Braune Brühe rinnt die Wand herunter: Thorsten Möwes und sein Mitarbeiter halten den Hochdruckstrahl auf ein Graffito, dieses löst sich langsam vom Gemäuer. Er hat schon George Washington am Mount Rushmore per Hochdruckreiniger die Nase geputzt. Diesen Mittwoch säubert er das Portal der denkmalgeschützten Eisenbahnbrücke in Stuttgart-Bad Cannstatt. Bei ihm steht Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU). Er will, dass Stuttgart schöner wird: "Sauberkeit ist ein entscheidender Beitrag zur Lebensqualität." Deshalb wurden in einer Studie nun die Stuttgarterinnen und Stuttgarter zur Sauberkeit befragt.
Sauberkeits-Offensive: "Müll-Sheriffs" verteilen Bußgelder
Die Putzaktion ist Teil eines Kultursponsorings der Firma Kärcher aus Winnenden (Rems-Murr-Kreis). Für Stuttgart ist diese Putzaktion ein Baustein in der Sauberkeits-Offensive der Stadt - wie auch die neu eingeführten "Müll-Sheriffs". Sie sollen illegal abgeladenen Müll aufspüren und regeln, dass dieser zügig weggeräumt wird. Zudem will die Stadt in den Jahren 2026 und 2027 jeweils zusätzlich 2,5 Millionen Euro in den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) für mobile Reinigungstrupps investieren. Diese sollen kurzfristig vor Ort sein können und Müll-Hotspots beseitigen, auch um die regulären Reinigungstrupps zu entlasten.
Gegen illegale Müllberge Damit Stuttgart sauberer wird: Müll-Sheriffs fahren Streife
Seit Juni sind in Stuttgart sogenannte Müll-Sheriffs unterwegs. Sie suchen im Auftrag der Stadt nach illegal abgestelltem Müll und Hinweisen auf die Verursacher.
Neue Studie zu Sauberkeit: Zufriedenheit mit Abstrichen
Insgesamt fühlt sich Stuttgart recht sauber an: Die repräsentative Studie der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) zeichnet ein eher positives Bild der Lage. 81 Prozent der Befragten bewerteten die Sauberkeit als "sehr gut" oder "eher gut". Aber: In einigen Bereichen ist die Zufriedenheit im Vergleich zur vorherigen Befragung 2023 gesunken.
Das erkläre sich vor allem durch eine Verschiebung der Antworten von "sehr zufrieden" auf "eher zufrieden". Und man packt sich für das Problem sogar an die eigene Nase oder eher - an die des Mitbürgers: Für die Verschmutzung des öffentlichen Raumes sehen die Befragten in den offenen Kommentaren der Studie eher ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Verantwortung. Mit der Arbeit der Abfallwirtschaft sei man allerdings mehrheitlich zufrieden. Verbesserungsbedarf sehen die Befragten insbesondere vor Take-away-Restaurants und am Hauptbahnhof.
Brückentunnel bleibt schmutzig: Ist das noch Kunst oder schon Schmiererei?
Thorsten Möwes durfte die Eisenbahnbrücke allerdings nur im Außenbereich reinigen. Im Inneren bleibt es schmutzig, obwohl dort täglich Menschen durchspazieren. Das hat einen kuriosen Grund: unter Rußpartikeln und Graffiti verbirgt sich ein Kunstwerk: Ein Stuttgarter Künstler bemalte einst Teile der Brückenmauern. Deswegen steht deren Oberfläche unter Denkmalschutz, verriet die Stadt.