Atemaussetzer im Schlaf. Sie sorgt dafür, dass Betroffene morgens nicht erholt aufwachen. Dennoch habe die angeklagte frühere Mitarbeiterin der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gegen den Rat und die Vorgabe der Ärzte ihr Diagnosegerät nicht ausreichend genutzt, sagte der Staatsanwalt. "Ihre Fahruntüchtigkeit hätte die Angeklagte bei kritischer Selbstprüfung erkennen können und müssen", sagte der Staatsanwalt.
Die Fahrerin habe mit der Möglichkeit rechnen müssen, im Zustand der Fahruntüchtigkeit einen Unfall zu verschulden. Die Anklage wirft der Frau vor, sie habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt, als sie mit dem mehr als 50 Tonnen schweren Schienenfahrzeug und mit rund 25 Kilometern in der Stunde auf eine andere stehende Stadtbahn auffuhr. Die Frau will sich nach Angaben ihres Anwalts im Prozess nicht äußern. Wie der SWR erfuhr, hat die Angeklagte inzwischen den Beruf gewechselt und arbeitet mittlerweile in einer Verwaltung.
18 Verletzte bei Stadtbahn-Unfall 2024 in Stuttgart
Es war einer der schwersten Unfälle in der Geschichte der Stuttgarter Stadtbahn. "Es kam gegen 09:54 Uhr auf Höhe des Grundstücks Inselstraße 20 in Stuttgart-Wangen zu einer Kollision mit einem dort stehenden Stadtbahnzug der Linie U4", hatte das Amtsgericht im Vorfeld des Prozesses über den Unfalltag mitgeteilt. Insgesamt seien 17 Fahrgäste verletzt worden.
Eine Frau musste reanimiert werden, auch die angeklagte Fahrerin wurde bei dem Aufprall eingeklemmt und schwer verletzt. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Das Gericht hat 20 Zeuginnen und Zeugen und drei Sachverständige geladen. Eine Verletzte hat sich als Nebenklägerin dem Verfahren angeschlossen.
Gaffervideo über Stadtbahn-Unfall: Geldstrafe
Für drei Männer hatte der Unfall bereits rechtliche Konsequenzen. Ein 64-jähriger hatte an der Unfallstelle ein Video von der eingeklemmten Fahrerin gemacht. Die Bilder gelangten über Whatsapp in soziale Netzwerke. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte ihn dafür zu einer Geldstrafe, genauer gesagt zu 60 Tagessätzen wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen. Zwei junge Männer sollen das Video jeweils auf die Social-Media-Plattform TikTok hochgeladen haben. Auch sie wurden von Amtsgerichten jeweils zu einer Geldstrafe verurteilt.